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Umweltatlas Berlin

01.11 Kriterien zur Bewertung der Bodenfunktionen (Ausgabe 2006)

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01.11.3 Naturnähe

Beschreibung

Im Berliner Stadtgebiet sind Böden in großem Ausmaß durch menschliche Eingriffe stark verändert. Mit dem Kriterium Naturnähe wird das Ausmaß der Veränderungen gegenüber dem natürlichen Ausgangszustand beschrieben. Als Veränderungen werden in diesem Zusammenhang insbesondere Vermischungen der natürlichen Horizontierung der Böden, der Abtrag von Bodenmaterial oder die Überlagerung mit Fremdmaterialien verstanden. Stoffeinträge und Grundwasserabsenkungen bleiben hier unberücksichtigt. Mit Hilfe der Bodengesellschaftskarte und Angaben über die Flächennutzung kann eine Übersicht über das Ausmaß der anthropogenen Veränderungen und damit der Naturnähe von Böden und Bodengesellschaften in Berlin gegeben werden.
Diesem Kriterium kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, als davon auszugehen ist, dass sich natürliche Bodencharakteristika und die Vielfalt von Bodeneigenschaften vor allem an wenig veränderten Standorten erhalten haben, während der Einfluss des Menschen zu einer Homogenisierung von Bodentypen und deren Eigenschaften geführt hat. Bereits bei der Bildung der Legendeneinheiten der Bodengesellschaftskarte wird daher grob zwischen naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften unterschieden.

Methode

Zur Ermittlung der Naturnähe wurden von Blume, Sukopp (1976) Hemerobiestufen für Böden in Anlehnung an den Hemerobiebegriff aus der Vegetatationskunde eingeführt. Danach wurden verschiedene Landnutzungsformen nach dem Grad des Kultureinflusses auf Ökosysteme in sogenannte Hemerobiestufen eingegliedert. Diese System nutzte Grenzius 1987 zur Beschreibung des anthropogenen Einflusses auf Böden und Bodengesellschaften in der Karte der Bodengesellschaften von Berlin (West) 1985.
Grenzius untergliederte die Hemerobiestufen in Abhängigkeit von Flächennutzungen weiter (vgl. Tab.1). Ausgangspunkt war, dass insbesondere die spezifischen Nutzungen der Flächen durch den Menschen Art und Umfang der Veränderung und Zerstörung des natürlichen Bodens verursachen.
In der Tabelle 1 ist die Einstufung der Flächen in Abhängigkeit von ihrer Nutzung durch die verschiedenen Autoren dargestellt.

Tabelle 1: Bewertung der Naturnähe basierend auf Hemerobiestufen
  Ausmaß der Bodenveränderung Beispielhafte Flächennutzungen Kriterien Naturnähe
  nicht verändert in Berlin nicht vorkommend    
  sehr wenig verändert in Berlin nicht vorkommend    
1 wenig verändert Wald natürlich gewachsene Böden mit nur geringen anthropogenen Einflüssen hoch
2 wenig bis mäßig verändert Park im Außenbereich (z.B. Landschaftspark) im Oberboden geringfügig anthropogen beeinflusste Böden mittel
3 mäßig verändert Grünland im Oberboden anthropogen beeinflusste Böden mittel
4 mäßig verändert Acker im Oberboden anthropogen beeinflusste Böden mittel
5 mäßig verändert Park, Grünfläche; Friedhof; Kleingarten; Baumschule; Wochenendhausgebiet; Campingplatz; Wohngebiet mit einem Versiegelungsgrad < 30 % im Oberboden und teilweise im Unterboden anthropogen beeinflusste Böden z.T. mit Aufschüttungsböden mittel
6 stark verändert (ehem.) Rieselfeld im Oberboden (stark), im Unterboden mäßig anthropogen gering
7 sehr stark verändert Park im Innenbereich (vorwiegend auf Aufschüttung); Kleingarten auf Abgrabung oder Aufschüttung); Brachfläche; Truppenübungsplatz; Tagebau; Bahnfläche; Deponien stark im gesamten Bodenaufbau veränderte Böden, überwiegend Aufschüttungsböden gering
8 extrem stark verändert Sportplatz, Freibad; Siedlungsgebiet *) mit einem Versiegelungsgrad zwischen 30 und 60 % stark im gesamten Bodenaufbau veränderte Böden, überwiegend Aufschüttungsböden sehr gering
9 extrem stark verändert Stadtplatz; Gleisanlage; Siedlungsgebiet *) mit einem Versiegelungsgrad > 60 % sehr stark im gesamten Bodenaufbau veränderte Böden, überwiegend Aufschüttungsböden sehr gering
10 extrem stark verändert Siedlungsgebiet *) mit einem Versiegelungsgrad > 90 % durch Auf- und Abtrag, Verdichtung etc. völlig überformte Böden sehr gering
*) Siedlungsgebiet umfasst die Nutzungen Wohngebiet, Mischgebiet, Gewerbe- und Industrie, Gemeinbedarf, Ver- und Entsorgung und Verkehrsfläche
Anmerkung : Die Kategorien 1-5 befinden sich im allgemeinen auf naturnahen Bodengesellschaften, die der Kategorien 6-10 auf anthropogenen (vgl. Umwelttals Karte 01.01 Bodengesellschaften.)

Tabelle 1: Bewertung der Naturnähe basierend auf Hemerobiestufen von Blume und Sukopp (1976) bzw. Blume (1990); Grenzius (1987); Stasch, Stahr, Sydow (1991)

Da in Berlin völlig unveränderte Böden nicht mehr existieren, blieben die Kategorien der unveränderten oder sehr wenig veränderten Böden unberücksichtigt. Entsprechend wurden für die Bewertung der Berliner Böden die Kategorien unter Berücksichtigung der Einstufungskriterien von Blume, Grenzius und Stasch, Stahr, Sydow neu festgelegt.

Für die Bestimmung der Naturnähe der Böden wurden Daten zu Bodengesellschaften, Nutzung, Nutzungstyp und zum Versiegelungsgrad verwendet. Aus diesen Werten wurden in einem ersten Aggregationsschritt eine automatisierte Einstufung vorgenommen, indem bestimmten Kombinationen aus Bodengesellschaften, Nutzungen und Versiegelungsgraden ggf. unter Verwendung des Nutzungstyps die entsprechenden Bewertungen hinsichtlich der Naturnähe (Stufen 1 - 10 nach Grenzius entsprechend Tab. 1) zugeordnet wurde.

Für ausgewählte Flächennutzungen wie z.B. Grün- und Parkanlagen, Brachflächen usw. war eine individuelle Bewertung der Naturnähe erforderlich. Böden von Park- und Grünanlagen und von Brachflächen können in sehr unterschiedlichem Umfang verändert worden sein. Während Böden in der Innenstadt in der Regel stark verändert bzw. auf anthropogen geschüttetem Material völlig neu entstanden sind, finden sich im Außenbereich bei gleicher Nutzung vielfach naturnahe Böden mit z.T. sehr geringen Veränderungen. Die Naturnähe dieser Flächen wurde daher individuell unter Zuhilfenahme topographischer Karten, Schutzgebietskarten und Gutachten ermittelt.

Für die Darstellung in der vorliegenden Karte erfolgte eine Bewertung und Zusammenfassung in vier Stufen nach von sehr gering bis hoch (vgl. Tab. 2 nach Lahmeyer 2000).

Tabelle 2: Bewertung der Naturnähe aus ihren Stufen
Stufe nach Tab. 1 Naturnähe der Böden
Bewertung Bezeichnung
1 4 hoch
2 - 5 3 mittel
6 - 7 2 gering
8 - 10 1 sehr gering
Tabelle 2: Bewertung der Naturnähe aus ihren Stufen (Lahmeyer 2000)

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