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Transparente Verwaltung

Was machen eigentlich… die Stadtmodelle?


Ausstellung der Stadtmodelle im Lichthof am Köllnischen Park
Ausstellung der Stadtmodelle im Lichthof am Köllnischen Park

Am 12. März konnten sich Bürgerinnen und Bürger über die Berliner Stadtmodelle informieren. Wofür Stadtmodelle überhaupt erforderlich und wie sie entstanden sind, war Thema der Veranstaltung.

Gleich fünfmal präsentiert sich der Berliner Fernsehturm in unterschiedlichen Größen in der Modellausstellung im Lichthof am Köllnischen Park und gibt die Orientierung vor: Hier ist die Berliner Mitte. Patrick Weiss ist stolz auf seine Modelle, das merkt man ihm an, als er die Gäste an diesem Tag begrüßt. Er kann viele Geschichten zu den Modellen erzählen. Seine eigentliche Aufgabe besteht in der Vorbereitung und dem Management von Wettbewerben. "Die Modelle sind, neben ihrer Funktion als Ausstellungsobjekte, Bestandteil dieser Facharbeit", betont er.

Während seiner langjährigen Berufserfahrung sind immer mehr Modelle unter seine Obhut gekommen. "Fangen wir damit an", meint er und deutet auf das schräg aufgestellte Modell an der Frontseite des Ausstellungsraums. Ca. fünf Prozent der gesamten Stadtfläche sind hier auf einer Breite von 9,60 und einer Höhe von 4,80 Metern dargestellt. Ein Meter im Modell bedeutet 1000 Meter in der Stadt. So erklärt sich der Maßstab des Modells 1:1000.

Mit der Wiedervereinigung wachsen die Modelle
Anfang der 1980er Jahre baute die damalige West-Berliner Stadtentwicklungsverwaltung die ersten Modellplatten vom sogenannten Zentralen Bereich. Das Modell endete im Osten nicht weit hinter der Berliner Mauer. Mit der Wende wurde das Modell immer größer und zeigt heute die wichtigsten Schwerpunktbereiche der baulichen Entwicklung in der Innenstadt, wie z.B. in der City West, dem Alexanderplatz, der Europacity und dem Spreeraum im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. "Warum fehlen zwei Platten am oberen Rand des Modells", fragt einer der Besucher und da kommt Patrick Weiss wieder auf die Wettbewerbe zu sprechen. Derzeit laufe ein Wohnungsbauwettbewerb in Pankow, für den die Modellplatten gebraucht werden, um die städtebaulichen Entwürfe auf ihre Stadtverträglichkeit zu testen.

Patrick Weiss erläutert auch die unterschiedliche Farbigkeit des Modells. Der Gebäudebestand ist cremefarbig, die geplanten Projekte sind weiß dargestellt. Spitzfindig entdeckt ein Besucher einen Fehler. "Das Modell aktuell zu halten, ist die größte Herausforderung", meint Patrick Weiss und Bernadette Fielers, auch aus dem Wettbewerbsreferat, fügt hinzu, dass es auch ein Kostenfaktor sei, stets aktuell alle neuen Gebäude im Modell zu ergänzen. Eine halbe Millionen Euro ist allein dieses Modell inzwischen wert.

Eine Datenbank gibt zusätzliche Informationen
Patrick Weiss führt die Gruppe an das nächste Modell. "Dieses detailliertere Modell im Maßstab 1:500 ist erst nach der Wende entstanden und befasst sich mit der Berliner Mitte", meint er. Auch dieses Modell ist stetig gewachsen, und mit seinen heute 69 Platten dominiert es den Ausstellungsraum. Hier werden zwei unterschiedliche Materialien für die Entstehungszeiten der Bauten verwandt, Lindenholz für die nach der Wende entstandenen Gebäude, die älteren Gebäude sind weiß. Es stellt damit auch eine beeindruckende Baubilanz der Nachwendezeit bis heute dar.

Bernadette Fielers erläutert, dass detaillierte Informationen zu den inzwischen mehr als 800 im Modell dargestellten Neubauprojekten sowohl über das Internet abgerufen werden können als auch über einen Bildschirm direkt am Modell. Hierzu gibt es auch Zukunftspläne. Eine Lichtanlage wird mit Hilfe eines Laserstrahls demnächst die am Bildschirm aufgerufenen Projekte auf dem Modell anzeigen.

Das DDR-Modell endete an der Mauer
Jetzt geht es aber erst einmal in die Vergangenheit zum DDR-Modell von 1987. Nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch der Staatsführung wurden hiermit die Planungen für das Zentrum der Hauptstadt der DDR präsentiert. Die Gäste sind beeindruckt. Das Modell ist bunt und detailgetreu, der Fernsehturm blinkt. "Es fehlt nur noch eine elektrische S-Bahn, dann wäre es perfekt", meint Patrick Weiss schmunzelnd. Dass jenseits der Mauer der Westteil Berlins lag, wurde bei diesem Modell ausgeblendet.

Das Modell sei von dem vermutlich einzigen privaten Modellbauunternehmen der DDR hergestellt worden, betont Patrick Weiss. "Früher gab es in unserer Verwaltung eigene Modellbauer, aber das ist lange her", meint er mit etwas Wehmut. Heute werden die Aufträge an Firmen vergeben. Wie die Modelle gereinigt werden, will ein Besucher wissen. "Mit Pinsel und Staubsauger, händisch", meint er.

Am Tastmodell ist anfassen erwünscht
Die Führung endet an einem vierten Modell. "Hier ist erwünscht, was an den anderen Modellen verboten ist: Anfassen." Patrick Weiss steht mit der Gruppe vor dem Tastmodell, das vor vier Jahren in Kooperation mit der TU Berlin für Blinde entwickelt und gebaut wurde. Die Stadt begreifbar zu machen für alle, war die Motivation für dieses Modell. Und es war auch die Motivation, für die öffentliche Präsentation aller Modelle. Dass dies gelungen ist, davon sind die Gäste überzeugt.

Weitere Informationen:
Stadtmodelle-Ausstellung
 

Bernadette Fielers erläutert das Informationsterminal zum Modell im Maßstab 1:500
Bernadette Fielers erläutert das Informationsterminal zum Modell im Maßstab 1:500

Das Stadtmodell im Maßstab 1:1000
Das Stadtmodell im Maßstab 1:1000

Patrick Weiss erläutert das DDR-Modell
Patrick Weiss erläutert das DDR-Modell

Am Tastmodell ist anfassen erwünscht
Am Tastmodell ist anfassen erwünscht

Bürger am Modell im Maßstab 1:1000
Bürger am Modell im Maßstab 1:1000