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Umweltatlas Berlin

02.11 Wasserschutzgebiete und Grundwassernutzung (Ausgabe 2009)

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Problemstellung

Der Trinkwasserbedarf Berlins wird vollständig aus dem Grundwasser gedeckt. Die Berliner Wasser Betriebe (BWB) gewährleisten die Trinkwasserversorgung der Stadt. Das geförderte Wasser wird teilweise als Uferfiltrat (Wasser der oberirdischen Gewässer, das nach der Bodenpassage durch die Brunnen in Ufernähe gefördert wird) gewonnen. Zum Teil wird Oberflächenwasser in Grundwasseranreicherungsanlagen künstlich versickert und danach als Grundwasser entnommen.

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Abb. 1: Prinzipien der Grundwassergewinnung (AHU 1991)

Neben den Fördereinrichtungen der Berliner Wasserbetriebe besteht noch eine Anzahl kleinerer Förderanlagen, sog. Eigenwasserversorgungsanlagen, die für private, meist industrielle Zwecke oder für öffentliche Einrichtungen Grundwasser fördern.

Nach der Vereinigung Berlins 1990 nahm die Bautätigkeit erheblich zu. Während der Baumaßnahmen können Grundwasserhaltungen durchgeführt werden, bei denen ebenfalls Grundwasser entnommen wird. Dies geschieht je nach Bautätigkeit an unterschiedlichen Standorten und in schwankenden Mengen. Besonders tiefe bzw. große Baumaßnahmen werden meistens in der Grundwasser schonenden Trogbauweise durchgeführt, bei der nur geringe Restwassermengen gefördert werden müssen.

Fördermengen

Die Grundwasseroberfläche, die in Berlin seit über hundert Jahren durch die Trinkwasserförderung abgesenkt wurde, befand sich im Mai 2009 wie auch in den letzten Jahren im Vergleich zum Jahr 1989 auf einem relativ hohen Niveau. Grund dafür ist die verringerte Rohwasserentnahme der Berliner Wasserbetriebe. Fünf kleinere Berliner Wasserwerke (Altglienicke, Friedrichsfelde, Köpenick, Riemeisterfenn und Buch) wurden in den Jahren von 1991 bis 1997 stillgelegt. Im Herbst 2001 wurde zusätzlich die Trinkwasserproduktion der beiden Wasserwerke Johannisthal und Jungfernheide vorerst vorübergehend eingestellt, bei letzterem auch die künstliche Grundwasseranreicherung. Im Rahmen des Grundwassermanagements der für die Wasserwirtschaft zuständigen Senatsverwaltung wurde an beiden Standorten zunächst jedoch weiterhin Grundwasser gefördert, um die erfolgreiche Durchführung lokaler Altlastensanierungen nicht zu gefährden. Die zeitlich begrenzte Grundwasserhaltung im Auftrag des Senats für das Wasserwerk Jungfernheide wurde planmäßig Ende 2005 eingestellt. Seit Januar 2006 sind die Berliner Wasserbetriebe mit einer weitergehenden Grundwasserhaltung von der Siemens AG beauftragt worden, die ebenfalls zeitlich begrenzt zugelassen wurde. Im April 2009 wurden die Schutzgebiete der Wasserwerke Jungfernheide, Buch und Altglienicke aufgehoben. Im Wasserwerk Johannisthal wird weiterhin zur Beschleunigung von Grundwassersanierungsmaßnahmen eine Grundwasserhaltung mit Ableitung des geförderten Wassers in den Teltowkanal betrieben. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist beabsichtigt, ab 2014 hier wieder Grundwasser für die Trinkwassergewinnung zu fördern.

Die Gesamtförderung der Wasserwerke zu Trinkwasserzwecken sank innerhalb von 20 Jahren in Berlin um über 45 %: 1989 wurden 378 Millionen m³, im Jahr 2002 dagegen nur noch 219 Millionen m³ gefördert. Im Jahr 2003 stieg die Förderung aufgrund des sehr trockenen Sommers auf 226 Mio. m³ wieder leicht an, um dann 2008 weiter auf 205 Mio. m³ abzusinken (Abb. 2).

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Abb. 2: Entwicklung der Rohwasserförderung der Berliner Wasserbetriebe 1989 - 2008

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[Die Datengrundlage der Abbildung liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Die Neustrukturierung der Grundwassernutzung nach 1990 führte zu einer wesentlichen Veränderung des Grundwasserregimes in Berlin. Im Westteil der Stadt ging der Trinkwasserverbrauch um 40 Prozent, im Ostteil sogar um 60 Prozent zurück. Die Folge war ein Anstieg der Grundwasseroberfläche insgesamt, ein besonders starker aber im südöstlichen Teil Berlins, im Bereich der Förderbrunnen der Wasserwerke. In weiten Teilen des Urstromtales stiegen die Grundwasserstände um 0,5 bis 1 m, in der Nähe der Wasserwerke bis zu 3 m.

Für die Trinkwasserversorgung betreiben die Berliner Wasserbetriebe von ehemals sechzehn Wasserwerken in den 90er Jahren zur Zeit noch neun Wasserwerke. Um das Risiko von Verunreinigungen des Grundwassers zu vermindern, liegen die Brunnen in Wasserschutzgebieten, in denen bestimmte Nutzungen verboten sind.

Gesetzliche Grundlagen

In § 50 des Gesetzes zur Ordnung des Wasserhaushalts (Wasserhaushaltsgesetz - WHG) ist die öffentliche Wasserversorgung als Aufgabe der Daseinsvorsorge festgeschrieben. In den §§ 51 und 52 WHG sind unter anderem die Ermächtigungsgrundlage für die Festsetzung von Wasserschutzgebieten durch die Länder sowie besondere Anforderungen in Wasserschutzgebieten enthalten.

Landesgesetzliche Bestimmungen über Wasserschutzgebiete und über das Verfahren zum Erlass von Wasserschutzgebietsverordnungen finden sich in den §§ 22 und 22a Berliner Wassergesetz (BWG).

Schließlich wurde für jedes Wasserwerk (bis auf das Wasserwerk Riemeisterfenn) von der für die Wasserwirtschaft zuständigen Senatsverwaltung eine Verordnung zur Festsetzung des jeweiligen Wasserschutzgebietes erlassen, für den Schutzgebietsteil Johannisthal darüber hinaus eine vorläufige Anordnung.

Tab. 1: Übersicht über Wasserwerke und Wasserschutzgebiete in Berlin und Umland
Wasserwerk Inbetriebnahme Rechtsgrundlage für WSG
Kladow 1932 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Kladow
(Wasserschutzgebietsverordnung Kladow) vom 07.01.1975
Tiefwerder 1914 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Tiefwerder
(Wasserschutzgebietsverordnung Tiefwerder) vom 01.09.1978
Beelitzhof 1894 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Beelitzhof
(Wasserschutzgebietsverordnung Beelitzhof) vom 13.11.1987
Jungfernheide 1896 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Jungfernheide
(Wasserschutzgebietsverordnung Jungfernheide) vom 31.08.1995
aufgehoben durch Artikel 3 der Verordnung vom 6. April 2009
Tegel 1877 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Tegel
(Wasserschutzgebietsverordnung Tegel) vom 31.08.1995
Grunewald   stillgelegt
Glienicke   stillgelegt
Riemeisterfenn 1955 laut § 22 Abs. 5 BWG die "Anordnung über die hygienische Überwachung der Berliner Wasserwerke und Bildung von Schutzzonen" vom 08.10.1946 (sog. 46er Alliierte Anordnung)
Friedrichshagen 1893 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Friedrichshagen
(Wasserschutzgebietsverordnung Friedrichshagen) vom 31.08.1999
Wuhlheide 1914 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für die Wasserwerke Wuhlheide und Kaulsdorf
(Wasserschutzgebietsverordnung Wuhlheide / Kaulsdorf) vom 11.10.1999
Kaulsdorf 1916 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für die Wasserwerke Wuhlheide und Kaulsdorf
(Wasserschutzgebietsverordnung Wuhlheide / Kaulsdorf) vom 11.10.1999
Buch 1906 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Buch
(Wasserschutzgebietsverordnung Buch) vom 31.08.1999
aufgehoben durch Artikel 2 der Verordnung vom 6. April 2009
Altglienicke 1906 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für die Wasserwerke Johannisthal und Altglienicke
(Wasserschutzgebietsverordnung Johannisthal / Altglienicke) vom 31.08.1999
aufgehoben durch Artikel 1 der Verordnung vom 6. April 2009
Johannisthal 1901 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Johannisthal
(Wasserschutzgebietsverordnung Johannisthal) vom 31.08.1999
geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 06. April 2009

Vorläufige Anordnung zum Vollzug der den Schutzgebietsteil Johannisthal betreffende Regelungen der Wasserschutzgebietsverordnung Johannisthal vom 18.01.2013
Friedrichsfelde 1912 stillgelegt in 1992
Köpenick 1907 stillgelegt in 1996
Stolpe 1911 im Land Brandenburg gelegen
Staaken 1913 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Staaken
(Wasserschutzgebietsverordnung Staaken) vom 16.10.2001
Eichwalde 1913 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Eichwalde
(Wasserschutzgebietsverordnung Eichwalde) vom 16.10.2001
Erkner 1914 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Erkner
(Wasserschutzgebietsverordnung Erkner) vom 12.10.2000
Spandau 1897 Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Spandau
(Wasserschutzgebietsverordnung Spandau) vom 22.06.2005
Tab. 1: Übersicht über Wasserwerke und Wasserschutzgebiete in Berlin

Für das Wasserschutzgebiet des Wasserwerks Johannisthal besteht bis zum Inkrafttreten einer neuen Wasserschutzgebietsverordnung nach §51 Absatz 1 WHG eine vorläufige Anordnung "Vorläufige Anordnung zum Vollzug der den Schutzgebietsteil Johannisthal betreffende Regelungen der Wasserschutzgebietsverordnung Johannisthal" vom 18.01.2013, die im Amtsblatt für Berlin vom 22.02.2013 veröffentlicht wurde. Für Standorte im Bereich des Schutzgebietes Johannisthal gelten hiernach eventuell abweichende Regelungen.

Die Wasserwerke Staaken, Eichwalde und Erkner befinden sich im Land Brandenburg und werden nicht von den Berliner Wasserbetrieben betrieben. Entsprechend den Wassereinzugsgebieten für die Grundwassergewinnung zu Trinkwasserzwecken sind hier die Wasserschutzzonen grenzübergreifend. Die Berliner Verordnungen für diese Wasserwerke dienen dem Schutz der auf Berliner Gebiet liegenden Teile der grenzübergreifenden Wasserschutzzonen.

Den Wortlaut der jeweiligen Verordnung finden Sie unter

Das Wasserwerk Riemeisterfenn fällt als Einziges noch unter den Schutz der "Anordnung über die hygienische Überwachung der Berliner Wasserwerke und Bildung von Schutzzonen" vom 8. Oktober 1946.

In dem im Land Brandenburg gelegenen und von den Berliner Wasserbetrieben betriebenen Wasserwerk Stolpe wird in einem festgelegten begrenzten Umfang Trinkwasser auch zur Versorgung Berlins gefördert. Hierbei handelt es sich um eine genehmigte Ausnahme von der Regelung des § 37a BWG, wonach das für die öffentliche Wasserversorgung Berlins erforderliche Wasser im Gebiet des Landes Berlin zu gewinnen ist.

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