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Luftverkehr: Verkehrsflughafen Berlin-Tegel

Fragen und Antworten zum Thema nächtliche Flugbewegungen


1. Dürfen Fluggesellschaften auf dem Flughafen Tegel (TXL) starten und landen, wann und wie sie wollen?
Verkehrsflugzeuge benötigen für jeden einzelnen Start bzw. eine Landung auf einem Flughafen eine Berechtigung (Flughafen-Slot), der bereits mit großem zeitlichen Vorlauf vor einer der Flugplanperioden zentral vergeben wird.

Daneben muss für jeden einzelnen An-/Abflug zusätzlich eine Start-/Landeerlaubnis der Deutschen Flugsicherung erteilt werden, die der sichereren Verkehrssteuerung dient.

Den Flughafen TXL dürfen grundsätzlich nur Flugzeuge anfliegen, die besonders strenge Vorgaben nach den Lärmzulassungsvorschriften einhalten.
Die Luftfahrtbehörde in Berlin hat mit Blick auf die innerstädtische Lage des Flughafens und wegen der damit einhergehenden Belastung der Bevölkerung zudem vorgeschrieben, dass grundsätzlich in der Nacht gar nicht geflogen werden darf. Allerdings können in besonderen Ausnahmefällen einzelne Starts und Landungen zugelassen werden. Diese Ausnahmeregelungen sind nachfolgend näher erläutert.

2. Wann darf auf dem Flughafen Tegel (TXL) gestartet und gelandet werden?
Es gelten die für TXL erlassenen Betriebsbeschränkungen: In der Zeit zwischen 23:00 Uhr und 6:00 Uhr dürfen Flugzeuge in TXL grundsätzlich nicht starten und landen. Diese Einschränkungen des Nachtluftverkehrs sind im Luftfahrthandbuch Deutschland veröffentlicht und damit für alle Nutzer bekannt und verbindlich.

3. Welche Flüge sind von den Nachtflugbeschränkungen befreit?
Von den Beschränkungen gibt es wenige Ausnahmen:
  • Postflüge für die reibungslose Verteilung von Briefen und eiliger Fracht
  • Ambulanzflüge, etwa in Fällen eiliger Organtransporte
  • Flüge der Bundesregierung (Flugbereitschaft)
  • Einsatzflüge der Bundes- oder Landespolizei
  • Vermessungsflüge der Deutschen Flugsicherung, sofern sie wegen des sonstigen Flugverkehrs nicht tagsüber durchgeführt werden können

4. In welchen speziellen Fällen kann es darüber hinaus eine Ausnahmegenehmigung geben?
Sollte es beim Start oder der Landung eines Verkehrsflugzeugs zu einer Verspätung kommen, so kann der jeweiligen Fluggesellschaft für diesen Flug kurzfristig eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden. Voraussetzung ist aber, dass der Flug planmäßig vor 23.00 Uhr festgelegt und die Verspätung nicht von der Fluggesellschaft zu vertreten ist. Die Fluggesellschaft muss außerdem darlegen und nachweisen, dass der verspätete Flug unvermeidbar ist.

5. Wer erteilt die Ausnahmegenehmigungen?
Über eine Ausnahme entscheidet nicht der Flughafen selbst, sondern die örtliche Luftaufsicht. Sie kann bei Verspätungen in Abhängigkeit von den dargelegten Gründen eine Ausnahmegenehmigung bis spätestens 23.59 Uhr erteilen. Sofern ein Flug nach 0.00 Uhr erforderlich sein sollte, entscheidet darüber die Oberste Luftfahrtbehörde des Landes Berlin bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

6. Welche Kriterien gelten bei nächtlichen Flügen ?
Die Genehmigungsbehörden machen sich die Entscheidung nicht leicht. Sie haben zu prüfen:
  • Ist der verspätete Flug zur Vermeidung erheblicher Störungen im Luftverkehr erforderlich? oder:
  • Ist er im öffentlichen Interesse erforderlich?
  • War die Verspätung unvermeidbar?
  • Hat die Fluggesellschaft die Verspätung selbst verursacht?
  • Wie viele Passagiere sind betroffen?
  • Ist eine Nutzung des Flughafens Schönefeld möglich?
  • Zu welcher Nachtzeit tritt die Lärmbelastung auf?
  • Wird das Flugzeug für einen Start am nächsten Tag benötigt?
Die Unvermeidbarkeit ist z.B. dann gegeben, wenn Gewittergebiete umflogen werden müssen. Ähnliche Wetterereignisse und besondere Situationen waren in der Vergangenheit auch die Ursache für viele Verspätungen, wie extremer Schneefall, turbulente Windverhältnisse, der Ausfall von Radarsystemen an einem Flughafen oder die Vulkanausbrüche in Island.

7. Gibt es eine öffentliche Kontrolle der Ausnahmeentscheidungen?
Für jeden Verkehrsflughäfen ist gesetzlich die Bildung einer Fluglärmschutzkommission vorgeschrieben. Für den Flughafen Tegel tagt regelmäßig eine solche Kommission, in der auch Vertreter der Berliner Bezirke Mitglied sind. Diese hinterfragen die genehmigten Flüge anhand von Statistiken. Beteiligt ist hieran auch der Fluglärmschutzbeauftragte. Seine Aufgaben bestehen in der Entgegennahme, Registrierung, Prüfung und Beantwortung von Fluglärmbeschwerden, deren sachliche Aufklärung durch Nachfrage und Anforderung von Stellungnahmen bei den Genehmigungsbehörden, dem Flugplatzbetreiber, den Luftverkehrsgesellschaften sowie der Flugsicherung erfolgt. Ferner nimmt er regelmäßig an den Sitzungen der Fluglärmschutzkommission teil und wertet die Ergebnisse der Fluglärmmessanlagen aus.

Über die Tätigkeiten des Fluglärmschutzbeauftragten und der Fluglärmschutzkommission hinaus können die Entscheidungen der Luftfahrtbehörde im Rahmen der üblichen Verwaltungsverfahren überprüft werden. Die Beantwortung von Fragen zu bestimmten Flügen ist jedoch meist mit hohem Aufwand verbunden und kann längere Zeit in Anspruch nehmen.

8. Was kann ich tun, um die konkreten Ursachen einer Störung herauszufinden?
Wer nach 23 Uhr ein auf dem Flughafen Tegel startendes oder landendes Flugzeug hört, kann davon ausgehen, dass die Notwendigkeit eingehend geprüft und triftige Gründe für eine Ausnahme festgestellt wurden. Nachfragen nach belastenden Störungen sind bei der Luftfahrtbehörde grundsätzlich möglich, erfordern dort aber einen erheblichen Recherche-Aufwand.

Übrigens: Sollte es vorkommen, dass durchgeführte Flüge nicht genehmigt wurden, wird die Fluggesellschaft verwarnt und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen sie eingeleitet.
9. Was hat sich mit der Verschiebung des Eröffnungstermins von BER geändert?
Der Flugbetrieb auf dem Flughafen Tegel sollte zum 3. Juni 2012 eingestellt werden. Durch die Verschiebung des Inbetriebnahmetermins des Flughafens Berlin Brandenburg müssen auch die für diesen Flughafen zusätzlich beantragten Flüge auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld abgewickelt werden.

Für die Prüfung der Ausnahmegenehmigungen für nächtliche Flüge hat sich jedoch nichts geändert. Die für den FlughafenTegel erlassenen Betriebsbeschränkungen gelten weiter.
10. Wurden wegen der Verschiebung der BER-Eröffnung für einige Fluggesellschaften pauschale Nachtfluggenehmigungen erteilt?
Pauschale Ausnahmegenehmigungen wurden nicht erteilt, da die in der Antwort zu Frage 6 genannten Kriterien in jedem Einzelfall einer Entscheidung zugrunde zu legen sind.

Für die schwierige Phase der ersten Wochen nach der eigentlich geplanten Eröffnung des Flughafens BER wurden von den Luftfahrtunternehmen Air Berlin und Lufthansa Ausnahmeanträge für Flüge in den "Randzeiten" von 23.00 bis 24.00 Uhr sowie 5.00 bis 6.00 Uhr gestellt.

Die Luftfahrtbehörde hat nur einen sehr geringen Teil dieser Anträge genehmigt. Hierbei hat sie alle Flüge vor 6 Uhr abgelehnt, da Schlafunterbrechungen in dieser Zeit als besonders belastend gelten. Vor der Genehmigung einiger zwingend erforderlicher Landungen zwischen 23.00 Uhr und 23.30 Uhr wurde die Fluglärmschutzkommission in die Entscheidungsfindung einbezogen, um den Interessen der lärmbetroffenen Bevölkerung besonderes Gewicht zu geben. Diese hat sich ausdrücklich gegen die Flüge vor 6.00 Uhr ausgesprochen und einzelne verspätete Flüge nach 23.00 Uhr zur Kenntnis genommen.

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