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Transparente Verwaltung

Was macht eigentlich… das Pflanzenschutzamt Berlin?


Senator Andreas Geisel bei der Ansprache im Hörsaal
Senator Andreas Geisel bei der Ansprache im Hörsaal

Am 19. Mai 2015 konnten sich Bürgerinnen und Bürger über die Aufgaben des Pflanzenschutzamtes informieren. Warum es in Berlin ein Pflanzenschutzamt geben muss, und wie es um die Gesundheit der Vegetation steht, war Thema der Veranstaltung.

"Ich bin ein begeisterter Hobbygärtner." Mit dieser Aussage überraschte Senator Andreas Geisel die Gäste im Pflanzenschutzamt an diesem sonnigen Nachmittag. Auch der stellvertretende Amtsleiter Peter Boas fand, dass Gartenarbeit einen hohen Erholungswert habe. Aber nicht nur Gartenarbeit schafft Erholung, sondern auch die vielen Parks und Grünflächen, die in Berlin öffentlich genutzt werden. "Berlin ist eine grüne Metropole", meinte Senator Geisel stolz. "Diese Lebensqualität soll erhalten bleiben, auch in der wachsenden Stadt." 44 % des Stadtgebietes sind Grün- und sogar 2.000 Hektar davon landwirtschaftliche Flächen. "59 landwirtschaftliche Betriebe gibt es noch, von denen 30,5 % nach ökologischen Gesichtspunkten arbeiten", erklärte Peter Boas den Gästen.

Informationen als Pflichtaufgabe

29 Personen, unter ihnen zwei Auszubildende, arbeiten im Pflanzenschutzamt. Es hat eine lange Geschichte, sowohl im Westen, als auch im Osten der Stadt. Nach der Maueröffnung fand auch hier eine Wiedervereinigung statt. Das jetzige, organisch konzipierte, Gebäude grenzt unmittelbar an das BUGA-Gelände von 1985 an, wurde aber erst 1990 fertig gestellt. Inzwischen ist der großzügige Hörsaal, in dem die Gäste saßen, in die Jahre gekommen. Er vermittelt aber immer noch eine wichtige Aufgabe des Pflanzenschutzamtes, über den Integrierten Pflanzenschutz zu informieren.

Ein- und Ausfuhr von Pflanzen überwachen

Das Pflanzenschutzamt überwacht die Ein- und Ausfuhr von Pflanzen. Peter Boas zeigte in seinem Vortrag Blumenlieferungen per Flugzeug, die auf Schädlinge untersucht werden. Wie dies geschieht, erläuterten zwei Mitarbeiterinnen in ihrem Büro. Auf dem Schreibtisch lagen Orchideenblüten, daneben stand ein Trichter, der in einer Flüssigkeit endete. Die Leuchte im Trichter bewirkt, dass sogenannte Thripse (saugende Insekten) die Blüten verlassen und in die Flüssigkeit sinken. "Durch die Einfuhr von Zierpflanzen werden viele unliebsame Schädlinge verbreitet", meinten sie mit Bedauern.

Integrierten Pflanzenschutz fördern

Aber nicht nur das, der internationale Blumenhandel beeinflusst auch die heimische Wirtschaft. "Wir setzen auf den Integrierten Pflanzenschutz", meinte Birgit Kummer. Sie ist im Pflanzenschutzamt für den integrierten Gemüse- und Zierpflanzenanbau zuständig. Als Beispiel nannte sie Weihnachtssterne, die in den Gärtnereien mit Auberginen als Fangpflanzen für Schädlinge zusammen stehen. "Der Kunde muss damit leben, dass er keine schädlingsfreie Ware bekommt, aber dafür sind die Pflanzen auch nicht mit Insektiziden vollgepumpt, wie im außereuropäischen Ausland", fügte sie mit Nachdruck hinzu. Der Verbraucher könne wesentlich den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beeinflussen. Davon sind die beiden Mitarbeiterinnen überzeugt. "Beim Kauf von Zierpflanzen sollte man auf entsprechende Zertifikate achten.", meinten sie. Ein Umdenken bei den Produzenten und Verbrauchern sei glücklicherweise zu beobachten.

Schädlinge und Pflanzenkrankheiten beobachten

Das Pflanzenschutzamt überprüft Pflanzenschutzmittel und überwacht Pflanzenkrankheiten und Schädlinge. Gärtnermeister Torsten Melzer empfing die Gäste im Freiland. Hier werden Pflanzen gezogen, um Pflanzenschutzmittel zu testen, und Schädlinge zu beobachten. Stolz zeigte er Linden, in Mülltonnen gepflanzt. Torsten Melzer bildet auch die zwei jungen Gärtner aus. Einer ist Simon Hinz, der den Gästen verschiedene Pflanzenarten erklärte. Mariko Seiß ist ebenfalls Auszubildende. Sie zeigte, wie man einen Balkonkasten bepflanzt. "Verwenden sie eine ungerade Zahl von Pflanzen, große in der Mitte und flache am Rand, der Harmonie wegen. Damit sich die Wurzeln der Pflanzen ausbilden, müssen sie gelockert werden", erklärte sie.

Katrin Förster ist im Pflanzenschutzamt für das Versuchswesen zuständig. "Der Gärtnerberuf ist nicht irgendeiner, sondern man braucht Leidenschaft", sagte sie mit Nachdruck. Stolz zeigte sie Gewächshauskabinen, in denen Pflanzen vereinzelt in Töpfen stehen, damit sie sie auf Schädlinge testen kann. "Bei der Auswertung der Versuchsreihen ist Handarbeit notwendig. Wir zählen teilweise die Käfer." Die Gewächshaustechnik steuert ein Computer.

Barbara Jäckel ist ebenfalls für den integrierten Pflanzenschutz im Stadtgrün tätig und zeigte im Labor lebende Schädlinge, unter ihnen auch der Eichenprozessionsspinner und die Kastanienminiermotte. "Sie haben in den letzten Jahren das Stadtgrün belastet, wurden aber erfolgreich bekämpft", sagte sie. Neben Insekten beschäftigt man sich hier auch intensiv mit Pilzkrankheiten.

Ordnungsbehörde sein

Peter Boas stellte auch "trockene" Themen vor. Im Hörsaal präsentierte er den Gästen das Pflanzenschutzamt als Ordnungsbehörde. "Sofern unsachgemäß oder verbotener Weise Herbizide (Unkrautvernichter) verwendet werden, hat dies Strafen bis 50.000 Euro zur Folge. Das Pflanzenschutzamt hat beispielsweise auch darauf zu achten, dass in Gartencentern Pflanzenschutzmitteln nicht in den "Selbstbedienungsregalen" stehen", sagte er.

Das Pflanzenschutzamt setzt europäische und nationale Gesetze und Verordnungen um. Die Tätigkeitsfelder des Amtes werden zunehmend durch den Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln bestimmt. Er hat das Ziel, die mit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verbundenen Risiken und Auswirkungen für die menschliche Gesundheit und den Naturhaushalt weiter zu reduzieren.

"Der Pflanzenschutz ist nicht besonders beliebt", meinte Peter Boas am Ende. Heute hat er jedoch neue Freunde gewonnen.

Weitere Informationen:
Vorderansicht des Pflanzenschutzamtes Berlin
Pflanzenschutzamt Berlin

Hörsaal: PflA AL (V), Herr Boas, erläutert die Aufgaben des Pflanzenschutzamtes
Hörsaal: PflA AL (V), Herr Boas, erläutert die Aufgaben des Pflanzenschutzamtes

Senator Andreas Geisel im Gespräch mit einem Besucher
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Auf der Suche nach dem Schneeballblattkäfer
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Kurze Fachsimpelei über das Kleingärtnern
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Frau Förster, Leiterin des Versuchswesens, stellt im Gewächshaus ihr Arbeitsgebiet vor
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Auf der Freilandfläche stellt Herr Melzer, Gärtnermeister, seine Tätigkeiten vor
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'Nützlingshotel'
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Frau Schmid, technische Assistentin, informiert Besucher/innen über Pilzkrankheiten an Zierpflanzen
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Raupen des Eichenprozessionsspinners
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