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Umweltatlas Berlin

04.10 Klimamodell Berlin - Analysekarten (Ausgabe 2016)

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Kartenbeschreibung / ergänzende Hinweise

Nachfolgend werden anhand eines etwa 5 km x 3 km großen Beispielraums im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf die modellierten Klimaparameter sowie die daraus abgeleitete Klimaanalysekarte (04.10.07) und die Planungshinweiskarte (04.11.1) (SenStadtUm 2016) erläutert. Der Text ergänzt damit die Inhalte des Kapitels Kartenbeschreibung.

Allgemeine Anmerkungen

Das Areal weist eine große Bandbreite der in Berlin vorhandenen Nutzungstypologien auf und ist daher besonders für eine vertiefende Darstellung der stadtklimatischen Zusammenhänge geeignet. Es erstreckt sich vom Grunewaldsee im Südwesten bis zum Hohenzollernplatz im Nordosten und wird durch den diagonalen Verlauf der Autobahn A 100 geprägt (vgl. Abbildung 12). Rasterzellen, die Gebäude repräsentieren, sind in Schwarz dargestellt.


Abb. 12: Ausdehnung des Beispielgebietes und Nutzungsstruktur im Übergangsbereich Forst Grunewald - City West in Charlottenburg-Wilmersdorf

Karte 04.10.01 Bodennahes Windfeld und Kaltluftvolumenstrom

Da sich das kleinskalige Windfeld in dem ausgewählten Ausschnitt nicht sinnvoll abbilden lässt, erfolgt die Darstellung des Kaltluftströmungsfelds am Beispiel des rasterbasierten Kaltluftvolumenstroms (vgl. Abbildung 13). Der Kaltluftvolumenstrom weist auf großer Fläche ein hohes bis sehr hohes Werteniveau auf und reicht weit in die östlich umgebende Bebauung, was auf die intensive Kaltluftentstehung im Bereich des Grunewaldes zurückzuführen ist. Begünstigt wird dies überdies durch Kaltluftabflüsse, welche bei Hangneigungen von mehr als 1 ° über dem östlichen Grunewald auftreten.


Abb. 13: Kaltluftvolumenstrom um 04:00 Uhr an einem strahlungsreichen Sommertag im Übergangsbereich Forst Grunewald - City West in Charlottenburg-Wilmersdorf

Dabei werden vor allem die angrenzenden stark durchgrünten Siedlungsflächen von einem sehr hohen Volumenstrom begünstigt. Aufgrund ihrer geringen Oberflächenrauigkeit und ihrer eigenen Kaltluftproduktion können diese Bebauungsstrukturen bereits aus sich heraus als positiv klimarelevant angesehen werden. Nach Osten hin weist der Volumenstrom bis zur A 100 noch einen hohen Wert auf und sinkt darüber hinaus auf ein mäßiges Niveau ab. Dies liegt in der allmählich ansteigende Bebauungsdichte und dem höheren Temperaturniveau begründet, welche den Kaltuftvolumenstrom abschwächen. östlich der Brandenburgischen Straße geht er auf einen geringen Wert zurück.

Im Kartenbild fallen weiterhin Oberflächenstrukturen auf, welche die Kaltluft weit in die Bebauung eindringen lassen. Dabei handelt es sich um gering überbaute, vegetationsgeprägte Flächen. Im Norden des dargestellten Ausschnittes tritt dahingehend die Grünachse Dianasee-Koenigssee-Halensee im Zusammenhang mit den angrenzenden Gleisanlagen als Kaltluftleitbahn mit einem sehr hohen Kaltluftvolumenstrom hervor. Südlich ist der Grünverbund Sommerbad Wilmersdorf-Friedhof Wilmersdorf/Fennsee als Luftaustauschbereich erkennbar. Der hohe bis sehr hohe Volumenstrom setzt sich über die Uhlandstraße hinaus bis in den Volkspark Wilmersdorf fort und verdeutlicht die Leitbahnpotenzial solcher Grünstrukturen.

Videoanimation Kaltluftströmung

Um die Wirkungsweise bodennaher Kaltluftströmungen zu verdeutlichen, wurde mit Hilfe des verwendeten Klimamodelles FITNAH 3D eine Video-Animation berechnet, die die Einflüsse der unterschiedlichen Flächennutzungen im Beispielraum Charlottenburg-Wilmersdorf auf ihre Umgebung verdeutlichen. Im Mittelpunkt stehen der Übergangsbereich vom Grunewald als bedeutende Kaltluft produzierende Waldfläche und die angrenzende Bebauung. Grundlage für die Darstellung ist der Kaltluftvolumenstrom, der, ausgehend vom Zeitpunkt 22:00 Uhr, in einer zeitlichen Auflösung von 7,5 Minuten bis 03:00 Uhr morgens ausgewertet wurde. Der Grunewald hat eine wichtige stadtklimatische Funktion als Kaltluftproduktionsfläche für die an ihn östlich angrenzenden Bebauungen in Charlottenburg-Wilmersdorf bzw. Steglitz-Zehlendorf. Diese Kaltuftlieferungen Richtung östlich angrenzender Bebauung sind in weiten Teilen vor allem durch Kaltluftabflüsse geprägt, die bei Hangneigungen von mehr als 1 ° auftreten können. Gespeist durch diese bodennahen Strömungen ist der Bereich nördlich des Halensees zwischen den S-Bahnhöhen Grunewald und Charlottenburg als Kaltluftleitbahn einzuordnen. Die besondere klimatische Funktion des Grunewaldes entlang seines rund 11 km langen Übergangbereiches zur Bebauung wurde bereits im Beschreibungstext zur Ausgabe 2009 ausführlich dargelegt (SenStadt 2009).

Kaltluftausströmung im Übergangsbereich Grunewald - Siedlung Eichkamp - Halensee - Visualisierung der kühlenden Wirkung des Waldes (9,2 MB)

Die Animation soll die Funktionsweise kaltluftproduzierender Areale am Beispiel des östlichen Grunewaldes im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf verdeutlichen. Eine hohe langwellige nächtliche Ausstrahlung während austauscharmer Hochdruckwetterlagen führt zu einer starken Abkühlung der bodennahen Luftschicht. In deren Folge fließt die Kaltluft bei Hangneigungen von mehr als 1 ° über das Gelände nach Osten hin in die angrenzende Bebauung ab. Dabei zeichnet sich der Bereich des gering überbauten Gleisareals südlich der Messe Berlin als Kaltluftleitbahn ab.

Die Animation beruht auf einer Strömungsmodellierung unter Verwendung des Klimamodelles FITNAH 3D, für die insgesamt 40 Zeitschnitte berechnet worden sind. Dargestellt wird der Kaltluftvolumenstrom in qualitativer Ausprägung in vier Klassen. Während ein geringer Volumenstrom keine Flächenfarbe aufweist, wird ein mittlerer Wert in Grün abgebildet. Ein hoher bzw. sehr hoher Volumenstrom wird in Hellblau bzw. Dunkelblau dargestellt.

Eine zweite Informationsebene stellen die überlagerten Trajektorien (Bahnkurven) einzelner Luftpakete dar, welche die Fließrichtung der Kaltluft repräsentieren. Die reale Integrationszeit der Animation beläuft sich auf 5 Stunden.

Dabei weisen die Bereiche, in denen das Kaltluftvolumen und die Fließgeschwindigkeit im Verlauf einer Nacht ansteigen, eine konzentrische Zunahme auf. Aufgrund der intensiven Kaltluftentstehung erfolgt ein flächenhaftes Einwirken in die Siedlungsflächen. Ab etwa 01:00 Uhr morgens tritt ein sehr hoher Kaltluftvolumenstrom in Höhe der Hilde-Ephraim-Straße sowie im Umfeld des Autobahn-Dreiecks Funkturm auf. Im weiteren Verlauf der Nacht intensiviert sich der Zustrom von Kaltluft aus dem Grunewald, so dass dieser Bereich als Kaltluftleitbahn ausgewiesen ist. Diese Strukturen sind im stadtklimatischen Wirkungsgefüge als besonders schützenswert anzusehen.

Karte 04.10.02 Bodennahe Lufttemperatur

Das für 04:00 Uhr in der Nacht simulierte Temperaturfeld umfasst zwischen Minimalwerten von 13,9 °C und Maximalwerten von 21,2 °C eine Spannweite von etwa 7 Kelvin (K) (vgl. Abbildung 14). Entsprechend der baustrukturellen Ausprägung nimmt das Temperaturniveau ausgehend vom Grunewald in Richtung City West allmählich zu. Die niedrigste Lufttemperatur ist mit 13,9 °C nördlich des Grunewaldsees über der Rasenfläche des Hundekehlefenn festzustellen. Als weiteres herausragendes Kaltluftgebiet – auch aufgrund seiner Größe - heben sich innerhalb der Bebauungsbereiche die Kleingartenareale südlich der Forckenbeckstraße hervor. Hinsichtlich ihres Abkühlungsverhaltes etwas schwächer ausgeprägt liegen die Werte im Friedhof Wilmersdorf zwischen 14,5 °C und 16 °C; über den kleineren Grünflächen ist die nächtliche Abkühlung je nach Flächengröße weniger stark ausgeprägt.


Abb. 14: Bodennahe Lufttemperatur um 04:00 Uhr an einem strahlungsreichen Sommertag im Übergangsbereich Forst Grunewald - City West in Charlottenburg-Wilmersdorf

Innerhalb der bebauten Bereiche ist die Temperaturausprägung entsprechend der Verteilung von Bau- und Grünvolumen räumlich differenziert. Während größere begrünte Blockinnenhöfe vergleichsweise niedrige Lufttemperaturen von 17 °C bis 18 °C aufweisen können, liegen diese in (vollständig) versiegelten Höfen ähnlicher Größe sowie breiten Straßenräumen um bis zu 1,5 Kelvin (K) höher. Die durchgrünten Siedlungsflächen weisen Werte zwischen 16 °C und 18 °C auf. Auf diesem Niveau sind auch die Lufttemperaturen über Gewässerflächen einzuordnen.

Karte 04.10.03 Strahlungstemperatur

Als wichtige Einflussgröße für die Berechnung des bioklimatischen Bewertungsindex Physiologisch äquivalente Temperatur (PET) wird die Ausprägung der Strahlungstemperatur am Tage vor allem durch die solare Einstrahlung bestimmt. In dem in Abbildung 15 dargestellten Vertiefungsraum treten zur simulierten Mittagsstunde um 14:00 Uhr an einem strahlungsreichen Sommertag Werte von weniger als 35 °C in 2 m Höhe nur in den baumgeprägten Nutzungen im Schatten auf. Daher sind die vergleichsweise niedrigen Temperaturen flächendeckend im Grunewald anzutreffen, während dies in den Siedlungsarealen an vorhandene Baumbestände gekoppelt ist. Somit sind in der an den Grunewald angrenzenden durchgrünten Siedlungen tendenziell niedrigere Werte anzutreffen als in der stärker versiegelten und weniger durchgrünten Bebauung östlich der A 100.
Sowohl hier als auch in den breiten Straßenräumen kann die Strahlungstemperatur in nicht beschatteten Bereichen auf über 50 °C ansteigen. Durch Straßenbäume etwa kann dieses Werteniveau lokal unterbrochen werden. Dahingehend zeichnen sich der Kurfürstendamm am oberen Bildrand sowie der diagonal durch das Gebiet verlaufende Hohenzollerndamm ab. Auffällig ist, dass auch die Rasenbereiche innerhalb von Grünflächen aufgrund fehlender Abschattung hohe Strahlungstemperaturen aufweisen, die nur geringfügig unter denen versiegelter Flächen liegen.


Abb. 15: Strahlungstemperatur um 14:00 Uhr an einem strahlungsreichen Sommertag im Übergangsbereich Forst Grunewald - City West in Charlottenburg-Wilmersdorf

Karte 04.10.04 Nächtliche Abkühlung

Die nächtliche Abkühlung pro Raster zwischen 22:00 Uhr und 04:00 Uhr in einer strahlungsreichen Sommernacht zeigt Abbildung 16. Die Abkühlung der verschiedenen nicht gebäudebestandenen Oberflächenstrukturen geht mit ihren jeweiligen thermischen Eigenschaften wie dem Wärmestrom einher. Dieser beeinflusst, wie viel Energie am Tage von einer Oberfläche aufgenommen und im Material gespeichert bzw. in den Nachtstunden wieder an die bodennahe Atmosphäre abgegeben wird.


Abb. 16: Nächtliche Abkühlungsrate zwischen 22:00 Uhr und 04:00 Uhr in einer strahlungsreichen Sommernacht im Übergangsbereich Forst Grunewald - City West in Charlottenburg-Wilmersdorf

Entsprechend der baustrukturellen Ausprägung dominiert östlich der A 100 eine mäßige bis geringe nächtliche Abkühlung von -0,75 bis -0,25 Kelvin (K) pro Stunde, was auf den erhöhten Anteil versiegelter und überbauter Fläche zurückzuführen ist. Lediglich die in die Bebauung eingestreuten Grünareale weisen mit -1,0 bis -0,75 K eine hohe Abkühlungsrate auf. Diese ist flächenhaft vor allem im Grunewald bzw. den vorgelagerten durchgrünten Siedlungstypen sowie Grünflächen wie den Kleingärten an der Forckenbeckstrasse sowie dem Friedhof Wilmersdorf anzutreffen. Einhergehend mit der wärmespeichernden Eigenschaft des Wassers ist über Gewässerflächen eine ähnlich geringe nächtliche Abkühlung zu beobachten wie in den dichter bebauten Stadträumen.

Karte 04.10.05 Physiologisch äquivalente Temperatur (PET)

Zur Beurteilung der Wärmebelastung am Tage wird in der Planungshinweiskarte (Karte 04.11.1, SenStadtUm 2016) die Physiologisch äquivalente Temperatur (PET) herangezogen, welche auf dem Wärmeaustausch des Menschen mit seiner Umgebung beruht (Höppe, P. 1984). Dabei spielen die strahlungsbezogenen Energieflüssen eine zentrale Rolle, so dass die räumliche Verteilung der PET eng mit der Ausprägung der Strahlungstemperatur verknüpft, Während über den Gewässerflächen die niedrigsten Werte von weniger als 30 °C zu beobachten sind, tritt unter dem Schatten spendenden Kronendach des Grunewaldes eine PET von etwa 30 °C bis 31 °C auf (vgl. Abbildung 17). Dieses Temperaturniveau setzt sich, abhängig von Baumbestand, auch in den angrenzenden durchgrünten Siedlungsflächen weiter fort. Daher weisen diese während sommerlicher Wetterlagen mit potenzieller Wärmebelastung über die Nachtsituation hinaus auch am Tage günstige bioklimatische Bedingungen auf.


Abb. 17: Verhalten des Bewertungsindex PET (Physiologisch äquivalente Temperatur) um 14:00 Uhr an einem strahlungsreichen Sommertag im Übergangsbereich Forst Grunewald - City West in Charlottenburg-Wilmersdorf

In den übrigen Stadtstrukturen sind Werte zwischen 33 °C und 35 °C anzutreffen, welche über den größeren stark besonnten Flächenanteilen auch darüber hinaus gehen können. Dahingehend treten der Verlauf der A 100, größere ebenerdig versiegelte Bereiche sowie Sportplätze hervor, die frei besonnt sind. In den Straßenräumen ist unter Bäumen die PET um 1 bis 2 K niedriger, so dass sie hier die Aufenthaltsqualität deutlich verbessern und das Gehen oder Radfahren im Schatten angenehmer gestalten. Die durch Rasen geprägten Anteile von Grün- und Freiflächen weisen dagegen ähnlich hohe Werte wie ein Großteil des Straßenraums auf. Die Spanne der in den dargestellten Ausschnitt auftretenden Temperaturen beträgt somit etwa 13 K. Zur Einordnung der Werte des PET hinsichtlich des thermischen Empfindens und der physiologischen Belastung (vgl. Tabelle 3).

Karte 04.10.06 Meteorologische Kenntage

Im Rahmen der Stadtklimaanalyse wurden für die Block- und Blockteilflächen des ISU5 verschiedene Kenntage ermittelt (vgl. Methode) und die durchschnittliche Häufigkeit des Auftretens pro Jahr (bezogen auf den Zeitraum 2001-2010) berechnet.
Die Ausprägung der Sommertage (T_max ≥ 25 °C) im Beispielraum zeigt Abbildung 18. Flächentypen mit hohem Grünanteil weisen eine geringe Anzahl an Sommertagen auf. Während die Anzahl hier weniger als 42 Tage/Jahr beträgt, nimmt sie im Zusammenhang mit dem nach Osten hin ansteigenden Überbauungs- und Versiegelungsgrad zu. So tritt innerhalb der Blockrandbebauung im Bereich Hohenzollerndamm an 42 bis 44 Tagen/Jahr eine Maximumtemperatur von mindestens 25 °C auf. Darüber hinaus ist häufig eine Anzahl von 46 bis 48 Sommertagen/Jahr anzutreffen, etwa im Bereich des Stadions Wilmersdorf/Sommerbad; hier wird deutlich, dass sich frei besonnte Rasenflächen mit starker Erwärmung am Tage steigernd auf die Anzahl der Sommertage auswirken (dagegen in der Nacht Flächen intensiver Abkühlung darstellen (vgl. Abbildung 14 und Abbildung 16). Östlich der A 100 steigt die Anzahl der Sommertage kleinräumig auch über 50 Tage/Jahr an.


Abb. 18: Anzahl der Sommertage (Temperaturmaximum ≥ 25 °C) pro Block im Durchschnitt der Jahre 2001-2010 im Übergangsbereich Forst Grunewald - City West in Charlottenburg-Wilmersdorf

Die Spannweite der auftretenden Hitzetage/Jahr beträgt zwischen weniger als 5 im Grunewald und mehr als 12 über den größeren ebenerdig versiegelten Arealen z.B. im Umfeld des Messedamms oder im Bereich des Heizkraftwerks Wilmersdorf (vgl. Abbildung 19). Darüber hinaus weisen auch die Gleisanlagen entlang der A 100 eine ähnlich hohe Anzahl an Sommertagen auf. Die Siedlungsflächen liegen wertebezogen zwischen diesen Extremen und verhalten sich – in abgemilderter Form - vergleichbar der Ausprägung an Sommertagen. Die Spanne der hier auftretenden Anzahl an Hitzetagen beträgt meist zwischen 7 und 11 Tage/Jahr.


Abb. 19: Anzahl der Hitzetage (Temperaturmaximum ≥ 30 °C) pro Block im Durchschnitt der Jahre 2001-2010 im Übergangsbereich Forst Grunewald - City West in Charlottenburg-Wilmersdorf

Die Ermittlung der Tropennächte pro Jahr gibt Aufschluss über das nächtliche Temperaturniveau und die damit einhergehende thermische Situation, da bei nächtlichen Minimumtemperaturen von ≥ 20 °C bioklimatisch belastende Bedingungen auftreten können. Die Anzahl der Tropennächte/Jahr pro Blockfläche ist eng an das nächtliche Temperaturniveau gekoppelt. Dabei sind es vor allem die Areale mit einer geringen nächtlichen Abkühlung (vgl. Abbildung 16), welche sich in Abbildung 20 mit mehr als 8 Tropennächten/Jahr abzeichnen. Westlich der A 100 ist, einhergehend mit einer mäßigen bis hohen nächtlichen Abkühlung, auch die Anzahl der Tropennächte geringer. Sie beträgt in den Siedlungsflächen 5 bis 8 Nächte/Jahr und geht über dem Gleisareal westlich des Halensees sowie dem ausgedehnten Kleingartenareal südlich der Forckenbeckstrasse auf weniger als 4 Tropennächte/Jahr zurück und bestätigt deren intensives Kaltlufbildungspotenzial.
Insgesamt gesehen spiegelt sich somit das Mosaik der verschiedenen Nutzungen und ihr klimatisches Verhalten über den Tagesverlauf deutlich in den Auswertungen der Kenntage wider.


Abb. 20: Anzahl der Tropennächte (Temperaturminimum ≥ 20 °C) pro Block im Durchschnitt der Jahre 2001-2010 im Übergangsbereich Forst Grunewald - City West in Charlottenburg-Wilmersdorf

Karte 04.10.07 Klimaanalysekarte und Verweis auf die Planungshinweiskarte Stadtklima (04.11.1, SenStadtUm 2016)

Die Klimaanalysekarte stellt das Hauptergebnis des Analyseteils der Klimamodellierung mit FITNAH 3D dar und beruht auf den beschriebenen meteorologischen Parametern. Aus der Abgrenzung von Produktions- und Wirkräumen sowie ihren verbindenden Strukturen ergibt sich ein komplexes Bild vom Prozesssystem der Luftaustauschströmungen des Gefüges an bebauten und begrünten Flächen.

Die Grün- und Freiflächen werden in der Klimaanalysekarte als klimatische Ausgleichsräume dargestellt, wobei im betrachteten Beispielraum aufgrund des intensiven Luftaustausches ein Großteil davon auch einen klimaöokologisch wirksamen Kaltluftvolumenstrom aufweist. Lediglich die kleineren Grünflächen östlich der Brandenburgischen Straße fallen aus dieser Bewertung (vgl. Abbildung 21).


Abb. 21: Aussagen der zusammenfassenden Klimaanalysekarte im Übergangsbereich Forst Grunewald - City West in Charlottenburg-Wilmersdorf

Ein Großteil der Siedlungsflächen liegt daher im Einwirkbereich dieser Kaltluftentstehungsgebiete, welche sich über die A 100 hinaus etwa bis in Höhe der Brandenburgischen Straße fortsetzen. Zudem sind die durchgrünten Siedlungsflächen als bebaute Gebiete mit klimarelevanter Funktion ausgewiesen. Ein nächtlicher Wärmeinseleffekt ist hier nicht anzutreffen, da die Lufttemperatur um 04:00 Uhr unter dem Durchschnittswert aller untersuchten Siedlungsflächen im Stadtgebiet liegt. Im Umfeld von Dianasee, Koenigssee und Hubertussee bildet sich die Wärmeabgabe der Wasserflächen in einer leichten Überwärmung innerhalb der Blockflächen ab. Diese nimmt in Richtung auf Hohenzollerndamm und A 100 insgesamt zu, wobei östlich der A 100 ein mäßiger Wärmeinseleffekt dominiert. Am Kurfürstendamm treten einzelne Baublöcke dann auch mit einer starken überwärmung hervor.

Der Luftaustausch am östlichen Grunewald wird vor allem durch Kaltluftabflüsse geprägt, welche bei Hangneigungen von mehr als 1 ° auftreten können. Zudem ist der Bereich nördlich des Halensees zwischen den S-Bahnhöhen Grunewald und Charlottenburg als Kaltluftleitbahn einzuordnen. Die lufthygienische Situation ist durch den Verlauf mehrerer stark befahrener Hauptstraßen gekennzeichnet. Dahingehend weisen vor allem Kurfürstendamm und Hohenzollerndamm eine hohe bis sehr hohe lufthygienische Belastung auf. Westlich der A 100 liegt dagegen meist eine geringe bis mäßige Belastung durch die verkehrsbezogenen Schadstoffe Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO2) vor (detaillierte Informationen bietet die Umweltatlaskarte 03.11., SenStadtUm 2011).

Einzelne Blockflächen weisen ein Potenzial für Windfeldveränderungen auf. Dabei handelt es sich beispielsweise um Großsiedlungen wie die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße oder die Kerngebietsnutzung im Bereich Kurfürstendamm.


Abb. 22: Aussagen der Hauptkarte zur Planungshinweiskarte Stadtklima im Übergangsbereich Forst Grunewald - City West in Charlottenburg-Wilmersdorf (SenStadtUm 2016)

Eine Bewertung der in der Klimaanalysekarte dargestellten Funktionen aus planerischer Sicht (Schutzwürdigkeit / thermische Gunst- bzw. Ungunstsituation) erfolgt in der Planungshinweiskarte Stadtklima (SenStadtUm 2016). Sie stellt die planerische Inwertsetzung der erzeugten Modelldaten sowie der daraus abgeleiteten Klimaanalysekarte dar und ist die zentrale Informationsbasis für Abwägungs- und Entscheidungsprozesses aus stadtklimatischer Sicht. Den entsprechenden Ausschnitt zum Beispielraum zeigt Abbildung 22.

Die Beurteilung der thermischen Bedingungen im Siedlungsraum beruht auf der Kombination von nächtlicher Lufttemperatur und Physiologisch äquivalenter Temperatur (PET) am Tage. Daher sind in den durchgrünten Siedlungstypen westlich der A 100 sehr günstige bis günstige Bedingungen anzutreffen. Mit nach Osten hin zunehmendem Überbauungs- und Versiegelungsgrad nimmt auch die Wärmebelastung insgesamt zu. Bioklimatisch ungünstige Bedingungen sind vor allem im Umfeld von Kurfürstendamm, Hohenzollerndamm und Brandenburgischer Straße anzutreffen.

Die thermische Situation im Straßenraum basiert auf einer Bewertung der PET, sie wird an sommerlichen Strahlungstagen im Wesentlichen durch den Grad der Besonnung negativ bzw. die Schattenwirkung durch Gebäude bzw. Bäume positiv bestimmt. Dahingehend sind einige Abschnitte von Kurfürstendamm und Hohenzollerndamm als günstig bis sehr günstig einzuordnen. Dem stehen die am Tage intensiv besonnten Straßenräume gegenüber, welche eine weniger günstige bzw. ungünstige Aufenthaltsqualität aufweisen.

Die Schutzwürdigkeit der Grün- und Freiflächen ist im Beispielraum fast flächendeckend als hoch bis sehr hoch anzusehen, was in der der räumlichen Nähe zu bioklimatisch belasteten Siedlungsflächen einerseits und der intensiven nächtlichen kühlenden Einwirkung auf die bebauten Bereiche andererseits begründet liegt. Zudem wird der Kaltluftleitbahnbereich in Höhe Halensee flächenhaft als Leitbahnkorridor abgegrenzt. Eine detaillierte Beschreibung der Methode und Struktur der drei Karten zur Planungshinweiskarte findet sich im entsprechenden Begleitdokument (Download hier: SenStadtUm 2016).

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