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Umweltatlas Berlin

01.01 Bodengesellschaften (Ausgabe 2009)

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Problemstellung

Definition des Bodens

Der Boden ist die an der Oberfläche entstandene, mit Luft, Wasser und Lebewesen durchsetzte Verwitterungsschicht aus mineralischen und organischen Substanzen, die sich unter Einwirkung aller Umweltfaktoren gebildet hat. Natürliche Böden entstehen durch das Zusammenwirken von Ausgangsgestein, Klima, Wasser, Relief, Flora und Fauna, wobei sich in Abhängigkeit von den jeweiligen Standortverhältnissen unterschiedliche Bodentypen mit charakteristischem Profilaufbau und spezifischen physikalischen und chemischen Eigenschaften entwickeln.

Zusammen mit Luft, Wasser und Sonnenlicht ist der Boden die Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen. Er wird als Produktionsgrundlage für die Land- und Forstwirtschaft genutzt, aber auch durch menschliche Aktivitäten (z.B. bei der Erstellung von Bauwerken) umgelagert, verändert und zerstört. Er bildet mit folgenden Funktionen eine bedeutende natürliche Ressource:

  • naturgegebener Lebensraum für Tiere und Pflanzen,
  • Teil des Ökosystems mit seinen Stoffkreisläufen,
  • Grundlage für die Erzeugung von Nahrungsmitteln, Futtermitteln und pflanzlichen Rohstoffen,
  • Filter und Speicher für das Grundwasser,
  • Baugrund als Standort und Träger baulicher Anlagen,
  • prägendes Element der Natur und Landschaft und
  • Archiv für Natur- und Kulturgeschichte.

Bodenbildung

Die Bodenbildung ist ein natürlicher, an der Erdoberfläche beginnender und in die Tiefe fortschreitender Prozess. Die in Tabelle 1 genannten Faktoren und Prozesse führen in Abhängigkeit von der Zeit zu Differenzierungen in Aufbau und Eigenschaften und zur Bildung unterschiedlicher Bodenhorizonte (-schichten). Somit wurden unterschiedliche Bodentypen (als Kombinationen von Bodenhorizonten) herausgebildet.

Übersicht über bodenbildende Faktoren und Bodenentwicklungsprozesse
Tab. 1: Übersicht über bodenbildende Faktoren und Bodenentwicklungsprozesse
(nach Lieberoth 1982)

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Der durch bodenbildende Prozesse aus dem Ausgangsgestein entstandene Boden ist ein Dreikomponenten- und Dreiphasengemisch aus festen, flüssigen und gasförmigen Bestandteilen:
 
feste Bestandteile: mineralische Bestandteile wie Gesteinsfragmente, verschiedener Größe, Oxide, Salze, Kolloide, organische Bestandteile
flüssige Bestandteile: Bodenwasser mit gelösten Nährstoffen und anderen Elementen
gasförmige Bestandteile: Bodenluft (Sauerstoff, Stickstoff, Kohlendioxid).

Systematik der Böden

Die Vielfalt der Böden wird in Abteilungen, Klassen, Bodentypen, Subtypen und Bodenformen systematisiert. Je nach Grundwasserstand werden folgende Abteilungen unterschieden:

  • Terrestrische Böden (Landböden)
  • Semiterrestrische Böden (halbhydromorphe Böden)
  • Hydromorphe Böden (Grundwasserböden)
  • Subhydrische Böden (Unterwasserböden)
  • Moore.
Das Prinzip der Systematik wird an der Abteilung der Landböden, speziell an der Klasse der Braunerden, kurz verdeutlicht (vgl. Tab. 2). Eine ausführliche Beschreibung der Bodensystematik enthält die Bodenkundliche Kartieranleitung (1982, 1994 und 2005).
 
Beispiel für das Prinzip der Systematik von Böden
Tab: 2: Beispiel für das Prinzip der Systematik von Böden
(nach Bodenkundliche Kartieranleitung 1982)

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Bodentypen – Horizontierung

Bodentypen werden als unter bestimmten Umweltbedingungen relativ häufig anzutreffende Stadien der Bodenentwicklung angesehen. Sie vereinigen Böden mit gleichem oder ähnlichem Profilaufbau (Horizontfolgen), was auf die in ihrer Gesamtwirkung gleichartigen Stoffumwandlungs- und Stoffverlagerungsprozesse zurückzuführen ist.

Die häufigsten Böden in Berlin sind die mineralischen Böden mit weniger als 30 Masse-Prozent organischer Substanz. Sie sind z.T. durch einen mehr oder weniger mächtigen organischen Horizont (H-, L- oder O-Horizont, mit mehr als 30 Masse-Prozent organische Substanz, vor allem in Wäldern) überlagert.

Die Bodentypen der Mineralböden untergliedern sich beginnend an der Geländeoberfläche in folgende Horizonte:

mineralischer Oberbodenhorizont – A-Horizont
mineralischer Unterbodenhorizont – B-Horizont
mineralischer Untergrundhorizont – C-Horizont

Der mineralische Oberbodenhorizont (A-Horizont) zeichnet sich durch Akkumulation von organischer Substanz und/oder Verarmung an mineralischer Substanz (Auswaschung von Ton, Huminstoffen, Eisen- und Aluminiumoxiden) aus. Stoffspezifische Anreicherungs- und Verlagerungsprozesse ermöglichen eine weitere Untergliederung des A-Horizontes. Diese Differenzierung in der Horizontbezeichnung wird mit den nachgestellten Kleinbuchstaben (z.B. Ah – h steht für eine Humusakkumulation, Al – l steht für Tonauswaschung) gekennzeichnet.

Der mineralische Unterbodenhorizont (B-Horizont) zeigt durch Akkumulation von eingewaschenen Stoffen aus dem Oberbodenhorizont sowie durch Verwitterungs- und Umwandlungsprozesse (Verbraunung, Tonbildung usw.) gegenüber dem Ausgangsgestein eine andere Farbe und einen veränderten Stoffbestand. Eine weitere Differenzierung des B-Horizontes erfolgt analog dem A-Horizont (z.B. Bv – v steht für Verbraunung, Bt – t steht für Toneinwaschung).

Der mineralische Untergrundhorizont (C-Horizont) wird durch das unter dem Boden liegende, relativ unveränderte Ausgangsgestein gebildet.

Böden, die durch mehrere Stoffverlagerungs- oder Umwandlungsprozesse charakterisiert werden, weisen in ihrem Bodenprofil demnach mehrere A- und/oder B-Horizonte auf.

Die Horizontabfolge ergibt das Horizontprofil, nach welchem die Differenzierung der Böden in Bodentypen erfolgt.

Ein weiterer, hinsichtlich der Ausbildung von Bodentypen bestimmender Faktor ist der Einfluss des Grundwasserstandes. Die zeitweilige oder ständige Beeinflussung des Bodens durch das Grundwasser bewirkt die Ausbildung von Gleymerkmalen (z.B. Rost-, Bleichflecke) in terrestrischen Bodentypen. Die Tiefenlage der Gleymerkmale findet Eingang in die Benennung des Bodentyps, z.B. der Braunerde:

< 40 cm – Braunerde-Gley
40 - 80 cm – Gley-Braunerde
80 - 130 cm – vergleyte Braunerde.

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