Das innerstädtische
QM-Gebiet Bülowstraße/ Wohnen am Kleistpark im Bezirk Tempelhof-Schöneberg grenzt im Norden an das QM-Gebiet Magdeburger Platz (Bezirk Mitte). Im Schöneberger Norden leben rund 17.000 Menschen, davon wohnt jeder Zehnte in der Großwohnanlage "Pallasseum". Zwei Drittel der Bewohnerschaft haben einen Migrationshintergrund, ein Fünftel ist unter 18 Jahre alt. Über ein Drittel der Menschen lebt von Transfereinkommen.
Das dicht bebaute Gebiet verfügt über wenig öffentliche Grün- und Freiflächen, es mangelt an Sportflächen. Die Hauptverkehrsachsen sind durch den Verkehr stark belastet. Die Erschließung durch den öffentlichen Personennahverkehr ist sehr gut. Der Schöneberger Norden ist ein lebhaftes und buntes Quartier mit wechselvoller Geschichte, dem jedoch ein räumlicher und funktionaler Mittelpunkt fehlt. Die Potsdamer Straße, die in nördlicher Richtung zum Potsdamer Platz führt, bildet die zentrale Nord-Süd-Achse. Sie war früher eine vornehme Geschäftsstraße mit ausgeprägtem Nacht- und Vergnügungsleben.
Heute befindet sich im Bereich der Froben- und Kurfürstenstraße am Übergang zum QM-Gebiet
Magdeburger Platz der Straßenstrich. Er hat in den letzten Jahren wieder deutlich zugenommen, während die Drogenszene derzeit etwas zurückgedrängt scheint.
Die Bülowstraße verbindet das Gebiet mit der City West und dem Bezirk Kreuzberg. Am Bülowbogen befanden sich um 1920 die größten Spielhöllen Berlins. Wo bis 1973 der legendäre Sportpalast stand, steht heute die Großwohnanlage "Pallasseum". Im Rahmen der Stadtsanierung wurden große Teile des Gebietes baulich aufgewertet. In den 1980er Jahren geriet die Gegend durch die Hausbesetzerbewegung in die Schlagzeilen.
Mit dem Programm Soziale Stadt sind seit 1999 mehr als 11.000.000 Euro in das Quartier geflossen. Während in der Anfangsphase vor allem bauliche Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung gefördert wurden, flossen die Fördermittel zunehmend in soziokulturelle Projekte in den verschiedenen Handlungsfeldern.
Auswahl realisierter Projekte
Zur Verbesserung des Wohnumfeldes wurden seit 1999 Spiel- und Stadtplätze aufgewertet und neu geschaffen, Hofanlagen neu gestaltet und Schulhöfe und
Kitafreiflächen unter Einbeziehung von Kindern, Künstlern und Eltern umgebaut. 2009 wurde über den Quartiersfonds IV der Spielplatz im Nelly-Sachs-Park deutlich aufgewertet.
Die Beteiligung und Vernetzung der Bewohnerschaft und Akteure an dem Entwicklungsprozess stand von Anfang an im Mittelpunkt. Präventionsrat und Kiezgespräche trugen zur dezentralen Bewohnerbeteiligung ebenso bei wie Quartiersrat und Vergabebeirat. Die Förderung des Zusammenlebens der Menschen hat sich positiv auf die Entwicklung des Gebietes ausgewirkt.
In Familien- und Nachbarschaftstreffpunkten sowie bei vielfältigen Veranstaltungen lernen sich die Menschen kennen und achten. Im "Pallasseum" und in der Steinmetzstraße zeigen langjährige kontinuierliche Nachbarschafts- und Vernetzungsarbeit Erfolge. Aktuell gibt es im Kulmer Kiez Projekte wie "Nachbarschaft, Jugend und Kunst im Kulmer Kiez" und "Märchenhaftes aus dem Kulmer Kiez". Das erste Nachbarschaftsfest 2009 hat die Akteure deutlich motiviert.
Vielfältige Maßnahmen haben die Förderung des lokalen Gewerbes und des Standortes Potsdamer Straße zum Ziel. Die Potsdamer Straße ist heute multiethnisch geprägt mit vielen kleinen Läden und Restaurants. In den letzten Jahren sind vor allem im Norden der Straße Hotels und Galerien dazugekommen, während große Unternehmen abgewandert sind. Ansässige Medienunternehmen haben sich als Interessenverbund °mstreet unter dem Dach der
IG Potsdamer Straße zusammengeschlossen.
Aktuell unterstützt z.B. das Projekt "Potsdamer Straße kompakt" die Entwicklung im Tourismusbereich durch Qualifizierung des Gastgewerbepersonals und Erarbeitung von Infomaterial. "Gewerbegespräche" intensivieren die Vernetzung am Standort und dienen der Diskussion und Entwicklung neuer Ideen und Trends.
Viele Projekte im Bereich Gesundheit und Gewaltprävention ermöglichen jungen wie alten Menschen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Seniorinnen aus dem türkischen Kulturkreis lernen Schwimmen und wirken positiv in ihre Familien hinein, indem sie die Teilnahme ihrer Enkelinnen am schulischen Schwimmunterricht fördern. Projekte zur Frühförderung wirken in junge Familien. Jugendliche aus dem Quartier werden zu "Peer-Helpern" und "Box-Paten" ausgebildet. Sie verbinden sportliche Aktivitäten mit Präventionsmaßnahmen für ein tolerantes und gewaltfreies Miteinander. Die durch den zunehmenden Straßenstrich stark belastete Situation um die Kurfürstenstraße konnte durch ein gemeinsam mit dem QM Magdeburger Platz unterstütztes Projekt mit "Sprachmittlerinnen" für osteuropäische Prostituierte gemildert werden.
Projekte wie "Lernlust" und "Hauptsache Schule" sind wichtige Bildungsangebote, mit denen Kinder individuell gefördert und Eltern unterstützt werden. Langfristig sollen sich Eltern mit migrantischem Hintergrund und bildungsferne Familien stärker für die Bildungsbelange ihrer Kinder engagieren. "Bildungsbotschafter" arbeiten mit Jugendlichen und Erwachsenen nach dem Peerhelper-Prinzip. Der "Lange Tag der Bildung" erhöht zusätzlich die Attraktivität des Bildungsstandortes.
"Blue Elephants" - Bläserklasse an der Neumark-Grundschule (1)
Präventionsrat Schöneberger Norden (2)
°mstreet / IG Potsdamer Straße (3)
Fotos (1, 2, 3): Susanne Wolkenhauer
Mädchenfußball im Schöneberger Norden;
Foto: Seitenwechsel F/L SV Berlin e.V.