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Umweltatlas Berlin

05.07 Grundwasserabhängige Ökosysteme (Ausgabe 2004)

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Die Berliner Situation

Seit über 100 Jahren fördern die Wasserwerke in Berlin Grundwasser aus den Grundwasserkörpern des Stadtgebiets für die Trinkwassergewinnung. Zusätzlich finden Grundwasserentnahmen durch Eigenwasserversorgungsanlagen, Bauwasserhaltungen und Grundwassersanierungen statt.

Hohe Grundwasserentnahmen bewirkten in den sechziger und siebziger Jahren stadtweit sinkende Grundwasserstände. Seit Anfang der 90er Jahre steigt der Grundwasserspiegel in der Gesamtstadt wieder an. Die Hauptursache sind niedrigere Fördermengen infolge des verringerten Wasserverbrauchs von Industrie, Gewerbe und Haushalten. Die Rohwasserförderung aller Berliner Wasserwerke sank von 378 Millionen Kubikmeter im Jahr 1989 auf 226 Millionen 2003.

Abbildung 2
Abb. 2: Rohwasserförderung der Berliner Wasserbetriebe 1989 - 2003

Excel
[Die Datengrundlage der Abbildung liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Differenzierter stellt sich die Situation im direkten Wirkbereich der Brunnen dar. Fünf kleinere Berliner Wasserwerke stellten ihre Produktion in den Jahren von 1991 bis 1997 dauerhaft ein. Die leistungsstärksten Wasserwerke, die gleichzeitig qualitativ das beste Grundwasser fördern, liegen aber in den Gebieten, die auch durch empfindliche und wertvolle Ökosysteme gekennzeichnet sind. Hier treten nach wie vor Belastungen auf.

Die Brunnen liegen vorrangig in Wald- und Feuchtgebieten des Urstromtals von Spree und Havel, das von Natur aus durch sehr hohe Grundwasserstände geprägt ist.

Durch die großflächigen Grundwasserabsenkungen sind nahezu alle Berliner Feuchtgebiete mehr oder minder stark beeinträchtigt. Im 1994 vom Abgeordnetenhauses von Berlin beschlossenen Landschafts-/Artenschutzprogramm wurde deshalb die "Erarbeitung von speziellen Schutz- und Entwicklungsanforderungen zum Erhalt der ökologischen Funktionsfähigkeit der grundwasserabhängigen Biotope und Vegetationsbestände" festgelegt.

Im Einflussbereich der Brunnen liegen auch grundwasserbeeinflusste Natura 2000 Gebiete (nach der Flora-Fauna-Habitat und Vogelschutz-Richtlinie der EU geschützte Gebiete) mit fast 3000 ha Fläche. Diese bereits als Natur- und Landschaftsschutzgebiete (Karte 05.06) gesicherten Flächen enthalten unter anderem Übergangs- und Schwingrasenmoore, Pfeifengraswiesen, Hochstaudenfluren, Eichen-Hainbuchen-Wälder und Erlen-Eschen-Wälder.

Abbildung 3
Abb. 3: Berliner FFH- Gebiete

Im Einzugsbereich der Brunnen der Wasserwerke haben sich dauerhafte, weitgespannte und tiefe Absenkungstrichter ausgebildet. Dort sind zudem, analog zu den innerhalb des Jahres schwankenden Fördermengen der meisten Wasserwerke, zum Teil erhebliche Schwankungen des Grundwasserspiegels zu beobachten.

Grundwasserabsenkungen stellten als Folge der Trinkwassergewinnung in der Vergangenheit ein gravierendes Problem dar. Früher artenreiche Feuchtwiesen zeigten deutliche Versteppungs- und Übernutzungserscheinungen. Moore, wie das Teufelsbruch und der Große Rohrpfuhl, trockneten aus; die Moorvegetation wurde durch Verbuschung zurückgedrängt. Grundwasserabhängige Waldbestände wiesen z.T. erhebliche Dürreschäden auf. Besonders betroffen waren auch die seltenen und sehr gefährdeten Bruch- und Auwälder.

Im Südosten Berlins sind 90 % der Feuchtgebiete um den Müggelsee in ihrem Bestand bedroht (Krumme Laake Müggelheim, Teufelsseemoor, Neue Wiesen/Kuhgraben, Mostpfuhl, Thyrn, Unterlauf Fredersdorfer Fließ).

Großflächige Absenkungen ergaben sich ebenso im Bereich des Spandauer Forstes, bedingt durch die seit den 70er Jahren erheblich angestiegene Grundwasserförderung des Wasserwerkes Spandau. Mit Hilfe einer 1983 in Betrieb genommenen Grundwasseranreicherungsanlage wird hier der Beeinträchtigung wertvoller Feuchtbiotope durch die Versickerung von aufbereitetem Havelwasser gegengesteuert.

Abbildung 4
Abb. 4: Förderung des Horizontalbrunnens im Spandauer Forst und Auswirkung auf den Grundwasserstand an der Messstelle 1502

Excel
[Die Datengrundlage der Abbildung liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

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