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Umweltatlas Berlin

01.01 Bodengesellschaften (Ausgabe 2005)

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Bodengesellschaften / Sammelgesellschaften / Konzept-Bodengesellschaften

Die von Grenzius für West-Berlin definierten naturnahen und anthropogenen Bodengesellschaften waren mit Hilfe der vorhandenen Datengrundlagen und Analogieschlüsse auf vergleichbare Gebiete (Geomorphologie, Nutzung, Wasserverhältnisse usw.) Ost-Berlins zu übertragen. Probleme ergaben sich für Gebiete, für die aus dem vorhandenen Datenmaterial eine eindeutige Zuordnung der Bodengesellschaften über Analogieschlüsse nicht möglich war bzw. wo bisher im Stadtgebiet von West-Berlin unberücksichtigte oder nicht vorkommende Kombinationen von Nutzungen und Geomorphologie auftraten (z.B. ehemalige Rieselfelder, Beckenbildungen in Hochflächen, kartierte Podsole der Endmoräne). Neben den in der Bodengesellschaftskarte von Berlin (West) verwendeten Bodengesellschaften wurden bei Vorhandensein entsprechender Kartierungen neue Bodengesellschaften und bei unzureichenden Vorinformationen Konzept-Bodengesellschaften sowie Sammelgesellschaften entwickelt. Somit haben die in der Karte verwendeten Bodengesellschaften drei unterschiedliche Differenzierungsniveaus und Bezeichnungen:

  1. Bodengesellschaften (BG) – Vergesellschaftungen von Böden in Abhängigkeit von Geomorphologie und Nutzung, die durch Untersuchungen im Gelände in Form von Detailkartierungen, Leitprofilen und Landschaftsschnitten tatsächlich nachgewiesen wurden.
  2. Sammelgesellschaften (SG) – Zusammenfassung von Bodengesellschaften, da in Ost-Berlin aufgrund des mangelnden Datenmaterials die einzelnen Bodengesellschaften der entsprechenden Sammelgesellschaft nicht differenziert zugewiesen werden können.
  3. Konzept-Bodengesellschaften – bisher in West-Berlin nicht ausgewiesene bzw. nicht vorkommende Kombination von Nutzung und Geomorphologie (z.B. eingeebnete bebaute Rieselfelder), für die eine Bestätigung durch Bodenuntersuchungen noch aussteht.
Schematischer Ablauf der Zuweisung der Bodengesellschaften
Abb. 1: Schematischer Ablauf der Zuweisung der Bodengesellschaften

Zuweisung der Bodengesellschaften

Die Zuweisung der Bodengesellschaften erfolgte in mehreren Bearbeitungsschritten:

  1. Aus der Datei der Flächennutzungen konnte die jeweilige reale Nutzung der betrachteten Fläche ermittelt werden. Für jede Art der Flächennutzung – im folgenden als Nutzungskategorie bezeichnet – bestand ein spezieller Zielbaum zur Zuweisung der Bodengesellschaften (vgl. Abb. 1).
  2. Über die Nutzung und den Versiegelungsgrad als Kriterien für das Ausmaß der anthropogenen Bodenveränderungen sowie das vorhandene Datenmaterial (geologische Karten, Altlastenkataster, topographische Karten unterschiedlichen Alters, Gebäudeschadenskarten usw.) konnte entschieden werden, ob auf den Flächen weitgehend natürlich gewachsene Böden oder stark anthropogen veränderte Böden auftreten (vgl. Tab. 5).
  3. Flächen mit wenig veränderten Böden (ohne Aufschüttungen und Abträge und Versiegelungsgrad < 30 % – bei großflächiger Neubebauung < 25 %) wurden die Bodengesellschaften der naturnahen Böden entsprechend dem Zielbaum in Tabelle 6 zugewiesen.
  4. Flächen mit Versiegelungsgraden > 30 % (bei großflächiger Neubebauung > 25 %) erhielten die Bodengesellschaften der anthropogen stark veränderten Böden in Abhängigkeit von der Art der Nutzung und dem Bebauungstyp (vgl. Tab. 5).
Zuweisungsrichtlinien für Bodengesellschaften in Abhängigkeit von Nutzungskategorie und Versiegelungsgrad
Tab. 5: Zuweisungsrichtlinien für Bodengesellschaften in Abhängigkeit von Nutzungskategorie und Versiegelungsgrad

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Die in den Abbildungen und Tabellen gezeigten Zuweisungsregeln sind als allgemeine Regeln anzusehen. Da die aktuelle Nutzung sowie der Versiegelungsgrad der Flächen häufig keine ausreichenden Informationen zur Zuweisung der Bodengesellschaften ergaben, mussten zahlreiche Einzelfallentscheidungen getroffen werden. Im besiedelten Bereich waren für die Vergabe der Bodengesellschaften neben dem Bebauungstyp auch historische Flächennutzungen von Bedeutung. Wohnsiedlungen auf ehemaligen Industriestandorten wurden als Industriegelände gewertet, z.B. die Wohnanlage Thälmannpark. Ebenso musste zur Beurteilung von Deponiestandorten, Militärstandorten, Rieselfeldern und sonstigen Aufschüttungen weiteres Informationsmaterial (Karten, Altlastenkataster, Luftbilder, Gutachten usw.) hinzugezogen werden.

Konnten stärkere anthropogene Bodenveränderungen ausgeschlossen werden, erfolgte die Bestimmung der naturnahen Bodengesellschaften nach dem in Tabelle 6 dargestellten Verfahren.

Tabelle 6 - Zuweisung der Bodengesellschaften natürlicher Lithogenese, öffnet in neuem Fenster.
[Ca. 19 KB groß.]
 
Tab. 6: Zuweisung der Bodengesellschaften natürlicher Lithogenese
(nach Aey 1991)

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Für nahezu alle Bodengesellschaften existieren typische Landschaftsschnitte mit charakteristischen Bodentypen und Leitprofilen sowie deren wichtigsten ökologischen Eigenschaften.

Für die Darstellung in der Karte wurden Bodengesellschaften, Konzept-Bodengesellschaften und Sammelgesellschaften zu Gruppen mit einheitlicher Farbgebung zusammengefasst. Bei der Gruppenbildung der naturnahen Bodengesellschaften war die geomorphe Einheit und für die anthropogenen Bodengesellschaften die Nutzung maßgebend.

Fortschreibung der Karte im Jahre 2003

Aufgrund der veränderten Geometrie der Kartengrundlage (Flächenaufteilungen und -zusammenlegungen) und der aktualisierten Flächennutzung und Versiegelung musste die Karte nach einem Jahrzehnt im Jahre 2003 überarbeitet und fortgeschrieben werden.

Für alle neuen Flächen wurde die Bodengesellschaft der bestehenden Karte dann übernommen, wenn eine eindeutige geometrische Zuordnung möglich war, keine entscheidende Nutzungsänderung stattgefunden hatte und der Versiegelungsgrad im Definitionsbereich der alten Bodengesellschaft lag. Bei einer Nutzungsänderung von einer baulich geprägte zu einer Freiflächennutzung wurde die alte Bodengesellschaft ebenfalls beibehalten.

Beim Auftreten einer Nutzungsänderung von einer Freiflächennutzung zu einer baulich geprägten wurde bei entsprechender Versiegelung eine "anthropogene" Bodengesellschaft zugeordnet – ebenso bei einer schwellenüberschreitenden Erhöhung der Versiegelung.

Bei allen anderen neuen Flächen ist gutachterlich eine Bodengesellschaft bestimmt worden.

Eine wesentliche Ergänzung gegenüber der Bodengesellschaftskarte aus dem Jahre 1998 ist die zwischenzeitlich erfolgte zusätzliche Differenzierung der Bodengesellschaft BG 50 (Regosol + Pararendzina + Hortisol) und BG 50 a (Pararendzina + Lockersyrosem + Regosol) nach den unterschiedlichen Ausgangsgesteinen Geschiebesand, Flugsand, Talsand und Geschiebelehm. Die Zuordnung erfolgte auf der Grundlage der Geologischen Übersichtskarte von Berlin und Umgebung im Maßstab 1 : 100 000 (GÜK 100) Dadurch erhöhte sich die Zahl der Legendeneinheiten auf 76. Außerdem wurde zusätzlich in der Legende eine vierstellige Nummer der Bodengesellschaft eingeführt. Unter dieser Nummer werden die Bodengesellschaft und ihre Eigenschaften in der Bodendatenbank geführt. Die im Maßstab 1 : 50 000 vorliegende Karte ist eine Übersichtskarte für die Ableitung von Zielen und Maßnahmen im Rahmen der Landesplanung. Detaillierte Aussagen zu einzelnen Grundstücken sind nicht möglich. Für derartige Aussagen sind projektbezogene Detailkartierungen notwendig.

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