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Umweltatlas Berlin

01.02 Versiegelung (Ausgabe 2012)

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Kartenbeschreibung

In der Karte wird der Grad der Versiegelung, d. h. die Bedeckung der Erdoberfläche mit undurchlässigen Materialien in % der Bezugsfläche (statistischer Block bzw. Teilblock) dargestellt. Insgesamt betrachtet nimmt der Grad der Versiegelung von der Innenstadt in Richtung Stadtrand ab, da die Bebauung zum Stadtrand hin lockerer wird und der Stadtrand entweder völlig unbebaut (Wald, Landwirtschaftsflächen) oder von Einzelhausgebieten geprägt ist. Ausnahmen hiervon sind die gewachsenen Zentren der bis 1920 selbständigen Städte wie Spandau und Köpenick. Sie sind zu etwa 60 %, in den Kernbereichen bis über 90 % versiegelt. Die großen Neubaugebiete am Stadtrand wie Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen oder die Gropiusstadt in Neukölln sowie die Thermometersiedlung in Lichterfelde sind zwischen 50 % und über 80 % versiegelt.

Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Versiegelungsgrade von 2011 pro Flächentyp.
Die höchsten Gesamtversiegelungsgrade weisen die Flächentypen "Geschlossener Hinterhof" mit 84,5 %, "Kerngebiet" mit 81,9 % und "Gewerbe- und Industriegebiet, großflächiger Einzelhandel, dichte Bebauung" mit 86,0 % auf. Die niedrigsten Versiegelungsgrade von jeweils um die 0 % haben die Flächentypen "Wald" und "Landwirtschaft" zu verzeichnen.

Tabelle 5
[Ca. 73 KB groß.]

Tab. 5: Mittlere Versiegelungsgrade von 2011 nach Flächentyp

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Zur besseren Übersicht werden die Versiegelungsgrade auch für die jeweiligen Flächennutzungen (ISU-Kategorien) zusammengefasst. Wohngebiete haben einen durchschnittlichen Versiegelungsgrad von 39,5 %. Den höchsten mittleren Versiegelungsgrad weisen mit 81,9 % die Kerngebiete auf, die niedrigsten treten bei "Wald" und "Ackerland" auf.

Tabelle 6
[Ca. 26 KB groß.]

Tab. 6: Mittlere Versiegelungsgrade von 2011 nach Flächennutzung

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Die statistischen Blöcke und Teilblöcke Berlins (ohne Straßen und Gewässer) sind durchschnittlich zu 27,8 % versiegelt. Davon entfallen 12,9 % auf die bebaut versiegelten Flächen und 14,9 % auf die unbebaut versiegelten Flächen. Inklusive Gewässer und Straßenland ist Berlin zu 32,8 % versiegelt. Davon entfallen 10,7 % auf die bebaut versiegelten Flächen und 12,4 % auf die unbebaut versiegelten Flächen. Bei 9,6 % Berlins handelt es sich um versiegelte Straßen. Berlin ist also zu einem Drittel versiegelt. Die Versiegelung besteht wiederum zu je einem Drittel aus Gebäuden, aus Straßen und aus unbebaut versiegelten Flächen.

Versiegelung der Bezirke

Für die bezirksbezogene Auswertung wurde der durchschnittliche Versiegelungsgrad des Straßenlandes errechnet. Hierfür wurde eine Statistik zu Befestigung und Fahrbahnbelägen Berliner Straßen, Rad- und Gehwege (SenStadt 2006) ausgewertet.

Abbildung 7
Abb. 7: Versiegelungsgrad nach Bezirken (in % der Gesamtfläche ohne Gewässer)

Excel
[Die Datengrundlage der Abbildung liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).

Treptow-Köpenick ist mit 21,3 % der am geringsten versiegelte Bezirk, während Kreuzberg-Friedrichshain und Mitte mit 68,7 bzw. 62,7 % die höchsten Versiegelungsgrade aufweisen. Auch der Anteil der bebauten Fläche an der Bezirksfläche ist in diesen Bezirken am höchsten.

Versiegelungsdaten 2011 im Vergleich zu 1990, 2001 und 2005

Ein direkter Vergleich zwischen den Versiegelungswerten von 1990 bzw. 2001 und 2005 bzw. 2011 kann aufgrund der verschiedenen Erhebungsmethoden nur bedingt durchgeführt werden. Aus den Werten kann keine Veränderung der versiegelten Fläche über die Zeit abgeleitet werden.
2001 betrug der Versiegelungsgrad Berlins 34,7 % (einschl. Straßen und Gewässern). Diese Daten gehen zum Teil auf Auswertungen von Satellitenbildern und weiteren Quellen aus den 80er Jahren zurück (nur West-Berlin). Diese Kartierungen wurden 1990 mittels Luftbildern und topographischen Karten auf das Gebiet von Ost-Berlin erweitert und 2001 teilweise aktualisiert. Bei diesen Arbeiten wurden auch z.T. nutzungsspezifische Pauschalwerte angenommen. Die Erfassungsmethode war insgesamt uneinheitlich.

Mit den Kartierungen 2005 und 2011 liegen nunmehr nach einem flächendeckend einheitlichen, automatisierten und wesentlich verbesserten Verfahren gewonnene Datensätze vor. Im Ergebnis beträgt der Versiegelungsgrad im Jahre 2011 32,8 % und liegt damit um ca. 0,9 % über den Werten von 2005. Der wesentliche Anteil dieser Versiegelungszunahme liegt dabei bei der unbebaut versiegelten Fläche.

Tab. 7: Ergebnisse von Versiegelungskartierungen in Berlin 1990 bis 2011
  Versiegelung bebaut versiegelte Fläche unbebaut versiegelte Fläche Straße ausgewertete Gesamtfläche Anzahl Blöcke
ha % ha % ha % ha % ha  
1990 31.173 35,3 9.680 11,0 13.283 15,0 8.210 9,3 88.358 23.202
2001 31.021 34,7 9.629 10,8 13.058 14,6 8.334 9,3 89.317 24.505
2005 28.408 31,9 9.423 10,6 10.526 11,8 8.459 9,5 89.090 24.669
2011 29.190 32,8 9.574 10,7 11.032 12,4 8.584 9,6 89.095 24.961
Es können Rundungsdifferenzen auftreten.

Tab 7: Ergebnisse von Versiegelungskartierungen in Berlin 1990 bis 2011
(alle Angaben bezogen auf die Gesamtfläche Berlins einschl. Straßen und Gewässer). Aus den Werten kann wegen unterschiedlicher Auswertungsmethoden keine Veränderung über den gesamten Zeitraum abgeleitet werden. Den Werten 1990 und 2001 liegen unterschiedliche Auswertungsmethoden zu Grunde, die keinen Vergleich mit den Werten von 2005 und 2011 zulassen. Ein Vergleich zwischen 2005 und 2011 ist hingegen möglich.

Betrachtet man die ermittelten Werte für die bebaut versiegelte Fläche über die Jahre fällt auf, dass sie nahezu identisch sind. Daraus kann abgeleitet werden, dass die alte Erhebungsmethode im Mittel durchaus gute Werte lieferte, denn die Erhebungen mittels der ALK für 2005 sowie 2011 können als sehr genau angesehen werden.

Für die unbebaut versiegelte Fläche ergibt sich ein etwas anderes Bild. Hier haben die ermittelten Werte 2005 gegenüber 2001 um 2,8 Prozentpunkte abgenommen und 2011 um 0,9 Prozent gegenüber 2005 zugenommen. Die Abnahme zwischen 2001 und 2005 kann einerseits daran liegen, dass in den alten Kartierungen einige Grün- und Freiflächen - Kategorien (z.B. Wälder und Landwirtschaft) mit Pauschalwerten der unbebaut versiegelten Fläche belegt wurden, die nach heutigen Erkenntnissen zu hoch waren. Da diese Flächen einen großen Anteil am Stadtgebiet haben, wurde der Versiegelungsgrad der unbebaut versiegelten Fläche insgesamt überschätzt. Andererseits wurde wegen der bereits genannten Probleme bei der Interpretation der Satellitendaten die unbebaut versiegelte Fläche im neuen Verfahren eher unterschätzt. Diese Annahmen sind eher plausibel, als dass tatsächlich ein Rückgang der versiegelten Fläche im Stadtgebiet stattgefunden hat.

Hinsichtlich der Erfassung der versiegelten Straßenfläche konnten die im Jahre 1990 vorliegenden groben Schätzwerte erst im Jahre 1997 durch Werte der Straßenbauverwaltung ersetzt werden. Diese wurden auch für die Auswertungen von 2001 verwendet. Für die Versiegelungskartierungen von 2005 und 2011 wurden Straßenversiegelungsgrade pro Bezirk mit dem Stand 2006 auf die Gesamtstadt angewendet (Gerstenberg & Goedecke 2011). Eine leichte Erhöhung des durch Straßen verursachten Versiegelungsgrades durch Tiefbaumaßnahmen vor allem im Ostteil der Stadt erscheint durchaus plausibel.

Die wiederholte Anwendung des neuen Verfahrens 2011 ermöglicht auch einen Vergleich der Versiegelung auf Blockebene. In Abbildung 8 ist die Veränderungskartierung zwischen 2005 und 2011 dargestellt. Es werden Blöcke mit einer Veränderung größer 10 % des Versiegelungsgrades dargestellt. In die Bilanzierung der Gesamtfläche und auf Ebene der Flächentypen sind jedoch auch kleinere Veränderungen mit eingegangen.

Untersuchungen während der Verfahrensentwicklung haben ergeben, dass die Erfassung der bebaut versiegelten Fläche sehr genau ist (vgl. Validierung 2007). Für die Erfassung der unbebaut versiegelten Fläche liegt die Genauigkeit darunter. Hierfür sind folgende Gründe zu nennen:

  • Aufgrund der 2010 korrigierten ISU-Flächentypen treten bei 718 Blöcken Pseudo-Veränderungen auf.
  • In der SPOT5-Satellitenbildszene von 2005 lagen viel größere Schattenbereiche als 2011 vor. Die Schattenflächen sind umgebungsspezifisch klassifiziert worden. Im Vergleich können bei gleicher Auswertungsmethode ebenso unterschiedliche Versiegelungswerte auftreten.
  • Bei 244 Blockflächen hat sich zwischen 2005 und 2010 die ISU-Blockgeometrie stark geändert, wodurch Pseudo-Veränderungen in der Versiegelungskartierung auftreten.
  • Für 37 Blockflächen lag 2005 keine SPOT5-Satellitenbildszene vor. Diese Flächen gehen im Vergleich für 2005 zu 0 % versiegelt ein. Da es sich hierbei hauptsächlich um Waldflächen östlich des Müggelsees handelt, ist der Fehler hier gering einzuschätzen.

In der Karte Veränderungskartierung der Versiegelung zwischen 2005 und 2011 (pdf; 9,5 MB) sind daher nur Blöcke mit einer Veränderung der Gesamtversiegelung größer 10 % dargestellt.

Abbildung 8
[Ca. 284 KB groß.]

Abb. 8: Veränderungskartierung der Versiegelung zwischen 2005 und 2011

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