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Umweltatlas Berlin

Einleitung

Umweltatlas Berlin - vom Kartenwerk zum Informationssystem

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Notwendigkeit und Zielstellung


1985 erschien der erste Band des Umweltatlas Berlin, eine Loseblattsammlung mit kaum einem Dutzend thematischer Karten zu Umweltthemen. Hervorgegangen war dieser Atlas aus einem Forschungsvorhaben, das gemeinsam von der damals noch jungen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz und dem Umweltbundesamt durchgeführt und von letzterem finanziell gefördert wurde. Das Vorhaben startete 1983, die Koordination erfolgte aus der Senatsverwaltung heraus, die Koordinatoren wurden dort angestellt, was sich als weitsichtig herausstellen sollte. Verfolgt werden sollten mit dem Vorhaben vor allem zwei Ziele:
  • Aufbereitung und Bereitstellung raumbezogener Grundlagen für die übergeordnete Planung
  • Information der Öffentlichkeit über den Zustand der Umwelt.
Notwendig geworden war ein solches Vorhaben, da einerseits der Flächennutzungsplan neu aufgestellt und andererseits das Landschaftsprogramm nach den damals neuen Regelungen des Naturschutzgesetzes erstmalig erarbeitet werden musste. Beide Planungen waren aufgefordert, Umweltaspekte in ihren Planungen zu berücksichtigen. Das Landschaftsprogramm sollte gar einen eigenen Teilplan zum Naturhaushalt entwickeln, in dem Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung der Umwelt dargestellt werden sollten. Dies traf die Verwaltung weitgehend unvorbereitet. Es wurden zwar Umweltdaten an vielen Stellen erhoben, systematisch aufbereitete Planungsgrundlagen lagen jedoch nicht vor.

Außerdem bestand in der Öffentlichkeit ein erhebliches Interesse an Informationen über die Umwelt. Die schlechte Qualität der Berliner Luft mit ihrem winterlichen SMOG, die belasteten Gewässer mit Algenblüten und Fischsterben, die Verlärmung des Wohnumfeldes oder die Altlasten im Boden aus der Zeit, in der Berlin noch ein Zentrum industrieller Produktion war, hatten eine Vielzahl von Bürgerinitiativen entstehen lassen. Diese engagierten Bürger wollten sich in die Planung einmischen und die Umweltsituation verbessern, die Entscheidungen der Planer waren jedoch für sie oft nicht nachvollziehbar, Umweltdaten wurden nur zögerlich veröffentlicht. In dieser Situation sollte der Umweltatlas Informationen über die Umweltsituation nachvollziehbar und transparent darstellen, um die Diskussion über wichtige stadtpolitische Entscheidungen wie der Autobahnplanung zu versachlichen.

Während sich die Zielstellung des Umweltatlas seit dem nicht verändert hat, haben sich in der zu bearbeitenden Fläche, in der Breite und Tiefe der zu behandelnden Themen sowie in den Methoden und Techniken der Erstellung und Präsentation der Karten z.T. erhebliche Veränderungen ergeben.

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Konzeption und Inhalt


Der Atlas beinhaltet thematische Karten zu den klassischen Umweltthemen Boden, Wasser, Luft, Lärm und Klima, greift aber in den Kapiteln zu Flächennutzung und Verkehr auch Themen mit stadtplanerischem Bezug auf und wurde später noch um ein Kapitel zu Energiethemen erweitert.

Der Umweltatlas sollte von vorneherein eine reine Bestandsaufnahme sein, die Karten waren für die Unterstützung der Planung gedacht, die Planung selbst war formal und organisatorisch getrennt. Der Umweltatlas enthält bis heute keine Pläne oder Planungen. Die Bestandsaufnahme sollte von Beginn an für jedes Umweltthema und flächendeckend für die Stadt verschiedene Aspekte darstellen. So werden neben den Potentialen und Empfindlichkeiten der Naturgüter auch deren Belastungen, aber vor allem - soweit wie möglich - die Verursacher der Belastung und die Wirkungen auf Umwelt und Mensch in unterschiedlichen Karten dargestellt. Über die Beschreibung der Umwelt hinaus sind jedoch die Bewertung der gemessenen und kartierten Werte zwingend erforderlich, um der Planung letztlich Hinweise für die konkrete Berücksichtigung ökologischer Belange in der Planung geben zu können. Diese sogenannten Planungshinweiskarten, die in den vergangenen Jahren für die Umweltmedien Boden und Stadtklima entwickelt wurden, sind deutschlandweit beispielhaft für gut aufbereitete und nachvollziehbare Planungsgrundlagen.

Der Umweltatlas enthält heute mehrere hundert Karten. Viele Kartenthemen wurden und werden zum wiederholten Male fortgeschrieben. Erst der Vergleich unterschiedlicher Zeiträume verdeutlicht Entwicklungen und Trends und macht die Erfolge der Umweltpolitik ebenso deutlich wie Herausforderungen an die Stadt- und Umweltplanung, die immer noch bestehen oder die hinzugekommen sind, wie die Anpassung der Stadtentwicklung an den Klimawandel.

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Organisation der Arbeiten und Herkunft der Daten


Die Erarbeitung des Umweltatlas erfordert ein hohes Maß an Koordination und Kooperation. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist heute eine umfassende Bereitschaft der vielen Arbeitsgruppen aus den für Umwelt und Stadtentwicklung zuständigen Senatsverwaltungen zu verzeichnen, an diesem Gemeinschaftswerk mitzuwirken. Dabei liegen die beiderseitigen Vorteile auf der Hand:
  • Der Fachbereich Umweltatlas übernimmt eine Vielzahl von Tätigkeiten im Zusammenhang mit der technischen und kartografischen Aufbereitung der Daten, der Redaktion und letztlich der einheitlichen Veröffentlichung, die von den vielen anderen Fachbereichen nicht zu leisten wären.
  • Auf diese Weise entsteht eine systematische Zusammenschau von bewerteten Umweltdaten, in der auch fachübergreifende Querbezüge zwischen den Umweltmedien aufgezeigt und bearbeitet werden können, die sonst in einer sektoral aufgebauten Behördenstruktur keinen Platz hätten.
Ein großer Teil der dargestellten Daten wird in den Fachabteilungen der für Stadtentwicklung und Umweltschutz zuständigen Senatsverwaltungen erhoben. Aber auch Universitäten und Hochschulen wirken seit Beginn an der Erarbeitung des Umweltatlas mit und haben für einige Themen die Inhalte wesentlich geprägt. Die Daten werden von den Fachabteilungen bereitgestellt, zusammen mit der Arbeitsgruppe Umweltatlas aufbereitet, bewertet und in einem ausführlichen Begleittext beschrieben, der das jeweilige Umweltproblem benennt, Auskunft über die Herkunft der Daten und die Methode ihrer Erhebung und Bewertung gibt und letztlich - angereichert mit Schaubildern und Grafiken - die Karte beschreibt und interpretiert sowie Aussagen zur Entwicklung macht. Insofern geht der Umweltatlas weit über eine Kartensammlung hinaus. Er ist vielmehr zentrales Element der Umweltberichterstattung für Berlin. Von Beginn an wurde außerdem eine englischsprachige Version erstellt.

Bereits Anfang der 80er Jahre stellte sich heraus, dass einige Aspekte der Umweltbeobachtung nicht von den Strukturen in der Behörde abgedeckt wurden. Sie wurden schlichtweg nicht bearbeitet, es gab keine Zuständigkeiten. Da der medienübergreifende, alle Aspekte des Naturhaushaltes umfassende Anspruch der Beschreibung der Umwelt jedoch unbedingt umgesetzt werden sollte, begann die Arbeitsgruppe bereits damals, diese Lücken auszufüllen und systematisch eigene Datenbestände aufzubauen. Hierzu gehören Daten zur Beschreibung und Bewertung der Böden und des Stadtklimas ebenso wie die Erhebung der Versiegelung und die Kartierung der Realnutzung.

Ausschnitt aus der Stadtstrukturtypenkarte
Ausschnitt aus der Stadtstrukturtypenkarte
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Maßstab


Während für die ersten Karten des Umweltatlas der Maßstab 1 : 50 000 die Richtschnur war, haben sich die Maßstabsgrenzen im Zeitalter der digitalen Präsentation der Karten verwischt. Scheinbar maßstabslos kann beliebig in den Karten gezoomt werden. Es kommt mehr und mehr darauf an, die Genauigkeit der Datenerfassung auf andere Weise zu beschreiben. Heute werden die Umweltdaten so genau dargestellt, wie sie erfasst werden, also angepasst an die Datenlage, das Thema oder den Zweck der Karte. Bei den Strategischen Lärmkarten bedeutet dies, dass z.T. mehrere Werte pro Gebäude vorliegen und in den Karten recherchiert werden können. Daneben gibt es weiterhin Karten, die auch im Maßstab 1 : 100 000 noch lesbar sind; die Daten liegen dann entweder nicht genauer vor oder die fachlichen Anforderungen erfordern keinen größeren Maßstab.

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Datenbanken und einheitliche Geometrie als Grundlage für die Kartenerstellung


Viele Daten des Umweltatlas werden auf einem einheitlichen Raumbezug erfasst und abgebildet. Die sogenannte Blockkarte (ISU 5 und ISU 50) bildet die Bezugsgeometrie.

Während die Blockkarte als Bezugssystem und Erfassungsgrundlage dient, erfolgt die eigentliche Datenerfassung und Datenhaltung jedoch in Datenbanken. Die Geometrien werden in etwa 5-jährigem Turnus auf der Grundlage veränderter Blockbildung (Amt für Statistik) und veränderter Flächennutzungen fortgeschrieben. Anschließend erfolgt dann die Aktualisierung der Fachdaten für diese neuen Flächen. Die Vorteile liegen vor allem in einer komfortableren Datenverwaltung, einem problemlosen fachübergreifenden Zugriff und einfacherer Datenauswertung.

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Modelle


Die Haltung der Daten in Datenbanken ermöglicht auch die Anwendung der Daten in naturwissenschaftlichen Modellen. So finden Modelle zur Bewertung des Stadtklimas, der Bodenfunktionen und des Wasserhaushaltes Anwendung, die eine Vielzahl von Parametern aus diesen Datenbanken verarbeiten.

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Von der analogen Karte ins Internet


Während noch die erste Gesamtberliner Ausgabe des Umweltatlas - die Erweiterung auf die östliche Stadthälfte war eine besondere Herausforderung zu Beginn der 90er Jahre - gedruckt und als dreibändiges Werk erschien, wurden bereits frühzeitig digitale Techniken genutzt, um die Karten über das Internet für eine komfortable Nutzung anzubieten. In der Frühzeit des Internets war die Komplexität der Darstellung interaktiver Karten eine besondere Herausforderung. Inzwischen haben die Vorteile der Internetveröffentlichung via FIS - Broker und PDF - Download die analoge Veröffentlichung vollständig ersetzt. Die Möglichkeiten, sich nicht nur die farbigen Karten anzusehen, sondern komfortabel im Raum zu recherchieren und sich die umfangreichen Sachdatenbestände aus den Datenbanken ebenfalls zu erschließen, haben eine völlig neue Dimension erreicht, die mit einer gedruckten Karte nicht vergleichbar ist.

Seit 2001 hat sich die Zahl der monatlichen Seitenzugriffe auf den Umweltatlas von ca. 50 000 auf ca. 500 000 erhöht. Damit ist der Umweltatlas das am intensivsten genutzte Angebot des Internetauftrittes der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt überhaupt.

Ausschnitt aus den Strategischen Lärmkarten mit Sachdatenanzeige
Ausschnitt aus den Strategischen Lärmkarten mit Sachdatenanzeige

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Umweltinformationsrichtlinie als gesetzliche Grundlage


Mit der Umsetzung der Umweltinformationsrichtlinie der EU in Landesrecht durch die Aufnahme von entsprechenden Paragraphen im Berliner Informationsfreiheitsgesetz (IFG) ist der Stellenwert des Umweltatlas weiter gewachsen. Danach soll die Öffentlichkeit in angemessenem Umfang aktiv und systematisch in verständlicher Darstellung und mit elektronischen Kommunikationsmitteln über die Umwelt informiert werden. Hier ist der Umweltatlas bereits lange Vorreiter gewesen und auch heute noch vielen Städten voraus.

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Nutzung und Abgabe der Daten


Das Internetangebot des Umweltatlas wird von interessierten Bürgerinnen und Bürgern einerseits und von Verwaltungsstellen, Ingenieur- und Planungsbüros sowie Universitäten und Hochschulen andererseits gleichermaßen genutzt. Die gesetzlichen Erfordernisse, Umweltbelange auf allen Ebenen der übergeordneten und verbindlichen Stadt - und Landschaftsplanung sowie den verschiedenen sektoralen Planungen zu berücksichtigen führt dazu, dass sich die Planungsbüros die erforderlichen Informationen meist aus dem Umweltatlas beschaffen, da hier entsprechende Karten übersichtlich, verständlich und für alle Schutzgüter gebündelt vorliegen und zugänglich sind.

Die am 21. Juli 2001 in Kraft getretene EU - Richtlinie über die Strategische Umweltprüfung (SUP) wurde mit der Novellierung des Baugesetzbuches (BauGB) 2004 und des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) 2005 in nationales Recht umgesetzt. Neben allen umweltbedeutsamen Planungsverfahren, wie etwa den vorbereitenden und verbindlichen Bauleitplänen, der Landschaftsplanung und Verkehrswegeplanungen sind auch Planungen im Bereich der Wasserwirtschaft, der Luftreinhaltung und des Lärmschutzes künftig einer solchen Strategischen Umweltprüfung zu unterziehen. Die Umsetzung der Strategischen Umweltprüfung in Berlin hat die Anforderungen an den Umweltatlas weiter intensiviert. So befindet sich ein anspruchsvolles DV - gestütztes Bewertungsverfahren für die SUP im Aufbau, dass eine Vielzahl von raumbezogenen Daten des Umweltatlas und anderer Geodaten einer SUP - eigenen Bewertung unterzieht und diese Bewertung für jeden beliebigen Standort möglichst aktuell abfragbar macht. Damit sollen die Auswirkungen auf den Naturhaushalt bewertet und Standortalternativen verglichen werden können. Voraussetzung für das Gelingen dieses Vorhabens ist ein hohes Maß an Aktualität der aufbereiteten Umweltdaten und eine systematische Datenhaltung der Geometrien und der Fachdaten.

In zunehmendem Maße werden die Karten auch über sogenannte OGC-konforme Webdienste abgegeben und genutzt. Dabei handelt es sich um standardisierte Dienste, die im Internet zur Verfügung stehen und die auf ebenfalls standardisierte Abfragen Kartenausschnitte in Form von Bildern oder auch die Karten selbst liefern und in GIS-Systemen weiter verarbeitet werden können. Alle Umweltatlaskarten stehen bereits seit längerer Zeit im Internet als WebMapServices (WMS) zur Verfügung.

Auf Anforderung werden Vektordaten, Rasterdaten oder Datenbankauszüge auch als Daten bereitgestellt. Ingenieurbüros oder Universitäten nutzen diese Daten dann in ihren eigenen GIS-Systemen meist im Auftrag öffentlicher Stellen bzw. für Lehre und Forschung.

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Der Umweltatlas in der Abteilung Geoinformation als Teil der Geodateninfrastruktur


Im Rahmen der europaweiten, bundesweiten und landesweiten Anstrengungen, den Zugang zu Geodaten zu erleichtern, kommt der Abteilung Geoinformation bezüglich des Aufbaus einer Geodateninfrastruktur eine besondere Bedeutung zu. Neben den Geobasisdaten sind es vor allem die Fachdaten, die ein wesentlicher Inhalt dieser Infrastruktur sind und sein werden. Die Umweltdaten bilden dabei den Großteil der Fachdaten; sie wurden im Rahmen der langjährigen Arbeiten am Umweltatlas systematisch digitalisiert, aufbereitet, beschrieben und bewertet. Insofern sind mit dem Umweltatlas beste Voraussetzungen geschaffen worden, den gestiegenen Anforderungen an die Bereitstellung von Geodaten für Bürger, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung gerecht zu werden.

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