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Transparente Verwaltung

Was macht eigentlich… "Berlin Energie"?


Informationsveranstaltung Berlin Energie
Informationsveranstaltung "Berlin Energie"

Am 16. Juni 2015 konnten sich Bürgerinnen und Bürger über die Aufgaben und Ziele der Berlin Energie informieren. Warum es sinnvoll ist die Versorgungsnetze in einem eigenen Betrieb des Landes Berlin zu bündeln, und dies der Energiewende hilft, war Thema der Veranstaltung. Es ging um den Landesbetrieb Berlin Energie.

Diplomingenieur Wolfgang Neldner ist ein "alter Hase" in Sachen Energieversorgung. Davon konnten sich die Gäste überzeugen, als er sie im gut gefüllten GAT-Bereich des ehemaligen Flughafens Tempelhof, auch Dienstsitz der Berlin Energie, begrüßte. Sein Chef in Bezug auf den Landesbetrieb und die gegenwärtigen Verfahren um die Konzessionen bei den Gas- und Stromverteilungsnetzen ist Christian Gaebler, Staatssekretär für Verkehr und Umwelt, der ebenfalls für die Gäste zur Verfügung stand. In den Angelegenheiten des Landesbetriebes Berlin Energie ist der Staatssekretär dem Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel nicht weisungsgebunden. Die Erläuterung und Abgrenzung dieser Zuständigkeiten war bei einigen Gästen von großem Interesse.

Das Konzessionsverfahren
Berlin Energie bewirbt sich seit der Bekanntgabe im Jahr 2012 zur Neuausschreibung der Netzkonzessionen für Gas und Strom. Das Verfahren für Gas wurde 2014 mit dem Zuschlag der Vergabestelle für den Landesbetrieb Berlin Energie beendet. Diese Entscheidung wurde vom einzig verbliebenen Wettbewerber, der GASAG/NBB, beklagt. Nach einer erstinstanzlichen Entscheidung ist nun beim Kammergericht Berlin ein Berufungsverfahren anhängig. Der Landesbetrieb Berlin Energie ist zuversichtlich, dass der Vergabeentscheid rechtskräftig werden wird. Beim Konzessionsverfahren für das Stromverteilungsnetz wird derzeit das weitere Verfahren durch die Vergabestelle geprüft.

Christian Gaebler und Wolfgang Neldner betonten, dass sich ihre Aussagen ausschließlich auf die Bewerbungen und vor allem die spätere Tätigkeit als dann verantwortliche Berliner Verteilungsnetzbetreiber für Gas und Strom beziehen. Mit dem 10-Punkte-Programm des Berliner Senates zu Energie und Infrastrukturfragen vom 5. Mai 2015 wurde explizit festgelegt, dass die Bieterfähigkeit der Berlin Energie weiter auszugestalten sei. Für das Vergabeverfahren und die Vergabeentscheidungen sind dagegen die Senatsverwaltung für Finanzen, bzw. final der Berliner Senat und das Abgeordnetenhaus zuständig.

Berlin Energie als Koordinierungsgruppe
Die dekorative Stuckwindrose an der Saaldecke passte gut zum Thema, und könnte ein Symbol für die neue Windrichtung der Berliner Netze sein. "Gibt es etwas, was Ihnen besonders auf den Nägeln brennt", fragte Wolfgang Neldner die Gäste. Wie viele Menschen der Landesbetrieb habe, wollte ein Mann wissen. Wolfgang Neldner stellte daraufhin seine sechs Mitarbeiter und ihre Aufgaben vor.

Es gibt Techniker, aber auch Haushalt- und Finanzexperten. "Wir sind eine kleine Koordinierungsgruppe, die einen Kombinationsnetzwerkbetrieb vorbereitet. Wir knüpfen Kontakte und arbeiten mit Berliner Stadtbetrieben wie BWB und BVG, Stadtwerken, Energieversorgern und anderen großen Unternehmen zusammen", erläuterte er. "Wie steht es um die Arbeitsplätze bei den jetzigen Netzwerkbetreibern in Zukunft ", wollte eine Frau wissen. Wenn es so weit sei, werden alle Mitarbeiter, die sich heute um den Betrieb der Gas- und Stromnetze im Land Berlin kümmern "1:1" übernommen, sagte Wolfgang Neldner beruhigend.

Energieversorgungsnetze gebündelt in einer Hand
Wolfgang Neldner erklärte dann Grundlegendes und hob dabei seinen Arm senkrecht in die Höhe: "Wir müssen einen Exkurs in das Energierecht machen. Auf der einen Seite gibt es die Energieversorger, die Energienachfrager und den Energiemarkt und auf der anderen Seite die Netzwerkbetreiber. Diese Trennung nennt sich "unbundling" und ist seit 1998 gesetzlich vorgeschrieben. Berlin Energie bewirbt sich um den Betrieb dieser Netze, genauer der im Land Berlin bestehenden und gelegenen Verteilnetze." An dieser Stelle erläuterte er auch die spezifische Idee seines Unternehmens und ging noch einmal auf den Kombinationsnetzbetrieb ein: "Zum ersten Mal in der Berliner Geschichte wollen wir strategisch die Voraussetzungen schaffen, alle Versorgungsnetze endlich zusammen zu führen: Wärme, Wasser, Gas und Strom. Die Vorteile liegen auf der Hand", meinte er mit Nachdruck.

Der Verbraucher habe nur einen Ansprechpartner, Netzreparaturen und Erneuerungen können koordiniert erfolgen. Das minimiere Baumaßnahmen, Baustellen und Kosten, fügte er hinzu. "Die Digitalisierung ist international fortgeschritten. 5G-Netze, die eine optimale, vor allem leistungsstarke Übertragung von Daten gewährleisten, sind für die Wirtschaftsförderung unerlässlich. Glasfaserkabel bis in die Wohnungen und zu den Gewerbetreibenden zu führen, ist unser Ziel, an dem wir mit strategischen Partnern intensiv arbeiten", meinte Wolfgang Neldner und dokumentierte damit Zukunftsfähigkeit und Innovation des Landesbetriebes Berlin Energie.

Berlin Energie als Daseinsvorsorge
"Wie konnten sie als "kleines" Unternehmen den Wettbewerb mit den "großen" Energieversorgern aufnehmen", fragte ein Gast. "Wir wollen nicht GASAG oder Vattenfall kopieren, sondern die Netze erstmals zusammenführen. Dabei werden wir auf Know-how und Exzellenz der heutigen operativen Betriebsmannschaften setzen." Er erinnerte daran, dass es politischer Wille war, eine landeseigene Bewerbung auf den Weg zu bringen, um die Einflussnahme des Landes auf die Entwicklung der Infrastrukturen deutlich zu stärken.

Zusätzlich und brandaktuell wurde nun vom Abgeordnetenhaus die Gründung eines Eigenbetriebs Berlin Energie beschlossen. "Die Berlin Energie Gruppe ist ein Baustein der Daseinsvorsorge, auf die das Land einen größeren Einfluss haben will", meinte der Staatssekretär und fügte hinzu: "Private Unternehmen handeln nicht immer im Interesse des Gemeinwohls. Sie wollen Rendite erwirtschaften, deshalb sind wir prinzipiell an der Kommunalisierung der Energieversorgung interessiert."

Berlin Energie und Klimaschutz
"Was tun sie für den Klimaschutz?" War die Frage eines Gastes gleich zu Beginn der Veranstaltung. Wolfgang Neldner setzt auf erneuerbare Energien. "Photovoltaik ist die Energie der Zukunft." Diese sieht er auf Dächern und Freiflächen, auf Wohnungsbauten und vielleicht sogar auf dem Roten Rathaus. Man solle daraus jedoch nicht den Schluss ziehen, dass die konventionellen Netze, wie das Gasnetz nicht mehr gebraucht werden, warnte er. Die Nutzung der erneuerbaren Energien funktioniert nur im intelligenten und kombinierten Mix der Versorgungsnetze.

Für ein Nebeneinander der Versorgungsnetze ist zukünftig weder Zeit noch Geld vorhanden. "Wir müssen sehr schnell und sehr effizient sein. Wird Strom bevorzugt in den Mittagsstunden erzeugt, müssen Energiespeicher und Energieumwandlung, z.B. in Richtung Wärme, also Wärmenetze, oder Gas, also Gasnetze, für die verzögerte Nutzung der Energie bereit stehen. Das Thema ist komplex und erfordert differenzierte Lösungen", meinte der Energieexperte, der schon zu DDR-Zeiten sein Fachwissen erworben hat.

"Wir sind fachlich versiert und wollen unsere Erfahrungen aus der Privatwirtschaft mit den großen Anforderungen einer modernen Metropole wie Berlin verknüpfen. So gesehen sind wir für manche vielleicht Überzeugungstäter oder auch Visionäre. Und ich kann auch nicht ausschließen, dass Steine, vielleicht sogar Gesteinsbrocken im Weg liegen, aber Berlin hat jetzt die Chance, mit einem schrittweise organisierten Kombinationsnetzbetrieb zu einer Leitregion der Energiewende zu werden", so sein Schlusssatz.
Christian Gaebler, Staatssekretär für Verkehr und Umwelt
Christian Gaebler, Staatssekretär für Verkehr und Umwelt

Diplomingenieur Wolfgang Neldner von Berlin Energie
Diplomingenieur Wolfgang Neldner von "Berlin Energie"

Informationsveranstaltung Berlin Energie
 

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