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Umweltatlas Berlin

01.01 Bodengesellschaften (Ausgabe 2005)

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Anthropogene Bodengesellschaften

BG 41 [2420] Nekrosol + Gleybraunerdehortisol + Gley
(Friedhof auf Talsandfläche aus Mittel- und Feinsand)
Bei dieser Bodengesellschaft wurden die Böden der Talsandflächen, die durch die Nutzung als Friedhof teilweise einer anthropogenen Beeinflussung unterlagen, zusammengefasst. Dabei werden als Nekrosole die durch tiefgründiges Graben beim Anlegen der Gräber entstandenen Böden bezeichnet. Auf den ungenutzten Flächen des Friedhofes auf Talsand sind dagegen noch reliktische Gleybraunerden und Gleye zu finden. Infolge einer langjährigen Humuszufuhr entwickelten sich Humusregosole, Hortisolgleybraunerden und Hortisole.

Nekrosol + Gleybraunerdehortisol + Gley
Abb. 7: Nekrosol + Gleybraunerdehortisol + Gley
(Böden der Friedhöfe auf Talsandfläche aus Fein- und Mittelsanden)

Bei anderen Nutzungen sind die Böden so stark anthropogen verändert, dass ehemals natürliche Böden weitgehend zerstört bzw. durch Fremdmaterialien überschüttet wurden.

BG 49 [2470] Syrosem + Kalkregosol + Pararendzina
(Gleisanlage auf Aufschüttungs- und Abtragungsfläche)
Zu dieser Bodengesellschaft sind die Böden, die einer Nutzung als Bahnanlagen und Bahnhof unterliegen, zusammengefasst. Die Gleiskörper bestehen aus groben Schottern unterschiedlichen Materials; Bahndämme aus Sand, auch Trümmer- und Industrieschutt wurden aufgeschüttet. Je nach Bodensubstrat kam es zur Ausbildung vor allem von Syrosemen, Lockersyrosemen, Pararendzinen und Kalkregosolen.

Syrosem + Kalkregosol + Pararendzina
Abb. 8: Syrosem + Kalkregosol + Pararendzina
(Böden der Gleisanlagen auf Aufschüttungs- bzw. Abtragungsflächen, Potsdamer Güterbahnhof)

BG 51 [2490] Lockersyrosem + Humusregosol + Pararendzina
(dichte Innenstadtbebauung, im Krieg nicht zerstört, auf Aufschüttung)
Diese Bodengesellschaft charakterisiert Böden innerhalb Flächen geschlossener Bebauung der Innenstadt, die vor dem 2. Weltkrieg erbaut und nicht bzw. kaum zerstört wurden sowie stark versiegelt sind. Die in den Hinterhöfen auftretenden Böden, die einer Gartennutzung unterlagen bzw. noch unterliegen, sind durch humose Oberböden gekennzeichnet und konnten sich zu Humusregosolen, Hortisolen und Humuspararendzinen entwickeln. Auf den anderen Flächen der Hinterhöfe, die geringfügig auch mit Trümmerschutt bedeckt sein können, bildeten sich Lockersyroseme und Regosole.

Lockersyrosem + Humusregosol + Pararendzina
Abb. 9: Lockersyrosem + Humusregosol + Pararendzina
(Böden der dichten Innenstadtbebauung, im Krieg nicht zerstört, auf Aufschüttungen)

BG 52 [2500] Lockersyrosem + Regosol + Pararendzina
(Innenstadt auf Aufschüttung)
Diese Bodengesellschaft beschreibt die Böden ehemals dicht bebauter Innenstadtbereiche, die während des 2. Weltkrieges zum Teil vollständig zerstört wurden. Der Trümmerschutt verblieb größtenteils an Ort und Stelle. Auf vielen nicht durch Gebäude beanspruchten Flächen sind die Bodenschichten von wenigen Dezimetern bis zu zwei Metern mit Trümmerschutt durchsetzt bzw. bestehen aus diesem (vgl. Grenzius 1987). Wie aus Abbildung 10 ersichtlich ist, entwickelten sich auf diesen Flächen Syroseme und Pararendzinen, auf Flächen ohne Trümmerschutt Syroseme und Regosole.

Lockersyrosem + Regosol + Pararendzina
Abb. 10: Lockersyrosem + Regosol + Pararendzina
(Böden der Innenstadt auf Aufschüttungen)

Die Konzeptkarte der Bodengesellschaften, erarbeitet aus vorhandenen Daten unterschiedlicher Art, gibt einen Überblick über die je nach Ausgangssubstrat, Geomorphologie bzw. Landschaftsausschnitt, Grundwasserstand und Nutzung zu erwartenden Vergesellschaftungen von naturnahen und/oder anthropogenen Böden. Aus den Bodengesellschaften lassen sich die Hauptbodentypen und weitere Standorteigenschaften ableiten (Durchlüftung, Durchwurzelbarkeit, Feldkapazität und nutzbares Feldkapazität, Nährstoffspeichervermögen, potentielle und effektive Kationenaustauschkapazität als Maß für das Nährstoffspeichervermögen) (vgl. Grenzius 1987).

Unter Zuhilfenahme zusätzlicher Informationen (z.B. topographische Karten, aktueller Grundwasserstand) und der Bodengesellschaft ist es möglich, ohne Kartierung den jeweiligen Bodentyp im Gelände und dessen ökologische Eigenschaften mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu bestimmen. Aussagen zu vergleyten oder reliktisch vergleyten Böden und damit zu feuchten oder trockenen Standorten können nur unter Berücksichtigung der aktuellen Grundwasserstände gemacht werden.

Da die Böden als wesentliches Landschaftselement eines Gebietes die Standortvielfalt von Flora und Fauna mitbestimmen, werden besonders seltene und unveränderte bzw. wenig veränderte Böden bei der Ausweisung von Schutzgebieten berücksichtigt.

Neben der Ableitung von Standorteigenschaften ist die Bodengesellschaftskarte auch geeignet, Auswertungen hinsichtlich Bodenschutz und Bodenfunktionen vorzunehmen. In den Karten 01.06 des Umweltatlas sind Bodenkundliche Kennwerte, in den Karten 01.12 eine Bewertung der Bodenfunktionen und in den Karten 01.11 Kriterien für die Ableitung dieser Funktionen dokumentiert.

Verzeichnis der in den Abbildungen 2 bis 10 verwendeten Abkürzungen für die Bodentypen
Tab. 7: Verzeichnis der in den Abbildungen 2 bis 10 verwendeten Abkürzungen für die Bodentypen

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

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