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Umweltatlas Berlin

05.05 Bilanzierung des Brutvogelbestandes

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Problemstellung

Brutvögel eignen sich aus vielerlei Gründen als Indikatoren zur Bewertung von Lebensräumen. Sie kommen in fast allen Landschaftstypen vor und besiedeln diese schnell, weisen keine extremen Bestandsschwankungen auf und haben am Ende der Nahrungskette stehend einen komplexen Anspruch an ihren jeweiligen Lebensraum.

Sie sind im allgemeinen gut untersucht, da es viele avifaunistisch (vogelkundlich) interessierte Personen und Gruppen gibt; zudem sind Brutvögel relativ leicht zu beobachten.

Indikatoren reagieren in sichtbarer Weise auf Umweltbelastungen und repräsentieren dabei andere Gruppen von Organismen oder ganze Biozönosen. Brutvögel als Indikatoren können Defizite und Qualitäten von Lebensräumen, wie Naturnähe, Strukturvielfalt, Störungsintensität oder Beziehungen zu anderen Lebensräumen, anzeigen (vgl. Matthäus 1992) und bilden so eine Grundlage für Naturschutzplanungen. Dies gilt besonders für Leitarten, die auf den jeweiligen Lebensraum spezialisiert sind. Nach Untersuchungen von Flade (1991, 1994) erreichen Leitarten in einem oder wenigen Lebensraumtypen signifikant höhere Stetigkeiten (Frequenzen oder Antreffwahrscheinlichkeiten in den üblicherweise mindestens 10 ha großen Untersuchungsflächen) und meist auch wesentlich höhere Siedlungsdichten (Brutpaare pro 10 ha Untersuchungsfläche) als in allen anderen Lebensraumtypen. Leitarten finden in den von ihnen präferierten Landschaftstypen die benötigten Habitatstrukturen wesentlich häufiger und vor allem regelmäßiger vor als in allen anderen Landschaftstypen. Ubiquitäre Arten (Allerweltsarten) sind dagegen aufgrund ihres geringen Spezialisierungsgrades nur wenig aussagekräftig. Das Wintergoldhähnchen als Beispiel einer Leitart weist nur in vier von Fichten geprägten Lebensraumtypen hohe Stetigkeiten und Siedlungsdichten auf (vgl. Abb. 1). Für den Fitis als Beispiel einer ubiquitären Art dagegen können signifikant bevorzugte Lebensraumtypen nicht festgestellt werden (vgl. Abb. 2).

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Abb. 1: Ökologisches Profil einer Leitart (Wintergoldhähnchen, Regulus regulus) (nach Flade 1991)

Excel
[Die Datengrundlage der Abbildung liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

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1 Fichtendickicht 2 Weidenwälder 3 Birkenbrüche 4 Kieferndickicht 5 Pappelkulturen
6 Laubholz-Kiefern-
Forste
7 Friedhöfe 8 Erlenbrüche 9 Kiefern-
stangenhain
10 Auen
11 Fichten-Kiefern-
Wälder
12 Ruderalflächen 13 Laubniederwälder 14 Fichten
stangenhain
15 Degradiertes Regenmoor
16 Parks 17 Hartholzauen 18 Eichen-Hainbuchen-
Wälder
19 Trockenrasen 20 Spülfelder
21 Kiesgruben 22 halboffene Felder 23 Feldgehölze 24 Naßbrachen 25 Rieselfelder
26 Gartenstädte 27 Kleingärten 28 Kiefernforste 29 Tiefland-Buchen-
Wälder
30 Heiden
31 Kahlschläge 32 offene Regenmoore 33 Kippen 34 Berg-Buchen-
Wälder
35 Dörfer
36 Obstwiese 37 Röhrichte 38 Neubau-
Wohnblockzonen
39 Berg-Fichten-
Wälder
40 Industrie-
gebiete
41 Feuchtwiesen 42 Frischwiesen 43 Marschen 44 Nordsee-Salzwiesen 45 City
Abb. 2: Ökologisches Profil einer ubiquitären Art (Fitis, Phylloscopus trochilus) (nach Flade 1991)

Excel
[Die Datengrundlage der Abbildung liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Für die vorliegende Karte wurde eine Bilanzierung des Brutvogelbestandes anhand der zu erwartenden Leitarten (Soll) und der in den Brutvogelatlanten von Berlin kartierten Leitarten (Ist) vorgenommen. Die zu erwartenden Leitarten wurden dabei aus einer Lebensraumkartierung und mit Hilfe der von Flade (1994) ermittelten Leitartengruppen abgeleitet und auf die in Berlin vorhandenen Brutvogellebensräume abgebildet.

Als Hintergrundinformation wurden eine potentielle avifaunistische Bewertung dieser Gebiete sowie eine Übersicht über das Vorkommen von Arten der Roten Liste erstellt. Damit sollte zum einen die unterschiedliche Wertigkeit der Lebensraumtypen dargestellt und zum anderen die Einordnung des Vorkommens oder Fehlens von Leitarten erleichtert werden.

Somit verdeutlicht die vorliegende Karte die Lage von Defizitgebieten und ermöglicht eine Bewertung der Qualität verschiedener Stadtgebiete. Sie bildet die Basis für Ursachenanalysen und die Durchführung gezielter Maßnahmen, etwa in Form von Artenhilfsprogrammen, wie sie das Berliner Naturschutzgesetz vorsieht. Artenschutzbezogene Fragen, z.B. die Frage der Stabilität der angetroffenen Populationen oder der Artenreichtum bestimmter Gebiete, standen nicht im Mittelpunkt der Untersuchungen.

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