Städtebau  

 

Soziale Stadt, Quartiersmanagement

Entwicklung: 2010


Warum Quartiersmanagement?

Als 1996 im Auftrag des Berliner Senats untersucht wurde, wie sich die soziale Entwicklung in den Berliner Stadtteilen nach der Wiedervereinigung der Stadt darstellte, zeigte sich, dass bestimmte Gebiete in besonderem Maße von sozialer Entmischung betroffen waren und sich dort schwierige soziale Problemlagen häuften.

Darüber hinaus zeigte sich, dass in diesen sozial benachteiligten Quartieren eine Verwahrlosung des öffentlichen Raums - der Straßen, Plätze und Grünanlagen - sowie Defizite der sozialen Infrastruktur hervortraten. Familien, die es sich leisten konnten, zogen aus diesen Gebieten weg, insbesondere, wenn ihre Kinder schulpflichtig wurden. Auf diese Entwicklung reagierte der Berliner Senat mit der Interventionsstrategie der sozialen Stadtentwicklung. Herzstück ist das Berliner Quartiersmanagement.

Wo findet man das Quartiersmanagement?

Seit dem Jahr 1999 dient das Programm "Soziale Stadt" der Stabilisierung und Weiterentwicklung von Stadtteilen, in denen das Leben durch die Gefahr sozialer Benachteiligung geprägt ist. Arbeitslosigkeit, Abhängigkeit von Transfereinkommen und Probleme, die aus mangelnder sozialer und ethnischer Integration resultieren, beeinträchtigen den Alltag und die Zukunftsperspektiven der Gebiete.

Die Quartiere sind entsprechend ihrer soziodemografischen Ausgangslage in Kategorien von Prävention über mittlere bis starke Intervention eingestuft und werden unterschiedlich personell und finanziell ausgestattet.

Die Einstufung wird regelmäßig im Rahmen eines speziellen Gebietsmonitorings beobachtet und der Entwicklung in den Gebieten angepasst.

Wie funktioniert Quartiersmanagement?

Die wesentliche Voraussetzung für ein stabiles Gemeinwesen liegt darin, die Bewohnerinnen und Bewohner in die Aufwertungs- und Entwicklungsprozesse kontinuierlich mit einzubeziehen. Die Einberufung von Quartiersräten und deren konstruktives und entscheidendes Mitwirken beim Einsatz der zur Verfügung gestellten Finanzmittel ist dabei von herausragender Bedeutung.

Das Wissen der Menschen im Quartier ist Dreh- und Angelpunkt einer gemeinsamen Stabilisierungs- und Aufwertungsstrategie. Der Schulterschluss zwischen Bewohnerschaft, Verwaltung und den Stadtteileinrichtungen ist die Grundlage eines neuen, solidarischen Zusammenlebens.

Die soziale Stadtentwicklung ist ein Prozess der Veränderung auf vielen Ebenen. Es hat sich gezeigt, dass Veränderungen vorrangig durch die Verbesserung der Bildungschancen und die verstärkte Integration aller Ethnien in den Quartieren nachhaltig sind.

Seit 2005 ist das Verfahren vor allem auf die Verbesserung der Lebenschancen in benachteiligten Quartieren ausgerichtet: Schwerpunktmäßig auf die Handlungsfelder Integration, Bildung und Erwerbstätigkeit. Flankierend tragen bauliche Maßnahmen zur Stabilisierung der Gebiete bei. Weitere Handlungsfelder wie Gesundheitsförderung, Imageverbesserung, Aktivierung und Beteiligung der lokalen Ökonomie werden weiterverfolgt.

Das Grundgerüst erfolgreichen Quartiersmanagements:
  • Teams als zentrale Akteure im Gebiet
  • fachübergreifende Vernetzung der Verwaltung
  • ein integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept
  • Empowerment, Hilfe zur Selbsthilfe
  • Quartiersräte
  • Quartiers-, Bewohnerinnen- und Bewohnerfonds
  • eine Vielzahl an Projekten in den unterschiedlichen Handlungsfeldern
  • zivilgesellschaftliches Engagement für einen solidarischen Stadtteil

Quartiersmanagement als Netzwerk

Eine wichtige Rolle spielen unsere in den Gebieten präsenten "starken Partner". Das sind u.a. Wohnungsbaugesellschaften, Stadtteilzentren, Schulen oder auch ortsansässige Unternehmen und Gewerbetreibende. Gemeinsam mit ihnen können zur Gebietsaufwertung wichtige Synergieeffekte erzielt werden.

Die Unterstützung der Schulen als besondere Orte im Gebiet, die Herrichtung öffentlicher Straßen, Plätze und Freiflächen oder die Förderung der Stadtteilkultur haben für das Zusammenleben in den Quartieren eine große Bedeutung.

Das Programm "Soziale Stadt" als lernendes Programm hat nicht nur bei den dort lebenden Menschen viel in Bewegung gebracht, sondern auch bei den beteiligten Verwaltungen. Ressortübergreifende Zusammenarbeit und respektvolles Miteinander sind an der Tagesordnung. Ehrenamtliche Arbeit der aktiven Bewohnerschaft ist ein besonderes Plus. Über die Kommunikation im Kiez auf persönlicher Ebene oder über das Internet werden nachbarschaftliche Netzwerke aufgebaut oder gestärkt. Soziale Stadtentwicklung ist eine neue Form des Ressort verbindenden Stadtmanagements, das lokale Ressourcen nutzt und bündelt. Nach einem Jahrzehnt "Soziale Stadt" kann eine positive Bilanz gezogen werden. Der erfolgreiche Weg des Berliner Quartiersmanagements wird weiter beschritten werden.

Das Berliner Quartiersmanagement ist angewandte Kohäsionspolitik

Zusammenhalt stärken, soziale und ethnische Integration fördern, integrierte Stadtteilentwicklung partizipativ und fachübergreifend umsetzen! - die folgenden Seiten geben Einblick in die Vielfalt der Aktivitäten bei der Umsetzung des Programms "Soziale Stadt".

Fakten der Gesamtheit aller Quartiere

  • Gebietsumfang: 2.210 ha; (Berlin: 892 km²)
  • Einwohner: 391.968 (Stand: 31.12.2008); (Berlin: 3.421.675)
  • Ausländeranteil: 112.665 (28,74 %);
    (Berlin: 470.051 bzw. 13,98 %)
  • Bezieher von Transfereinkommen: 36,33 %; (Berlin: 19,83 %)
  • Arbeitslose: 9,97 %; (Berlin: 6,49 %)

Quartiersrätekongress 2009
Quartiersrätekongress 2009

Bewohnerkonferenz
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Interkulturelles Frauenfrühstück
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