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Umweltatlas Berlin

02.11 Wasserschutzgebiete (Ausgabe 2006)

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Wasserschutzgebiete

Das Berliner Wassergesetz unterscheidet noch zwei rechtliche Qualitäten für die Definition von Schutzgebieten:
Für im Westteil der Stadt gelegene Wasserschutzgebiete die noch nicht durch Rechtsverordnung ausgewiesen sind, gilt laut §22 Abs. 5 die "Anordnung über die hygienische Überwachung der Berliner Wasserwerke und die Bildung von Schutzzonen" vom 08.10.1946 (sog. 46er Alliierte Anordnung). Diese Anordnung weist jetzt nur noch folgende Schutzzone aus:

  • Wasserwerk Riemeisterfenn vom 07.01.1975

Nach § 22 Abs.1 des BWG wurden für alle anderen Wasserschutzgebiete von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung entsprechende Rechtsverordnungen erlassen:
Die Berliner Wasserbetriebe betreiben nach der 2001 vorgenommenen Schließung der Wasserwerke Johannisthal und Jungfernheide noch neun Wasserwerke, deren Einzugsgebiete nach den folgenden Verordnungen geschützt sind:

Den Wortlaut der jeweiligen Verordnungen finden Sie unter Wasserrecht

Tab. 1: Übersicht über Wasserwerke und Wasserschutzgebiete in Berlin
Nr.* Wasserwerk Inbetriebnahme Rechtsgrundlage für WSG
01. Tegel 1877 Rechtsverordnung Tegel
02. Beelitzhof 1894 Rechtsverordnung Beelitzhof
03. Jungfernheide 1896 Rechtsverordnung Jungfernheide
04. Tiefwerder 1914 Rechtsverordnung Tiefwerder
05. Spandau 1897 Rechtsverordnung Spandau
06 Grunewald   Stillgelegt
07. Kladow 1932 Rechtsverordnung Kladow
08. Riemeisterfenn 1955 46er Alliierte Anordnung
09. Glienicke   Stillgelegt
10. Johannisthal 1901 Rechtsverordnung Johannisthal/Altglienicke
11. Friedrichshagen 1893 Rechtsverordnung Friedrichshagen
12. Wuhlheide 1914 Rechtsverordnung Wuhlheide/Kaulsdorf
13. Kaulsdorf 1916 Rechtsverordnung Wuhlheide/Kaulsdorf
14. Buch 1906 Rechtsverordnung Buch
15. Altglienicke 1906 Rechtsverordnung Johannisthal/Altglienicke
16. Friedrichsfelde 1912 -
17. Köpenick 1907 -
18. Stolpe 1911 im Land Brandenburg gelegen
19. Staaken   Rechtsverordnung Staaken
20. Eichwalde 1913 Rechtsverordnung Eichwalde
21. Erkner 1914 Rechtsverordnung Erkner
* Nr. der Wasserschutzgebiete gemäß Aktenplan des Referats II E der SenGesUmV
Tab. 1: Übersicht über Wasserwerke und Wasserschutzgebiete in Berlin

Kriterien für die Abgrenzung von Wasserschutzgebieten

Wasserschutzgebietsabgrenzungen werden in Anlehnung an die technischen Empfehlungen der DVGW (Länderarbeitsgemeinschaft Wasser / Dt. Verein von Gas- und Wasserfachmännern) erarbeitet.

Um dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit zwischen Entfernung von der Entnahmestelle und den Verbotsanordnungen Rechnung zu tragen, werden Zonen ausgewiesen. Zu den Trinkwasserbrunnen hin werden Zonen mit stärkeren Verboten belegt, um dem gesteigerten Schutzinteresse von Grundwasser Rechnung zu tragen. Für die einzelnen WSG wurden aufgrund der heterogenen Rechtslage unterschiedliche Kriterien für die Abgrenzung herangezogen (Hydrologie, Geologie, örtliche Gegebenheiten, Besiedlung).

46er Alliierte Anordnung

Wasserschutzzonen nach § 4 der Magistratsanordnung vom 08.10.1946 sind festgesetzte Gebiete mit bestimmten Nutzungseinschränkungen. Dieser Verordnung ging ein entsprechender Befehl der Alliierten Kommandantur voraus, der in der ganzen Stadt galt. Die Schutzzonen sind in eine engere, im 100 m-Radius (Zone II) um die Brunnen und eine weitere Schutzzone, im 500 m-Radius (Zone III) gegliedert. Der Fassungsbereich (Zone I) wird in Anlehnung an die Wasserschutzgebietsverordnung durch einen Radius von 10 m um die Brunnen definiert. Bei Galerien werden die Flächen verbunden.



Wasserschutzgebietsverordnung

Die bis dato erlassenen Rechtsverordnungen gliedern sich in zwei Gruppen.

In den älteren Rechtsverordnungen ist die Differenzierung der weiteren Schutzzone III nicht vorgenommen worden (Beelitzhof, Kladow, Tiefwerder (zwischen 1975 und 1987 erlassen)). Ab 1995 wird die Schutzzone III in IIIa und IIIb gegliedert.

Für die neuen Rechtsverordnungen wird als Bemessungsgrundlage prinzipiell das Isochronenkonzept (vgl. Abb. 3) eingesetzt. Die Grundwasserisochronen (Linien gleicher Fließzeiten) werden zur Festlegung der Schutzzonen II, IIIa und IIIb herangezogen. Größe und Form der Schutzzonen werden rein hydraulisch über Fließzeiten des Grundwassers zur Entnahmestelle begründet. Um eine eindeutige Festlegung zu ermöglichen, folgt die tatsächliche Abgrenzung vorhandenen Grundstücks oder Flurstücksgrenzen oder klar erkennbaren Geländemarkierungen.

Fließzeiten zur Entnahmestelle für die Ausweisung der Schutzzonengrenzen:

  • Schutzzone II: 50 Tage
  • Schutzzone IIIa: 500 Tage
  • Schutzzone IIIb: 2.500-3.500 Tage

Ausnahme bildet die Zone I, die durch einen Radius von 10 m um den Brunnen - bei Galerien um die Brunnenachse - definiert ist (WSG Buch 20 m im Radius).

Der Festlegung der Isochronen und damit der Schutzgebietsgrenzen gehen hydrogeologische Untersuchungen für das entsprechende Gebiet voraus, aus denen ein regionales Grundwasserströmungsmodell entwickelt wird. Ziel dieses Konzeptes ist es, im Fall einer Kontamination des Bodens bzw. des Grundwassers ausreichend Zeit für die Schadensbekämpfung zur Verfügung zu haben.

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Abb. 3: Beispiel für eine Wasserschutzgebietsausweisung nach dem Isochronenkonzept
Die Fließgeschwindigkeit des Grundwassers wird über die Länge der Pfeile wiedergegeben.
Je länger der Pfeil, umso höher die Fließgeschwindigkeit.

Im Rahmen der Neufassung der Wasserschutzgebietsverordnungen nach dem Isochronenkonzept wurde auch eine Ergänzung und Erweiterung der Nutzungseinschränkungen innerhalb der Schutzgebiete vorgenommen.

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