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Transparente Verwaltung

Was macht eigentlich… das Landesdenkmalamt?


Der Landeskonservator Jörg Haspel begrüßt die Gäste in seinem Arbeitszimmer im Alten Stadthaus in der Klosterstraße.
Der Landeskonservator Jörg Haspel begrüßt die Gäste in seinem Arbeitszimmer im Alten Stadthaus in der Klosterstraße.

Das Einmaleins der Denkmalpflege

Auf den Spuren der Vergangenheit fühlten sich Bürgerinnen und Bürger, als sie sich am 14. Januar 2016 im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Transparente Verwaltung" über die Aufgaben des Landesdenkmalamtes Berlin informierten. Der Landeskonservator Jörg Haspel begrüßte die Gäste in seinem Arbeitszimmer im Alten Stadthaus in der Klosterstraße und berichtete über die Aufgaben des Amtes.

Die zwanzig Gäste versanken entspannt in den weichen Polsterstühlen am runden Tisch des Landeskonservators. "Tisch und Stühle gehören nicht in dieses Haus", meinte Jörg Haspel, als er die Bürgerinnen und Bürger begrüßte. "Sie stammen aus dem Bankettsaal des ehemaligen Staatsratsgebäudes der DDR." Auch weitere geschichtsträchtige Möbel befinden sich in diesem Raum, wie die Sitzgruppe aus dem Schloss Bellevue von Johannes Rau.

Struktur des Landesdenkmalamtes

Das Landesdenkmalamt ist eine nachgeordnete Behörde der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. In anderen Ländern sei der Denkmalschutz den Kulturverwaltungen zugeordnet. In großen Städten gebe es jedoch einen engen Zusammenhang zwischen Denkmalpflege und Stadtentwicklung, meinte Jörg Haspel. Im Landesdenkmalamt arbeiten 35 Personen. Das Denkmalschutzgesetz von 1995 stellt die Weichen für ihre Arbeit. 8000 Denkmal-Positionen sind in die Denkmalliste eingetragen. 75 % davon sind Baudenkmale, 8 % Gartendenkmale und 1 % Bodendenkmale. "Ein Denkmal muss in die Denkmalliste eingetragen werden, wenn seine Erhaltung wegen der geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen oder städtebaulichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt", erläuterte der Landeskonservator.

Aufgaben der Denkmalpflege

Das Landesdenkmalamt Berlin ist die für Berlin zuständige Denkmalfachbehörde und hat eine Vielzahl von Aufgaben. Dazu gehören etwa die systematische Erfassung der Berliner Bau-, Boden- und Gartendenkmale (Inventarisierung), die Erstellung von Gutachten, Vergabe von Denkmalpflegezuschüssen sowie generell die Beratung von Eigentümern, Architekten und Denkmalinteressierten. Das Landesdenkmalamt gebe Auskünfte auf Bürger- und Pressanfragen und stelle auch Steuerbescheinigungen aus, um die Belastungen für private Denkmaleigentümer durch eine Minderung der zu zahlenden Steuern auszugleichen, meinte Jörg Haspel.

Auch die Beteiligung an übergeordneten Planungsverfahren gehöre zu den Aufgaben des Landesdenkmalamtes. Das Amt erteile denkmalrechtliche Genehmigungen bei Projekten des Bundes, diplomatischer Vertretungen und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. „Grundsätzlich sind in Berlin jedoch die Unteren Denkmalschutzbehörden für die Genehmigungen zuständig“, sagte der Landeskonservator. „Bei fachlichem Dissens, entscheidet die Oberste Denkmalschutzbehörde.“

Pflicht zum Dokumentieren

Im Archiv des Landesdenkmalamtes, das in großzügigen historischen Räumen des Alten Stadthauses untergebracht ist, begrüßte Britta Kaden-Pohl die Gäste. Hier ist ihr Arbeitsplatz. Historische Fotos schmücken Wände und an diesem Tag auch einige Tische. Sie ist zuständig für die Koordinierung der denkmalfachlichen Sammlungen im Landesdenkmalamt. Mit dem Denkmalschutzgesetz von 1995 obliegt dem Amt als Denkmalfachbehörde auch die wissenschaftliche Unterhaltung von Sammlungen. Aus diesem gesellschaftlichen Anliegen ergibt sich die Pflicht, alle denkmalpflegerischen Vorhaben nach Kräften zu unterstützen und zu fördern. Dies ist nur möglich durch eine systematische Dokumentation schriftlicher Quellen, die die historische Entstehung des Denkmals und seine historische Entwicklung als auch bauliche Veränderungen belegen. Unterstützt wird sie von Wolfgang Bittner. Er ist Fotograf im Landesdenkmalamt und hat viele der Fotos selbst hergestellt. „Ein großer Teil der Bestände, darunter 8.000 Gutachten und Dokumentationen, ist bereits digitalisiert und in einer Datenbank abrufbar“, meinte Britta-Kaden-Pohl. 170.000 Fotos umfasst allein die Fotosammlung, die sie, obwohl es kein öffentliches Archiv ist, auf Anfrage gerne zur Einsichtnahme bereitstellt. Das Landesdenkmalamt schafft aber mit seinen Beständen in erster Linie wichtige Arbeitsvoraussetzungen für die täglichen Entscheidungen der Denkmalpfleger.

Archäologisch die Stadt entdecken

Der Archäologe Bertram Faensen erwartete die Gäste im Keller des Alten Stadthauses. Er ist Ausgrabungsleiter für die Baustelle der U5. 20 Bürgerhäuser, von denen nur noch die Keller erhalten sind, standen einst an der historischen Königstraße vor dem heutigen Roten Rathaus. Hier im Alten Stadthaus werden die archäologischen Funde untersucht, wie Puzzle zusammengesetzt und katalogisiert. Über 200.000 Exponate sind es inzwischen, die in grauen Kartons gestapelt wurden. "Aus allen diesen Dingen versuchen wir ein Gesamtbild der damaligen bürgerlichen Welt zu erstellen." Dabei deutet er auf einen Plan mit unterschiedlichen farbigen Flächen. "Die zeigen das Alter der ausgegrabenen Bauteile. Man kann Radspuren, Gossen und Pflasterungen aus dem 13. Jahrhundert erkennen", meint der Archäologe begeistert.

Ein Denkmal als Amtssitz

Volontärin Dörthe Hellmuth erläuterte den Gästen die Geschichte des Alten Stadthauses. "Erbaut von 1902 bis 1911 als zweites Rathaus, geht es zurück auf den Architekten und Stadtbaurat Ludwig Hoffmann." Bekannt wurde Hoffmann durch viele Gemeindebauten, die alle die typischen Elemente, den hellen Sandstein, Säulen und Steinskulpturen tragen, erklärte die junge Frau. Sie reicht ein Foto herum mit dem Bärensaal zu DDR-Zeiten. "Nur der Fußboden ist noch zu erkennen, die gesamten Wände und das Deckengewölbe waren damals mit Paneelen verkleidet." Anfang der 1990er Jahre legte der Architekt Gerhard Spangenberg die historischen Elemente wieder frei.

"Heute ist der Raum wieder verkleidet", meinte Christine Wolf, die im Landesdenkmalamt für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Eine Filmproduktionsfirma drehte hier einen Film, bei dem der Bärensaal eine Bankkulisse bildete. "Ein Zeichen dafür, wie begehrt Denkmäler sind", meinte sie zum Schluss.

Die Bürgerinnen und Bürger erfahren vieles über die Aufgaben des Landesdenkmalamtes.
Die Bürgerinnen und Bürger erfahren vieles über die Aufgaben des Landesdenkmalamtes.

170.000 Fotos sind im Archiv des Landesdenkmalamtes archiviert.
170.000 Fotos sind im Archiv des Landesdenkmalamtes archiviert.

Britta Kaden-Pohl führt die Gäste durch das Archiv des Landesdenkmalamtes.
Britta Kaden-Pohl führt die Gäste durch das Archiv des Landesdenkmalamtes.

Ausgrabungsexponate befinden sich im Keller des Landesdenkmalamtes im Alten Stadthaus in der Klosterstraße.
Ausgrabungsexponate befinden sich im Keller des Landesdenkmalamtes im Alten Stadthaus in der Klosterstraße.

Die Gäste staunen über die vielen Kisten mit den sorgfältig sortierten Ausgrabungsexponaten.
Die Gäste staunen über die vielen Kisten mit den sorgfältig sortierten Ausgrabungsexponaten.

Der Archäologe Bertram Faensen gibt Hinweise zur archäologischen Arbeit.
Der Archäologe Bertram Faensen gibt Hinweise zur archäologischen Arbeit.

Die Gäste besichtigen den Bärensaal im Alten Stadthaus in der Klosterstraße.
Die Gäste besichtigen den Bärensaal im Alten Stadthaus in der Klosterstraße.