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Umweltatlas Berlin

05.03 Wertvolle Flächen für Flora und Fauna

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Kartenbeschreibung

Berlin ist in seinem Außenraum geprägt von den großen Forst- und Wasserflächen im Nord- und Südwesten sowie im Südosten. Großräumige Feldlandschaften bestimmen das Bild im Nordosten und Westen der Stadt. Ufergrünzüge und Brachflächen entlang der Bahntrassen ziehen sich bandartig vom Außenraum bis in die Innenstadt. Typische Freiflächen sind hier Parkanlagen, Friedhöfe und Brachflächen.

Im Vergleich zur Karte von 1986 fällt auf, daß die Brachflächen wesentlich an Ausdehnung verloren haben. Dies ist überwiegend auf die Ansiedlung von Gewerbe und die Wiederinbetriebnahme von Bahntrassen zurückzuführen.

Einige Biotope, zu denen 1986 noch keine ausreichenden Kenntnisse vorlagen bzw. die sich im Bereich des ehemaligen Grenzstreifens befanden, werden neu in die Karte aufgenommen. Hierzu gehören z.B. Kleingewässer im Norden Berlins, der Große Kienhorst und die Fichtewiese in Spandau.

Änderungen in der Bewertung sind insbesondere bei einem Teil der Ackerflächen sowie bei einzelnen Friedhöfen und Parkanlagen zu verzeichnen.

Biotope der Gewässer, Gewässerufer, Moore

Ein großer Teil der in Berlin noch existierenden Moore (Biotoptyp 47) ist durch Grundwasserabsenkungen, Schadstoffeintrag etc. stark gefährdet. Aufgrund ihrer einzigartigen Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere sind sie trotz ihres zur Zeit teilweise unbefriedigenden Zustands als besonders wertvolle Biotope einzustufen. Besonders herausragend sind die Krumme Lake und das Teufelsmoor in Köpenick mit Resten hochgradig gefährdeter Pflanzengesellschaften. Einige Arten haben hier ihr letztes Vorkommen in Berlin. Hundekehlefenn, Barssee und Langes Luch haben mit ihrem hohen Anteil an gefährdeten Arten insbesondere für die Fauna eine herausragende Bedeutung.

Im Umland gibt es noch größere Moore im Bereich der Havel nördlich von Berlin bei Hennigsdorf und westlich bei Groß-Glienicke. Die Moorgebiete im beschriebenen Raum sind vom Grundwasserstand der Umgebung abhängig. Deshalb unterliegen sie aufgrund der großräumigen Grundwasserabsenkungen infolge der Trinkwassergewinnung bereits seit Jahrzehnten starken Veränderungen in der Artenzusammensetzung.

Ein hoher Anteil der Gräben (Biotoptyp 51), Pfuhle und Kleingewässer (Biotoptyp 48) ist technisch verbaut. Artenreiche Tier- und Pflanzenbestände sind an ca. der Hälfte der Pfuhle und Kleingewässer und an ungefähr einem Drittel der Gräben zu finden. Die wertvollsten Grabenabschnitte mit unverbauten Ufern und weitestgehend standortgerechter Ufervegetation liegen in den Feldlandschaften in Lübars, Heiligensee, Gatow, Buch/Hobrechtsfelde und Weißensee sowie in den Waldgebieten von Spandau (Kuhlake, Kreuzgraben) und Köpenick (Krumme Lake in Grünau, Plumpengraben). Als besonders wertvolle Pfuhle bzw. Kleingewässer sind u.a. die Karower Teiche als eins der bedeutendsten Brutgebiete für Wasservogelarten und die Pfuhle in Rudow sowie die Kleingewässer im Spandauer Forst als Lebensräume zahlreicher gefährdeter Amphibienarten zu nennen. Im Ostteil der Stadt sind an einigen Kleingewässern in Hohenschönhausen, Marzahn und Hellersdorf noch Amphibienarten anzutreffen, die im Westteil Berlins schon ausgestorben oder hochgradig gefährdet sind. Im Nordosten Berlins, auf der Barnim-Hochplatte, gibt es noch viele Feldsölle, die in einer ausgeräumten Agrarlandschaft einen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten bieten.

Die meisten Fließgewässer mit verbauten Ufern (Biotoptyp 49), Spree und Teltowkanal, haben nur eine geringe Biotopwertigkeit. An den steilen, verbauten Ufern können nur vergleichsweise wenig Tier- und Pflanzenarten leben. Als besonders wertvolle Abschnitte aufgrund ihrer relativ hohen Naturnähe sind lediglich ein kurzes Teilstück der Panke im Bereich einer alten Moorrinne sowie ein sehr kleiner Spreeabschnitt in der Rummelsburger Bucht mit zerfallener Uferbefestigung einzustufen. Wertvolle Gewässer sind u.a. der Gosener Kanal und der Oder-Spree-Kanal, deren Ufer mit Steinschüttungen befestigt sind.

Fließgewässer mit weitgehend unverbauten Ufern (Biotoptyp 50) sind nur noch in Lübars/Pankow (Tegeler Fließtal), Köpenick (Fredersdorfer Mühlenfließ) und in Ansätzen in Rudow (renaturiertes Rudower Fließ) zu finden. Insbesondere das Tegeler Fließ ist im Zusammenhang mit angrenzenden Erlenbruchresten, feuchten Wiesen und den nur in Lübars und Pankow vorkommenden Quellhängen (Biotoptyp 54) als herausragender Biotopkomplex einzustufen. Zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten haben hier ihren Lebensraum. Die Quellbereiche sind das einzige Gebiet mit rezenter Kalktuffbildung im mitteleuropäischen Tiefland. Außerhalb Berlins sind als in Abschnitten noch weitgehend naturnah verlaufende Fließgewässer der weitere Verlauf des Fredersdorfer Mühlenfließes, das Neuenhagener Mühlenfließ und das Mühlenfließ bei Altlandsberg zu nennen.

Havel, Spree und Dahme sind typische Flachlandflüsse (Biotoptyp 52) mit seenartigen Erweiterungen. Der Anteil gut ausgebildeter Röhricht- und Auwaldvegetation an den Ufern ist relativ gering. Waren Anfang der 60er Jahre noch ca. 40 % der Uferlinie der Havel mit teilweise breiten Röhrichtgürteln bestanden, sind es heute nur noch ungefähr 10-15 %. Besonders wertvolle Bereiche aufgrund ihrer Vegetationsbestände sind u.a. die Ufer der Pfaueninsel und die Nordspitze des Nieder-Neuendorfer Sees sowie Die Bänke in Köpenick mit ihren großflächigen Schwimmblatt- und Röhrichtbeständen, die den einzigen Trauerseeschwalbenbrutplatz Berlins bilden. Der Sacrower See westlich von Berlin gilt im näheren Umland als einziger noch mäßig nährstoffreicher See (mesotroph bis leicht eutroph).

Biotope der Wälder und Forsten

Natürliche Waldgesellschaften sind heute in Berlin kaum noch anzutreffen. Den größten Raum nehmen künstlich begründete Forstgesellschaften ein (Biotoptyp 46). Restbestände der natürlichen Vegetation kommen nur noch kleinflächig z.B. an der Moorlake und im Bucher Forst (Traubeneichen-Buchenwald), im Spandauer Forst (Traubeneichen-Hainbuchenwald) und im Bereich von Gewässern und Mooren (Erlenbruchwaldreste) vor. Außer den Naturwaldresten ist nur ein geringer Anteil der Berliner Wald- und Forstflächen aufgrund seiner Naturnähe als besonders wertvoll einzustufen. Dazu gehört beispielsweise der Plänterwald mit relativ großen naturnahen Laubholzbereichen. Insgesamt sind die Berliner Forstflächen verglichen mit anderen norddeutschen Forsten Lebensraum einer reichhaltigen Vogelgemeinschaft. Ca. Dreiviertel des Berliner Artenbestandes und sieben der neun Greifvogelarten kommen in den Wäldern und Forsten vor. Der nordwestliche Bereich des Spandauer Forstes weist die größte Artenvielfalt auf. Auch in Brandenburg gibt es im Kartenausschnitt keine natürlichen Wälder mehr. Es herrschen Kiefernwälder vor. Oberhalb des Spandauer Forstes befindet sich die Neuendorfer Heide mit Bruch- und Auenwäldern sowie grundwassernahen reichen Laubmischwäldern, bei denen die Eiche großflächig die Hauptbaumart bildet, begleitet von Birke, Kiefer, Pappel, Erle und Esche. Weitere wertvolle Wälder liegen westlich von Berlin, Bruch- und Auenwälder entlang des Hirtengrabens in der Parforceheide südlich von Berlin (vgl. Karte 05.06, SenStadtUm 1995).

Biotope der Kulturlandschaft

Feld- und Wiesenlandschaften sind wertvolle Rückzugsgebiete für typische Tier- und Pflanzenarten. Voraussetzung hierfür ist allerdings eine relativ extensive Bewirtschaftung und der Erhalt bzw. die Wiederherstellung von Strukturelementen. Insbesondere in Lübars/Pankow, Weißensee und Hohenschönhausen sowie in Spandau sind noch große zusammenhängende Flächen zu finden, die z.T. aber durch geplante Bauvorhaben bedroht sind. Sie setzen sich aus Acker- und Wiesenflächen (Biotoptypen 40, 41, 42, 43), landwirtschaftlichen Brachen (Biotoptypen 37, 38), ehemaligen Rieselfeldern (Biotoptyp 39) und im Nordosten Berlins auch aus aufgeforsteten Rieselfeldern (Biotoptyp 46) zusammen. Ein Teil der aufgeforsteten Rieselfelder und der ehemaligen Rieselfelder mit landwirtschaftlicher Nutzung werden aufgrund ihrer hohen Strukturvielfalt (Reste ehemaliger Feldgehölze, Hecken, Entwässerungsgräben, feuchte Bereiche, Röhrichtreste) und ihrer Vielfalt insbesondere bei Vögeln und Insekten als besonders wertvoll eingestuft. Eine besondere Bedeutung haben die Falkenberger Rieselfelder mit ihren zahlreichen gefährdeten Tierarten. Problematisch ist die starke Schwermetallbelastung der Böden im Bereich der Rieselfelder. Bei sinkenden pH-Werten und damit einhergehender nachlassender Bindungsfähigkeit der Böden werden einerseits die Schadstoffe ins Grundwasser ausgewaschen, andererseits kann es zu Vergiftungen bei Pflanzen- und Bodentieren kommen. 1986 wurden fast alle West-Berliner Ackerflächen als Reste der Kulturlandschaft im Stadtgebiet als besonders wertvoll eingestuft, auch wenn sie nicht die entsprechenden Kriterien erfüllten. In der vorliegenden Karte werden die im Vergleich zu den besonders wertvollen Flächen im Norden und Westen kleinen landwirtschaftlichen Bereiche am südlichen Stadtrand aufgrund ihrer Ausprägung nur noch als wertvoll eingestuft. Wertvolle Biotope der Kulturlandschaft außerhalb Berlins befinden sich hauptsächlich auf den Hochflächen des Teltow und Barnim, die seit langer Zeit durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt werden. Im Gegensatz zu der Bewertung der Berliner Acker- und Wiesenflächen erfüllen nach der Brandenburger Definition nur wenige Wiesen- und Weideflächen die Kriterien für eine Einstufung als wertvoller Biotop. Äcker sind gar nicht ausgewiesen. Vielmehr wurde eine Vielzahl wertvoller Feldgehölze und Alleen kartiert, die in der sonst ausgeräumten Agrarlandschaft wichtige Funktionen als Lebensraum zahlreicher Tierarten erfüllen.

Besonders wertvolle artenreiche Feuchtwiesen (Biotoptyp 43), außer den im Zusammenhang mit den Acker- und Rieselfeldflächen genannten, sind u.a. die Tiefwerder Wiesen und die in ihrer Größe für Berlin einzigartigen Gosener Wiesen, die sich auch auf Brandenburger Gebiet fortsetzen. Darüber hinaus sind großflächige Feuchtwiesen entlang der Nuthe östlich von Potsdam zu erwähnen.

Im Ostteil der Stadt liegen die einzigen drei Altobstanlagen Berlins. Die Fläche am Köppchensee und die alte Birnenplantage in Hohenschönhausen sind aufgrund ihres Baumbestandes und der trockenen Wiesen als besonders wertvoll insbesondere für typische Tierarten einzustufen.

Städtische Brachenbiotope

In der Innenstadt zählen die Brachen (Biotoptyp 21, 35) zu den wertvollsten Lebensräumen. Im Gegensatz zu anderen Städten, wo die kriegsbedingten Brachen relativ schnell wieder bebaut wurden, konnten sich aufgrund der politischen Situation in Berlin insbesondere auf den nicht mehr oder nur teilweise genutzten Bahnflächen außergewöhnlich artenreiche Brachen entwickeln. Auf diesen warmen Stadtstandorten können Arten leben, die sonst nur in Südeuropa vorkommen, wie der Götterbaum und die Zerreiche. Als herausragende Standorte mit hoher Artenvielfalt und zahlreichen gefährdeten Pflanzen- und Tierarten sind das Südgelände und Reste des Gleisdreiecks zu nennen. Viele Brachflächen sind in den letzten Jahren durch Bebauung verloren gegangen bzw. sind durch aktuelle Bauvorhaben gefährdet. Wertvolle und besonders wertvolle Flächen, die insbesondere durch die Wiederinbetriebnahme von Bahnanlagen zerstört wurden, sind beispielsweise die Bahndämme in Frohnau, Lichtenrade und Düppel, der S-Bahn Südring und die Flächen um den Bahnhof Gesundbrunnen.

Gärtnerisch geprägte Biotope

Von den zahlreichen Parkanlagen, Stadtplätzen, Sportanlagen und Ufergrünzügen (Biotoptyp 29, 30, 31) sowie den Friedhöfen (Biotoptyp 90, 32, 33, 34) wird nur ein relativ geringer Teil als besonders wertvoll eingestuft. Dies sind überwiegend die großen, alten Parkanlagen und Friedhöfe, die aufgrund ihrer Größe und ihrer Strukturvielfalt sowie ihres Altbaumbestandes trotz intensiver Nutzung und Pflege noch ungestörte, teilweise verwilderte Rückzugsräume für Flora und Fauna aufweisen. Die Biotope der Grünanlagen kommen verteilt über das ganze Stadtgebiet vor, sind aber neben den Stadtbrachen und einzelnen Kleingewässern die einzigen Freiflächen der Innenstadt. Beispiele für besonders wertvolle innerstädtische Grünanlagenbiotope sind der Schloßpark Charlottenburg mit seinen artenreichen Pflanzenbeständen und die alten Friedhöfe in Mitte, Friedrichshain und Prenzlauer Berg. Im Außenbereich sind u.a. die Pfaueninsel, der Glienicker Park und der Schloßpark Buch aufgrund ihres Altbaumbestandes und der vielfältigen, teilweise relativ naturnahen Artenzusammensetzung besonders hervorzuheben.

Biotope, die je nach Ausprägung unterschiedlichen Biotoptypgruppen zugeordnet werden

Die Kies-, Sand- und Mergelgruben (Biotoptyp 28) sind wertvolle Ersatzlebensräume für Arten, die auf offene Flächen, Abbruchkanten, unbefestigte Hänge etc. angewiesen sind, wie sie sich in der Naturlandschaft nur noch selten finden. Besonders wertvoll sind u.a. die artenreichen Kiesgruben im Forst Grunewald und in Köpenick.

Die Biotope der Magerrasen (Biotoptyp 44) sind Lebensraum für eine spezialisierte Flora und Fauna. Besonders herausragende Magerrasenflächen sind u.a. der ehemalige Flughafen Johannisthal mit seiner einzigartigen Stechimmenfauna sowie die Baumberge und die Püttberge, wo sich die Magerrasenflächen im Verbund mit trockenheitsliebenden Waldbeständen entwickelt haben.

Ehemalige Mülldeponien (Biotoptypen 30, 35, 46) haben sich teilweise zu wertvollen Sekundärlebensräumen entwickelt. Sie bieten Organismen Lebensraum, die auf trockene Hänge und offene Strukturen ähnlich der Abgrabungsbiotope angewiesen sind. Voraussetzung für die Ausprägung dieser Strukturen ist allerdings nicht die Müllaufschüttung. Gleiche oder ähnliche Bedingungen könnten auch beispielsweise durch den Erhalt von Lichtungen in Wäldern geschaffen werden. Besonders wertvolle Flächen, insbesondere durch das Vorkommen gefährdeter Vogelarten, sind die Ahrensfelder Kippe und der Kienberg in Marzahn sowie Teile der Wannseekippe. Die zum Park umgestaltete ehemalige Kippe in Marienfelde weist einen außergewöhnlichen Insektenreichtum auf, einige Arten wurden für Berlin nur hier nachgewiesen.

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