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Transparente Verwaltung

Was macht eigentlich die Senatsverwaltung für den Klimaschutz?


Referatsleiter Lothar Stock erläuterte den Gästen die Instrumente für den Klimaschutz in Berlin.
Referatsleiter Lothar Stock erläuterte den Gästen die Instrumente für den Klimaschutz in Berlin.

Im zweiten Untergeschoss des St. Joseph Krankenhauses in Berlin Tempelhof gibt es eine Besonderheit. Dort befindet sich seit gut einem Jahr ein Blockheizkraftwerk (BHKW), das liebevoll auf den Namen Beate getauft wurde. Beate versorgt das gesamte Krankenhausareal mit 485 Betten ganzjährig mit Energie. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und die Berliner Energieagentur GmbH (BEA) sehen in dieser Anlage einen Beitrag für den Klimaschutz. Warum das so ist, erfuhren Bürgerinnen und Bürger bei der Veranstaltung zur Transparenten Verwaltung am 9. Juni 2016.

Mit 600 kW elektrisch und 654 kW thermisch ist das BHKW im St. Joseph Krankenhaus zwar das größte von der BEA realisierte Projekt in Berlin, aber nur eine von rund 150 unterschiedlichen Anlagen zur Strom- oder Wärmegewinnung. Die BEA betreibt allein 80 BHKW und rund 50 Solarstromanlagen auf Dächern in Berlin und Umland. Die Gäste der Veranstaltung zur Transparenten Verwaltung standen vor einer schwarzen Kiste, die ungefähr die Masse eines Baucontainers hat. Es ist warm und laut im Versorgungskeller des Krankenhauses im 2. Untergeschoss. Durch einen großen Schacht musste das BHKW in einem Stück hier eingebracht werden. "Das war Millimeterarbeit", meinte Oliver Zernahle. Er ist Bereichsleiter für Contracting bei der BEA, also für den Betrieb von Energieerzeugungsanlagen in und auf Gebäuden zuständig. Die BEA wurde vom Krankenhaus mit der Errichtung der Anlage beauftragt und ist für den wirtschaftlichen Betrieb verantwortlich. "Die Anlage ist so dimensioniert, dass sie ganzjährig genutzt werden kann. Es gibt also keinen Stillstand in den Sommermonaten, wenn keine Heizwärme, sondern nur warmes Wasser und Strom benötigt werden", fügte er hinzu. Dann öffnete er die "schwarze Kiste", damit die Gäste einen Blick auf den Motor der Anlage werfen konnten. "Ein Schiffsmotor verbrennt hier zur Energiegewinnung Erdgas", erläuterte Oliver Zernahle.

Blockheizkraftwerke sparen Energie und Kosten

Die Vorteile des BHKW liegen auf der Hand: "Mit der Anlage kann das Krankenhaus rund 23 Prozent seiner Energiekosten sparen, das sind 350.000 Euro/Jahr und die Kohlendioxidemissionen um rund 1.000 Tonnen pro Jahr reduzieren", meinte Oliver Zernahle stolz. Die BEA wirbt deshalb für Blockheizkraftwerke berlinweit, auch bei den Gästen der Veranstaltung.

Verwaltungsaufgabe Klimaneutralität für Berlin

Im Konferenzsaal des St. Joseph Krankenhauses begrüßte Lothar Stock zuvor die buntgemischten Gäste, unter ihnen auch Fachleute aus der Energiewirtschaft. Er ist Leiter der Sonderreferates Klima in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und damit für den Klimaschutz in Berlin zuständig. 13 Personen arbeiten in seinem Referat, damit Berlin bis 2050 klimaneutral wird. "Es gibt einen Instrumentendreiklang", meinte Lothar Stock, "um dieses Ziel zu erreichen: die Machbarkeitsstudie Klimaneutrales Berlin 2050, das Berliner Klimaschutzprogramm (BEK 2030) und das Berliner Energiewendegesetz, das am 17. März diesen Jahres einstimmig beschlossen wurde." Lothar Stock erläuterte eine Reihe von weiteren Maßnahmen wie Klimaschutzvereinbarungen mit Unternehmen, Klimaschutzbildung in Schulen und Kitas sowie Projekte zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, die für den Klimaschutz in Berlin relevant seien. "Man muss die Menschen heute direkt ansprechen und beteiligen, wenn man etwas erreichen will", sagte Lothar Stock und setzt damit beim Klimaschutz auf eine intensive Öffentlichkeitsarbeit.

Erste Erfolge zeichnen sich bereits ab

Vor ein paar Tagen sei das BEK 2030 im Senat beschlossen worden. Damit werde der Klimaschutz als Querschnittsthema etabliert, ein Monitoring aufgebaut, institutionelle Strukturen für den Klimaschutz geschaffen und die Beteiligung der Bevölkerung dauerhaft verankert. "Mit einem Monitoring können die Strategien und Maßnahmen aus dem BEK 2030 regelmäßig auf ihre Wirksamkeit geprüft und rechtzeitig ggf. erforderliche Korrekturen eingeleitet werden", so Lothar Stock. Er betonte außerdem, wie wichtig die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand sei. Durch die Sanierung der öffentlichen Gebäude anhand von Sanierungsplänen werde ein wichtiger Beitrag zur Energieeinsparung geleistet. Ein Konzept zur Aufstellung dieser Sanierungsfahrpläne werde noch in dieser Legislaturperiode vom Senat beschlossen werden.

Die Berliner Energieagentur agiert als wichtiger Partner der Verwaltung

Michael Geißler ist Geschäftsführer der Berliner Energieagentur. "Wir sind mit unserem Fachwissen und unseren praktischen Erfahrungen seit über 20 Jahren Ratgeber für Politik, Wirtschaft und Verwaltung." 1992 startete die Gesellschaft, die heute 55 Mitarbeiter hat. Die BEA hat vier Gesellschafter, die jeweils mit 25 % am Unternehmen beteiligt sind. Dazu gehören das Land Berlin, die GASAG, die Vattenfall Europe Wärme AG und die KfW Bankengruppe, den Aufsichtsratsvorsitz hat Staatssekretär Christian Gaebler. Um Energiekosten und CO2-Emissionen zu reduzieren, setzt die BEA auf Investitionen in effiziente und moderne Anlagentechnik wie im St. Joseph Krankenhaus. Und sie leistet Informations- und Beratungsarbeit in Berlin, bundesweit und auch im internationalen Bereich. "Im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt haben wir Informations- und Motivationskampagnen entwickelt, die sich an Kinder und Jugendliche richten wie unseren ClubE oder das Schulprojekt eKis. Mit unseren Beratungen wenden wir uns aber auch an Mitarbeiter in Verwaltungen, an mittelständische Unternehmen, an Gebäudeeigentümer und Mieter oder an Einkäufer in Unternehmen. Für all diese Zielgruppe haben wir geeignete Instrumente entwickelt, sie anzusprechen und fortzubilden. Vom Newsletter bis hin zu Schulungen vor Ort."

"Wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen", sagte einer der Gäste am Ende der Veranstaltung. Durch die Beteiligung und Information der Nutzerinnen und Nutzer könne man 20 bis 30 % der Energie sparen. Die Klimaneutralität Berlins bis 2050 ist ein großes Ziel, dass nur mit vielen kleinen Schritten erreicht werden kann. Das wurde an diesem Nachmittag deutlich.
Der Geschäftsführer der Berliner Energieagentur Michael Geißler stellte sein Unternehmen vor.
Der Geschäftsführer der Berliner Energieagentur Michael Geißler stellte sein Unternehmen vor.

Pressesprecher der Berliner Energieagentur Volker Gustedt informierte über das St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof.
Pressesprecher der Berliner Energieagentur Volker Gustedt informierte über das St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof.

Fachmann für Contracting der Berliner Energieagentur Oliver Zernahle erklärte das Blockheizkraftwerk Beate.
Fachmann für Contracting der Berliner Energieagentur Oliver Zernahle erklärte das Blockheizkraftwerk Beate.

Im Inneren des Blockheizkraftwerkes befindet sich ein Schiffsmotor.
Im Inneren des Blockheizkraftwerkes befindet sich ein Schiffsmotor.


Sonderreferat Klimaschutz und Energie.
Das Sonderreferat Klimaschutz und Energie.


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