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Umweltatlas Berlin

02.11 Wasserschutzgebiete und Grundwassernutzung (Ausgabe 2009)

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Kriterien für die Abgrenzung von Wasserschutzgebieten

Entsprechend den Bestimmungen des § 51 WHG und des § 22 BWG sollen Trinkwasserschutzgebiete in Zonen mit unterschiedlichen Schutzbestimmungen unterteilt werden. Ziel der Gliederung in Schutzzonen ist es, dem Verhältnismäßigkeitsprinzip Rechnung zu tragen. Da die Gefahr für das genutzte Grundwasser mit zunehmendem Abstand des Gefahrenherdes von den Brunnen abnimmt, werden die Zonen von den Trinkwasserbrunnen nach außen hin mit jeweils schwächeren Nutzungsbeschränkungen belegt.

In den älteren Rechtsverordnungen ist die Differenzierung der weiteren Schutzzone III nicht vorgenommen worden (Beelitzhof, Kladow, Tiefwerder). In den ab 1995 erlassenen Wasserschutzgebietsverordnungen wird die Schutzzone III in III A und III B gegliedert.

Grundlage für die Bemessung und Ausweisung von Trinkwasserschutzzonen ist das technische Regelwerk des DVGW (Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V.).

Bemessungsgrundlage für die Schutzzonengliederung moderner Wasserschutzgebietsverordnungen ist das Isochronenkonzept. Isochronen sind Linien gleicher Fließzeiten des Grundwassers im Untergrund. Diese werden mit Hilfe hydrogeologischer Untersuchungen ermittelt und unter Berücksichtigung der hydrogeologischen, hydrologischen und geologischen Verhältnisse auf die Geländeoberfläche "projiziert". Unter zusätzlicher Berücksichtigung örtlicher Gegebenheiten im fachlich vertretbaren Rahmen (z.B. Besiedlung, Infrastruktur) werden auf dieser Grundlage die Schutzgebietsgrenzen der Schutzzonen II, III A und III B festgelegt. Um eine möglichst eindeutige Festlegung zu ermöglichen, erfolgt die tatsächliche Abgrenzung entlang vorhandener Grundstücksgrenzen, Wege, Straßen sowie sonstiger Markierungen.

Fließzeiten zur Entnahmestelle für die moderne Ausweisung der Schutzzonengrenzen in Berlin:

  • Schutzzone II: 50 Tage, mindestens 100 m
  • Schutzzone III A: 500 Tage bis 10 Jahre
  • Schutzzone III B: 2.500 Tage bis 30 Jahre

Auf Grund der großflächigen Ausdehnung der Einzugsgebiete für die betrachteten Wasserwerke - sie reichen weit nach Brandenburg hinein - waren in Berlin zusätzliche Überlegungen erforderlich, um den Konflikt zwischen einem flächendeckend vertieften Grundwasserschutz einerseits und einer urbanen Entwicklung mit wirtschaftlichen Interessen andererseits zu lösen. Hier konnte auf die von Lühr & Schulz-Terfloth 1992 entwickelte Konzeption zurückgegriffen werden, zwischen innerstädtischen Einzugsgebieten mit dichter Besiedlung und ländlich geprägten Einzugsgebieten mit forstwirtschaftlichem Charakter zu unterscheiden. Hauptkriterium ist, dass trotz aller Sicherheitsvorkehrungen ein Unfall oder Störfall mit wassergefährdenden Stoffen nicht ausgeschlossen werden kann, und die Schutzzonen daher mindestens so auszudehnen sind, dass ausreichend Zeit verbleibt, um effektive Abwehrmaßnahmen zum Schutz der Förderbrunnen einleiten zu können. Danach wurden den einzelnen Schutzzonen je nach städtischer oder forstwirtschaftlicher Ausbildung unterschiedliche Fließzeiten zugeordnet (Schulz-Terfloth 1998) (siehe Tabelle 2 und Abbildung 3).

Tab. 2: Konzeption zur Schutzzonenausweisung in Berlin
Engere Schutzzone (Schutzzone II) Weitere Schutzzone
(Schutzzone III)
  städtisches Einzugsgebiet forstwirtschaftliches Einzugsgebiet
III A III B III A III B
50 Tage Isochrone 1.000 Tage Isochrone 12 Jahre Isochrone 10 Jahre Isochrone 30 Jahre Isochrone
Tab. 2: Konzeption zur Schutzzonenausweisung in Berlin (Schulz-Terfloth 1998)

Abb. 3
Abb. 3: Aufbau der einzelnen Wasserschutzzonen nach dem Isochronenkonzept

Die Zone I wird durch einen Radius von mindestens 10 m um die Brunnen definiert.

Die Schutzzonen der älteren Wasserschutzgebietsverordnungen sind unter Berücksichtigung damals aktueller hydrogeologischer Untersuchungen und Beurteilungen des Untergrundes nach oberirdischen Entfernungen festgesetzt worden.

Die Schutzzonen nach § 4 der Anordnung vom 8. Oktober 1946 waren über oberirdische radiale Abstände zu den Brunnen definiert (100 m für die engere Schutzzone, 500 m für die weitere Schutzzone). Auch hier gelten bestimmte Nutzungseinschränkungen.

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