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Umweltatlas Berlin

01.11 Kriterien zur Bewertung der Bodenfunktionen (Ausgabe 2018)

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01.11.3 Naturnähe

Beschreibung

Im Berliner Stadtgebiet sind Böden in großem Ausmaß durch menschliche Eingriffe stark verändert. Mit dem Kriterium Naturnähe wird das Ausmaß der Veränderungen gegenüber dem natürlichen Ausgangszustand beschrieben. Als Veränderungen werden in diesem Zusammenhang insbesondere Vermischungen der natürlichen Horizontierung der Böden, der Abtrag von Bodenmaterial oder die Überlagerung mit Fremdmaterialien verstanden. Stoffeinträge und Grundwasserabsenkungen bleiben hier unberücksichtigt. Mit Hilfe der Bodengesellschaftskarte und Angaben über die Flächennutzung wird eine Übersicht über das Ausmaß der anthropogenen Veränderungen und damit der Naturnähe von Böden und Bodengesellschaften in Berlin gegeben.

Diesem Kriterium kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, als davon auszugehen ist, dass sich natürliche Bodencharakteristika und die Vielfalt von Bodeneigenschaften vor allem an wenig veränderten Standorten erhalten haben, während der Einfluss des Menschen zu einer Homogenisierung von Bodentypen und deren Eigenschaften geführt hat. Bereits bei der Bildung der Legendeneinheiten der Bodengesellschaftskarte wird daher grob zwischen naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften unterschieden.

Methode

Zur Ermittlung der Naturnähe wurden von Blume und Sukopp (1976) Hemerobiestufen für Böden in Anlehnung an den Hemerobiebegriff aus der Vegetatationskunde eingeführt. Danach wurden verschiedene Landnutzungsformen nach dem Grad des Kultureinflusses auf Ökosysteme in sogenannte Hemerobiestufen eingegliedert. Dieses System nutzte Grenzius (1987) zur Beschreibung des anthropogenen Einflusses auf Böden und Bodengesellschaften in Hinsicht auf die Karte der Bodengesellschaften von Berlin (West) von 1985.

In Grenzius (1987) wurde eine differenziertere Untergliederung der Hemerobiestufen in Abhängigkeit von Flächennutzungen durchgeführt (vgl. Tab. 1). Ausgangspunkt war, dass insbesondere die spezifischen Nutzungen der Flächen durch den Menschen Art und Umfang der Veränderung und Zerstörung des natürlichen Bodens verursachen.

In der Tab. 1 ist die Einstufung der Flächen in Abhängigkeit von ihrer Nutzung durch die verschiedenen Autoren dargestellt.

Tab. 1: Bewertung der Naturnähe basierend auf Hemerobiestufen
  Ausmaß der Bodenveränderung Beispielhafte Flächennutzungen Kriterien Naturnähe
  nicht verändert in Berlin nicht vorkommend    
  sehr wenig verändert in Berlin nicht vorkommend    
1 wenig verändert Wald natürlich gewachsene Böden mit nur geringen anthropogenen Einflüssen hoch
2 wenig bis mäßig verändert Park im Außenbereich (z.B. Landschaftspark) im Oberboden geringfügig anthropogen beeinflusste Böden mittel
3 mäßig verändert Grünland im Oberboden anthropogen beeinflusste Böden
4 Acker im Oberboden anthropogen beeinflusste Böden
5 Park, Grünfläche; Friedhof; Kleingarten; Baumschule; Wochenendhausgebiet; Campingplatz; Wohngebiet mit einem Versiegelungsgrad < 30 % im Oberboden und teilweise im Unterboden anthropogen beeinflusste Böden z.T. mit Aufschüttungsböden
6 stark verändert zum Zeitpunkt der Kartierung genutztes Rieselfeld im Oberboden stark, im Unterboden mäßig anthropogen beeinflusste Böden gering
7 sehr stark verändert Park im Innenbereich (vorwiegend auf Aufschüttung); Kleingarten auf Abgrabung oder Aufschüttung); Brachfläche; Truppenübungsplatz; Tagebau; Bahnfläche; Deponien stark im gesamten Bodenaufbau veränderte Böden, überwiegend Aufschüttungsböden
8 extrem stark verändert Sportplatz, Freibad; Siedlungsgebiet *) mit einem Versiegelungsgrad zwischen 30 und 60 % stark im gesamten Bodenaufbau veränderte Böden, überwiegend Aufschüttungsböden sehr gering
9 Stadtplatz; Gleisanlage; Siedlungsgebiet *) mit einem Versiegelungsgrad > 60 % sehr stark im gesamten Bodenaufbau veränderte Böden, überwiegend Aufschüttungsböden
10 Siedlungsgebiet *) mit einem Versiegelungsgrad > 90 % durch Auf- und Abtrag, Verdichtung etc. völlig überformte Böden
*) Siedlungsgebiet umfasst die Nutzungen Wohngebiet, Mischgebiet, Gewerbe- und Industrie, Gemeinbedarf, Ver- und Entsorgung und Verkehrsfläche
Anmerkung : Die Kategorien 1-5 befinden sich im allgemeinen auf naturnahen, die der Kategorien 6-10 auf anthropogenen Bodengesellschaften (vgl. Umweltatlas Karte 01.01 Bodengesellschaften.)

Tab. 1: Bewertung der Naturnähe basierend auf Hemerobiestufen von Blume und Sukopp (1976); Blume (1990); Grenzius (1985); Stasch, Stahr, Sydow (1991)

Da in Berlin völlig unveränderte Böden nicht mehr existieren, blieben die Kategorien der unveränderten oder sehr wenig veränderten Böden unberücksichtigt. Entsprechend wurden für die Bewertung der Berliner Böden die Kategorien unter Berücksichtigung der Einstufungskriterien von Blume (1990), Grenzius (1985) und Stasch, Stahr, Sydow (1991) neu festgelegt.

Für die Bestimmung der Naturnähe der Böden wurden Daten zu Bodengesellschaften, Nutzung, Flächentyp und zum Versiegelungsgrad verwendet. Aus diesen Werten wurden in einem ersten Aggregationsschritt eine automatisierte Einstufung vorgenommen, indem bestimmten Kombinationen aus Bodengesellschaften, Nutzungen und Versiegelungsgraden, ggf. unter Verwendung des Flächentyps, die entsprechenden Bewertungen hinsichtlich der Naturnähe (Stufen 1-10 nach Grenzius entsprechend Tab. 1) zugeordnet wurden.

Für ausgewählte Flächennutzungen wie z.B. Grün- und Parkanlagen, Brachflächen usw. war eine individuelle Bewertung der Naturnähe erforderlich. Böden von Park- und Grünanlagen und von Brachflächen können in sehr unterschiedlichem Umfang verändert worden sein. Während Böden in der Innenstadt in der Regel stark verändert bzw. auf anthropogen geschüttetem Material völlig neu entstanden sind, finden sich im Außenbereich bei gleicher Nutzung vielfach naturnahe Böden mit z.T. sehr geringen Veränderungen. Die Naturnähe dieser Flächen wurde daher individuell unter Zuhilfenahme topographischer Karten, Schutzgebietskarten und Gutachten ermittelt.

Für die Darstellung in der vorliegenden Karte erfolgte eine Bewertung und Zusammenfassung in vier Stufen, von sehr gering bis hoch (vgl. Tab. 2).

Tab. 2: Bewertung der Naturnähe aus der Einstufung
Stufe nach Tab. 1 Bewertung Bezeichnung
1 4 hoch
2 - 5 3 mittel
6 - 7 2 gering
8 - 10 1 sehr gering
Tab. 2: Bewertung der Naturnähe aus der Einstufung

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