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Umweltatlas Berlin

03.01 Schwefeldioxid - Emissionen und Immissionen (Ausgabe 1997)

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Kartenbeschreibung

Emissionen und berechnete Immissionen

In den drei Karten 03.01.1, 03.01.2 und 03.01.3 sind die Emissionen der Hauptemittentengruppen Verkehr 1993 sowie Industrie und Hausbrand 1994 jeweils in 1 x 1 km-Rasterflächen dargestellt. Die Karten 03.01.4, 03.01.5 und 03.01.6 geben jeweils die berechneten Jahresmittelwerte von 1993 bzw. 1994 der genannten Hauptverursachergruppen für die Schwefeldioxidbelastung der Berliner Luft an.

Industrie 1994

Die Karte der Industrieemissionen (03.01.1) zeigt ein sehr uneinheitliches Bild. 1994 wurden von den genehmigungsbedürftigen Anlagen 10 900 t/a Schwefeldioxid emittiert. In der Karte treten deutlich die Standorte der Kraft-, Heizkraft- und Heizwerke hervor. Dabei erreicht das Heizkraftwerk Reuter in Ruhleben den Maximalwert mit 1 700 t/a. Das Heizkraftwerk Klingenberg, das 1989 noch 22 800 t emittierte, ist in der Karte nur noch mit 680 t/a ausgewiesen. Auch auf den anderen Rasterflächen sind die Emissionen zum Teil drastisch zurückgegangen.

Während im größten Teil des Stadtgebietes die Kraft- und Heizwerke als isolierte Maxima in Erscheinung treten, gibt es im Ost- und Südostteil der Stadt eine Konzentrierung von Industriestandorten, auf denen erhöhte Emissionen von 100 bis 500 t/a auftreten. So sind die Industrie- und Gewerbegebiete in Treptow und Lichtenberg sowie in Köpenick, Weißensee und Pankow in der Karte deutlich auszumachen.

Im Vergleich zu den Darstellungen aus den Jahren 1985 und 1994 sind die Emissionsmengen der Verursachergruppe Industrie deutlich gesunken (vgl. Karten 03.01.1 und 03.01.8, SenStadtUm 1985 und 1994).

Da die Industrieschornsteine nach den Vorschriften der TA-Luft um so höher sein müssen, je höher die Schadstoffemissionen sind, werden die Schadstoffe dieser Anlagen in großer Höhe emittiert und gleichmäßig über das ganze Stadtgebiet und das Umland verteilt. Deshalb werden in der näheren Umgebung der Anlagen erhöhte Konzentrationen in der Regel weder gemessen, wie Karte 03.01.8 zeigt, noch berechnet, wie die Karte 03.01.4 dokumentiert.

Die Karte der berechneten Immissionen der Verursachergruppe Industrie (03.01.4) zeigt dementsprechend ein ausgeglichenes Immissionsfeld. Zwei Maxima werden mit Werten bis 8 µg/m³; in Charlottenburg/Wedding sowie mit Werten bis 7 µg/m³; in Neukölln/Treptow berechnet.

Hausbrand 1994

Die Schwefeldioxidemissionen aus dem Hausbrand lagen 1994 bei 4 900 t. In der Karte 03.01.2 ist die zunehmende Emissionsdichte in Richtung Innenstadt gut erkennbar. Während in den Stadtrandgebieten Werte bis 5 t/km² und Jahr Schwefeldioxid angegeben sind, werden in Kreuzberg Werte bis 40 t/km² und Jahr und in den am dichtesten besiedelten Bezirken Prenzlauer Berg und Friedrichshain mit hoher Bebauungsdichte und noch größerem Anteil an Einzelofenbeheizung Emissionen von 66 t/km² und Jahr erreicht (vgl. Karten 08.01 und 08.02, SenStadtUmTech 1996b und 1996c).

Im Bereich des Hausbrands ist die Verringerung der Schwefeldioxidemissionen innerhalb der letzten zwanzig Jahre sehr deutlich zu erkennen, wenn man die oben genannten Zahlen mit denen der Angaben in den Umweltatlanten von 1985 und 1994 vergleicht, die die Emissionen der Jahre 1974 und 1983 für den Westteil Berlins und 1989 für die gesamte Stadt in getrennten Karten aufführen. Wurden 1974 auch im Westteil noch vereinzelt Emissionsmengen von mehr als 200 t/km² und Jahr erreicht, hatte sich der Ausstoß dort 1983 bereits auf maximal 75 t/km² und Jahr reduziert. 1989 wurden im Westteil noch maximal 50 t/km² und im Ostteil noch bis zu 200 t/km² und Jahr ermittelt.

Die Ergebnisse der Ausbreitungsrechnungen im Bereich Hausbrand (Karte 03.01.5) zeigen im wesentlichen die gleiche Struktur wie das Emissionsfeld. Das Maximum der Immissionen liegt mit 11 µg/m³ im am dichtesten besiedelten Gebiet (Prenzlauer Berg).

Auch auf dieser Karte ist der Unterschied zur entsprechenden Umweltatlas-Karte von 1985 sehr augenfällig. In dem für die berechneten Immissionen beim Hausbrand am stärksten belasteten Gebiet im nördlichen Schöneberg wurden 1974 Werte von mehr als 80 µg/m³ ermittelt, die sich 1983 auf knapp unter 50 µg/m³ reduziert hatten; 1995 fielen hier die Werte auf 6 µg/m³.

Verkehr 1993

Die Emissionen im Bereich Verkehr sind vergleichsweise gering. Wegen des erheblichen Rückgangs bei den anderen Verursachergruppen, der bei den Verkehrsemissionen nicht eingetreten ist, hat sich der relative Anteil aber vervierfacht. Er lag 1993 mit 1 400 t/a bei etwa 8 % der Gesamtemissionen von Schwefeldioxid. In der Karte 03.01.3 ist erkennbar, daß die Stadtautobahn im Westen Berlins eine Linie höherer Emissionen mit Mengen bis 10 t/km² und Jahr bildet. Diese Werte haben die gleiche Größenordnung wie die Emissionen des Hausbrands und der kleineren Industrieanlagen in diesem Gebiet.

In den Meßwerten der verkehrsnahen Meßstellen (Karte 03.01.8) treten die durch den Kraftfahrzeugverkehr verursachten Emissionen deutlicher hervor als in der Karte der berechneten Immissionen für den Verkehrsbereich (Karte 03.01.6), weil die Ausbreitungsrechnungen nicht punkt-, sondern flächenbezogen sind und Mittelwerte im 1 x 1 km-Raster wiedergeben, während bei den gemessenen Werten die Einzelwerte als solche in die Karte eingehen.

Die Schadstoffbelastung der Stadtluft wird nicht nur durch Emissionen im Stadtgebiet und im unmittelbaren Umland verursacht, sondern es gibt einen überregionalen Belastungspegel, der durch eine Vielzahl von Schadstoffquellen in Europa hervorgerufen wird. Nach der deutschen Vereinigung hat das Umweltbundesamt sein Meßnetz, mit dessen Hilfe dieser Hintergrundpegel bestimmt wird, auf die neuen Bundesländer ausgeweitet. In der Umgebung Berlins befinden sich die Stationen Kyritz, Neuglobsow und Angermünde nordwestlich bis nordöstlich der Stadt sowie Wiesenburg und Lindenberg südwestlich und südöstlich der Stadt. Für das Jahr 1994 stehen Jahresmittelwerte der Schwefeldioxidkonzentration zur Verfügung, die als Hintergrundwerte für Berlin herangezogen werden können (vgl. Umweltbundesamt 1996).

Die Werte liegen bei 7 bis 18 µg/m³, wobei die höheren Werte südlich und die geringeren nördlich von Berlin gemessen wurden. Sie decken sich mit dem Wert von 15 µg/m³, der in 300 m Höhe am Funkturm Frohnau ermittelt wurde. Aufgrund der Messungen wird für Berlin unter der Berücksichtigung der Höhenverteilung der Konzentration mit einem Wert von 12 µg/m³ gerechnet.

Summe der berechneten Immissionen 1993/94

Die Karte 03.01.7 gibt die Summe der berechneten Immissionen der drei Hauptverursachergruppen Industrie, Hausbrand und Verkehr wieder und zwar als Jahresmittelwerte des Jahres 1994 bzw. 1993. Sie zeigt ein flaches Maximum bis 18 µg/m³, das sich von Prenzlauer Berg über Friedrichshain bis zum Nordrand von Neukölln hinzieht. Zu den Stadträndern hin nehmen die Konzentrationen ab, wobei die Abnahme nach Westen stärker ausfällt als nach Osten. Diese Asymmetrie ist auf die vorherrschenden Westwinde zurückzuführen, die die Emissionen des Stadtgebietes häufiger nach Osten transportieren.

Die Ursachen der Schwefeldioxidbelastung gelten als ausreichend genau bestimmt, wenn die Summe der für die Verursachergruppen berechneten Konzentrationen und der überregionalen Hintergrundbelastung mit den erzielten Meßergebnissen übereinstimmt.

Unter Berücksichtigung der überregionalen Hintergrundbelastung von ca. 12 µg/m³ und eines weiteren leichten Rückgangs bis 1995 zeigt die Karte der Summe der berechneten Immissionen (03.01.7) nur geringfügig höhere Werte als die Messung an den vergleichbaren Standorten des Luftgüte-Meßnetzes. Die Unterschiede der Maxima liegen im Unsicherheitsbereich der Messung und Rechnung.

Wie der in Abbildung 2 dargestellte Trend zeigt, hat sich die Belastung in dem Zeitraum von 1989 bis 1995 im Mittel über das Stadtgebiet um etwa 60 % vermindert. Im Bereich des innerstädtischen Maximums wurde 1994 mit 21 µg/m³ nur noch etwa ein Drittel der Werte von 1989 gemessen.

ta30103
Tab. 3: Anteile der Verursachergruppen an der Schwefeldioxidimmission in der Innenstadt Berlins

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Gemessene Immissionen 1995

Die Karte für die Jahresmittelwerte (03.01.8) zeigt im gesamten Stadtgebiet nur noch geringe Konzentrationsunterschiede bei insgesamt sehr geringen Werten. Die höchsten Belastungen wurden mit 25 bis 34 µg/m³ an den straßennahen Meßstellen registriert, an denen sich der Schwefelgehalt im Dieselkraftstoff bemerkbar macht. Im nicht unmittelbar vom Kraftfahrzeugverkehr betroffenen Wohngebiet lag die Konzentration im Stadtrandbereich bei 11 bis 15 µg/m³ und in der Innenstadt bei etwa 20 µg/m³. Wenn man diese Werte mit denen aus dem Zeitraum 1976 bis 1980 vergleicht, wo noch bis zu 150 µg/m³ gemessen wurden (vgl. SenStadtUm 1985), bedeutet dies, daß eine erhebliche Dauerbelastung der Berliner Luft mit Schwefeldioxid aus Feuerungsanlagen nicht mehr festgestellt werden kann.

In der Karte für die 98 %-Werte (03.01.9) ist noch etwas deutlicher als in der Karte für die Jahresmittelwerte eine rauchfahnenähnliche Struktur zu erkennen, die sich über die Innenstadt hinweg von Südosten nach Nordwesten erstreckt. Das Maximum liegt nicht mehr, wie noch 1991 (vgl. SenStadtUm 1994a), über der östlichen Stadthälfte, sondern ist wie in der Karte der Jahresmittelwerte nach Westen verschoben. Der höchste Wert liegt nur noch bei 92 µg/m³, nach 600 µg/m³ im Zeitraum 1976 bis 1980 und ca. 300 µg/m³ 1991. Es ist bemerkenswert, daß am Stadtrand auf dem Funkturm Frohnau in 300 m Höhe mit 103 µg/m³ der zweithöchste 98 %-Wert und mit 14 µg/m³ auch ein verhältnismäßig hoher Jahresmittelwert gemessen wurden. Dies ist darauf zurückzuführen, daß sich in dieser Höhe immer noch Rauchfahnen von Großemittenten stärker bemerkbar machen, die am Boden zwar auch zur Ausbildung der rauchfahnenähnlichen Struktur der Verteilung der 98 %-Werte beitragen, die Schadstoffbelastung insgesamt aber nur noch wenig erhöhen.

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