Verkehr  
 

Fußverkehrsstrategie

Modellprojekt 6: Fußverkehrsfreundlicher Einzelhandel


Modellprojekt 6: Fußverkehrsfreundlicher Einzelhandel

Der Berliner Senat hat mit dem Beschluss der Fußverkehrsstrategie im Jahr 2011 die Umsetzung von 10 Modellprojekten zur Förderung des Fußverkehrs in der Stadt benannt. Das Modellprojekt 6 befasst sich mit dem Thema "Fußverkehrsfreundlicher Einzelhandel".



Worum geht es?

Wenn mehr Einkäufe zu Fuß statt mit dem Auto zurückgelegt werden, trägt dies zur Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit der Geschäftsstraßen und Einkaufszentren in den Stadtvierteln bei und verringert die Belastungen durch den Kfz-Verkehr. Das Modellprojekt unterstützt das Ziel, Einkaufsorte in Berlin barrierefrei, sicher und komfortabel erreichen zu können. Das Projekt nimmt unterschiedliche, für Berlin typische Einkaufslagen – von der kleinteiligen Geschäftsstraße bis hin zu großen Einkaufscentern oder Einzelstandorten von Discountern – in den Blick.

Neben der Entwicklung von Kriterien zur Bewertung der Fußverkehrsfreundlichkeit stehen auch Ideen und Konzepte im Mittelpunkt, die geeignet sind, durch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Fußverkehr die wohnungsnahen, zu Fuß gut erreichbaren Zentren und Nahversorgungsangebote zu stärken und zugleich Kfz-Verkehr zu vermeiden.

Geschäftsstraßeninitiativen und anderen Organisationsformen des Handels sowie der bezirklichen Umsetzungsebene stehen dazu mittlerweile ein Arbeitspapier und Instrumente zur Auditierung der Fußverkehrsfreundlichkeit von Einzelhandelsstandorten zur Verfügung. Diese Instrumente helfen, die Bestandssituation zu erfassen und daraus den Handlungsbedarf abzuleiten, um das Ziel der Fußverkehrsfreundlichkeit am betrachteten Standort zu erreichen.

Was zeichnet fußgängerfreundliche Geschäftsstraßen und Einkaufszentren aus?

Fußverkehrsfreundliche Einkaufslagen zeichnen sich durch ein wohnortnahes, auf kurzen und attraktiven Wegen gut erreichbares und vielseitiges Versorgungsangebot aus. Dies zeigt sich in von Fußgängerinnen und Fußgängern bevölkerten Geschäftsstraßen und ist zugleich Anreiz und Ausdruck für ein gesundheits- und umweltbewusstes Einkaufsverhalten.

Fußverkehrsfreundlicher Einzelhandel
Auch die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist eine wesentliche Voraussetzung für einen fußverkehrsfreundlichen Einkauf und erleichtert das Einkaufen ohne Auto. Am Einkaufsziel sind vom Autoverkehr möglichst unbeeinträchtigte, ausreichend breite, hindernis- und barrierefreie Wege zu den Ladeneingängen wünschenswert.
Fußverkehrsfreundlicher Einzelhandel
Zu einem fußverkehrsfreundlichen attraktiven Einkaufsstandort gehören auch Gelegenheiten zum Ausruhen sowie angemessen breite Gehwege. Die Gehwege sollten dabei auch Raum für Aufenthalt und Geschäftsauslagen bieten.
Fußverkehrsfreundlicher Einzelhandel
Einkaufsstandorte sollen sicher und komfortabel aus dem Quartier erreichbar sein. Serviceleistungen wie Bringe- und Lieferdienste, Gepäckablagemöglichkeiten und Abstellflächen für Einkaufstrolleys ergänzen das Bild eines fußgängerfreundlichen Handels.

Projektstruktur und -umsetzung

Zusammen mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt entwickelten die beauftragten Büros, die sowohl auf Stadtplanung als auch auf Einzelhandelsthemen spezialisiert sind, in einem ersten Schritt die Grundlagen für das Modellprojekt. Im Rahmen der Grundlagenarbeit wurden Studienbefunde zusammengetragen, Interviews mit einem breiten Expertenkreis geführt und fußverkehrsfreundliche Projekte aus in- und ausländischen Großstädten begutachtet. Im Ergebnis zeigt sich u.a.:

  • Der Anteil der fußläufigen Kundengruppen wird vom Handel unterschätzt.
    Der Anteil der fußläufigen Kundengruppen wird vom Handel unterschätzt.; Quelle: Stadt + Handel, eigene Darstellung nach Schwab et al. 2012, S. 99
    Quelle: Stadt + Handel, eigene Darstellung nach Schwab et al. 2012, S. 99
  • Die meisten Kunden erledigen ihre Einkäufe zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dies gilt sogar für die großen Shopping Center, wie die Beispiele aus Neukölln und Pankow zeigen.
    Die meisten Kunden erledigen ihre Einkäufe zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.; Quelle: Stadt + Handel, eigene Darstellung nach SrV-Daten 2008, Daten der MFI Shopping Center Management GmbH 2013
    Quelle: Stadt + Handel, eigene Darstellung nach SrV-Daten 2008, Daten der MFI Shopping Center Management GmbH 2013

Geschäftsstraßen und Einkaufsstätten sind jedoch häufig eher autokundenfreundlich gestaltet. Der Weg zur Ladentür führt oft über eine schwer zu überquerende Straße, verläuft auf schmalen und vollgestellten Gehwegen oder über Parkplätze zwischen parkenden Autos hindurch.

In einem zweiten finalen Schritt wurden sogenannte Auditierungsinstrumente zur Überprüfung der Fußverkehrsfreundlichkeit von Einzelhandelsstandorten in Zusammenarbeit mit den beauftragten Büros und dem FUSS e.V. entwickelt. Dazu zählen zwei [für den verwaltungsinternen Gebrauch vorgesehene] Handbücher zur Auditierung der Fußverkehrsfreundlichkeit von Berliner Einkaufsstraßen sowie von Einzelstandorten des Handels. Zusätzlich wurde ein Arbeitspapier mit Anregungen und Empfehlungen für die Gestaltung fußverkehrsfreundlicher Geschäftsstraßen und Einzelhandelslagen inkl. einer Checkliste zur Einschätzung des Handlungsbedarfes entwickelt, das allen Interessierten auf dieser Seite zur Verfügung gestellt wird. Die Erarbeitung der Auditierungsinstrumente wurde zusätzlich durch einen Arbeitskreis begleitet. Zu den Teilnehmern zählten neben Vertreterinnen und Vertretern des Berliner Senats und der Berliner Bezirke u.a. die Industrie- und Handelskammer, der Handelsverband Berlin-Brandenburg, der FUSS e.V., der BUND und der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung.

Mit dem Arbeitspapier werden neben allgemeinen Fakten und Trends zum Einkaufsverkehr fundierte fachliche Informationen zur Erreichung und Ausgestaltung fußverkehrsfreundlicher Rahmenbedingungen im Einzelhandel zur Verfügung gestellt. Damit steht insbesondere allen Akteuren der öffentlichen Beteiligungsverfahren im Rahmen des Förderprogramms “Aktive Zentren” ein aussagekräftiges Handlungsinstrument zur Verfügung. Gewerbetreibende können mit diesem Instrument eigenständig die Fußverkehrsfreundlichkeit ihres Ladengeschäftes, Einzelhandelsstandortes oder Centers einschätzen und bekommen Wege für die aktive Mitwirkung an einer Aufwertung aufgezeigt.


Download

Arbeitspapier "Einkaufen – bequem zu Fuß"

Fußverkehrs­strategie für Berlin
Modellprojekt 6 - Fußverkehrs­freund­licher Einzelhandel

Links