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Umweltatlas Berlin

03.03 Stickoxide - Emissionen und Immissionen (Ausgabe 1997)

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Gemessene Immissionen

Summe der Stickoxide - Jahresmittelwerte 1995

Wegen des Problems der Umwandlung der Stickoxide in der Atmosphäre zu Stickstoffdioxid ist zum Vergleich mit den Ergebnissen der Ausbreitungsrechnung neben der Stickstoffdioxidkonzentration in Karte 03.03.8 das Jahresmittel der Summe der Stickoxide dargestellt. In dieser Karte treten die Konzentrationsunterschiede von straßennaher und straßenferner Messung noch deutlicher hervor als beim Stickstoffdioxid (vgl. Karte 03.03.9), weil auch das Stickstoffmonoxid berücksichtigt ist, das von den Kraftfahrzeugen primär emittiert wird. Dessen Konzentration nimmt mit der Entfernung von den Straßen durch den doppelten Effekt von Ausbreitung und Umwandlung sehr schnell ab.

Die höchsten Werte wurden allesamt an Straßenmeßstationen gemessen, so an der Stadtautobahn im Bereich der Einfahrt Spandauer Damm in Charlottenburg, der Schildhornstraße in Steglitz und der Karl-Marx-Straße in Neukölln mit mehr als 200 µg/m³ sowie in der Frankfurter Allee mit 166 µg/m³.

Stickstoffdioxid - Jahresmittelwerte 1995

Generell läßt sich auch beim Stickstoffdioxid feststellen, daß die Höhe der gemessenen Immissionswerte abhängig ist von der Entfernung der Meßstationen zu Hauptverkehrsstraßen. An den innerstädtischen Meßstellen, die in mehr als 20 m Entfernung von Straßen angeordnet sind, zeigt die Karte 03.03.9 Werte von 28 bis 34 µg/m³. Das sind 35 bis 45 % des Immissionswertes IW1 der TA-Luft. Im Vergleich mit 1991 (vgl. SenStadtUm 1994b) bedeutet dies einen Rückgang der Belastung um etwa 15 %. Der geringste Wert wurde mit 28 µg/m³ in Wedding gemessen im Abstand von mehr als 200 m von Hauptverkehrsstraßen. Der höchste Wert wurde mit 34 µg/m³ an der Meßstelle in Mitte in der Nähe des Roten Rathauses registriert. Diese Meßstelle liegt in 25 m Abstand von der stark frequentierten Gruner Straße und damit im weiteren Einwirkungsbereich von Hauptverkehrsstraßen.

Im Flächenmittel kann für die Innenstadt ein Jahresmittelwert von 32 µg/m³ angegeben werden. Mit 15 bis 18 µg/m³ werden am Stadtrand nur etwa halb so hohe Werte gemessen wie in der Innenstadt. Die Waldstation Grunewald zeigte mit 19 µg/m³ nur einen geringen Einfluß der etwa 700 m entfernten AVUS.

Erheblich höhere Werte als die Rasterstationen weisen die Straßenmeßstationen in Charlottenburg, Steglitz, Neukölln und Friedrichshain mit Jahresmittelwerten von 53 bis 56 µg/m³ auf. Nur die Station an der Kreuzung der Frankfurter Allee mit der Warschauer Straße zeigt mit 46 µg/m³ einen etwas geringeren Wert. Die Charlottenburger Station liegt unmittelbar an der Stadtautobahn, Ausfahrt Spandauer Damm, in offenem Gelände. Die Luftproben werden etwa 5 m über dem Niveau der nach Süden gerichteten Fahrbahn in Höhe des nächstgelegenen Bürgersteigs gezogen. Die Stadtautobahn hat im Bereich der Meßstelle ein Verkehrsaufkommen von ca. 150 000 Kfz pro Tag. Die anderen Stationen liegen in Straßenschluchten mit Verkehrsaufkommen von 35 000 bis 60 000 Kfz pro Tag. Die Luftproben werden dort in 3,5 m Höhe zwischen der Fahrbahn und dem Bürgersteig gezogen.

Alle Stationen erreichen im Jahresmittel, trotz großer Unterschiede in Verkehrsaufkommen und Stickoxidemission, nahezu die gleichen Jahresmittelwerte an Stickstoffdioxid. Bei der Summe der Stickoxide (Karte 03.03.8) sind die Unterschiede zwar größer, entsprechen aber ebenfalls nicht dem unterschiedlich hohen Verkehrsaufkommen. Dies läßt sich damit erklären, daß die Station an der Stadtautobahn von der Luft frei angeströmt werden kann, während die anderen Stationen in unterschiedlich breiten Straßenschluchten liegen, in denen die Windgeschwindigkeit geringer ist und damit die Schadstoffverdünnung stark vermindert wird. Beim Stickstoffdioxid macht sich zusätzlich bemerkbar, daß dieser Stoff zum größten Teil erst in der Atmosphäre gebildet wird und deshalb in Emittentennähe nur einen geringen Bezug zur Emission hat.

Auf diese Weise erklärt sich auch die verhältnismäßig geringe Stickstoffdioxidkonzentration der Straßenmeßstation an der Kreuzung Frankfurter Allee/Warschauer Straße. Die genannten Straßen haben zwar ein Verkehrsaufkommen von 70 000 bzw. 22 000 Kfz pro Tag, die Probenahme erfolgt aber in 4 m Höhe auf einem Grünstreifen in 25 bzw. 15 m Abstand von den Straßen. Außerdem sind die angrenzenden Häuserfronten weit von den Fahrbahnen entfernt, so daß die Kreuzung immer gut durchlüftet ist. Analog zum Umweltatlas 1994 wurden auch im Jahr 1995 an den Straßenmeßstellen keine Überschreitungen des IW1 der TA-Luft festgestellt.

Der Leitwert der EG-Richtlinie von 50 µg/m³ für den 50 %-Wert der Stickstoffdioxidkonzentration wird nur an nicht unmittelbar vom Kraftfahrzeugverkehr beeinflußten Orten in Berlin eingehalten. An den Straßenmeßstellen wird er überschritten. Daraus ist zu schließen, daß an vielen Hauptverkehrsstraßen der Stadt - insbesondere in Straßenschluchten - Überschreitungen auftreten.

Gemessene Stickstoffdioxid-Immissionen - 98-Perzentil 1995

Die Karte (03.03.10) des gemessenen Immissionswertes I2 zeigt ein ähnliches Bild wie die Karte des I1-Wertes von Stickstoffdioxid (03.03.9). Es werden mit maximal 124 µg/m³ keine Überschreitungen des Immissionswertes IW2 der TA-Luft von 200 µg/m³ und des gleich hohen Grenzwertes der EG-Richtlinie für Stickstoffdioxid festgestellt. Auch der Leitwert der EG-Richtlinie von 135 µg/m³ wird eingehalten. Da dieser 98-Perzentil-Wert stark von Wettereinflüssen bestimmt wird, kann aus der Einhaltung im Jahr 1995 nicht auf eine generelle Unterschreitung geschlossen werden.

Die Konzentration von Stickstoffdioxid in Stadtrandgebieten liegt mit etwa 60 % der Innenstadtwerte etwas höher als es beim Jahresmittelwert der Fall war. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die den I2-Wert bestimmenden hohen Konzentrationen überwiegend bei Wetterlagen mit tiefliegenden Inversionen auftreten, bei denen sich die Schadstoffe nicht vertikal ausbreiten können und deshalb in verhältnismäßig hoher Konzentration bis zum Stadtrand getragen werden.

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