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Umweltatlas Berlin

05.03 Wertvolle Flächen für Flora und Fauna

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Problemstellung

Seit ca. 200 Jahren liegen Erkenntnisse zum Florenbestand, seit 100-150 Jahren auch zum Arteninventar einzelner Tiergruppen im Berliner Raum vor. Während noch bis in die 50er Jahre dieses Jahrhunderts eine Zuwanderung nicht heimischer Ruderalarten beobachtet werden konnte, ist bei den einheimischen und alteingebürgerten Arten parallel mit der Intensivierung der Landwirtschaft, der fortschreitenden Industrialisierung und der zunehmenden Bebauung des Stadtgebietes seit Mitte des letzten Jahrhunderts ein starker Rückgang zu verzeichnen.

In den letzten drei bis vier Jahrzehnten haben sich die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere weiter verschlechtert. Die wichtigsten Ursachen sind die Zerstörung und Zerstückelung der natürlichen Lebensräume durch Überbauung und Versiegelung sowie die Veränderung der Biotope, z.B. durch Düngung und Schadstoffeintrag, großflächige Grundwasserabsenkung, intensive Pflege und Freizeitnutzungen. Waren früher nur die von Natur aus seltenen und in ihren Ansprüchen stark spezialisierten Arten betroffen, ist heute zunehmend ein bestandsgefährdender Rückgang von Arten zu verzeichnen, die noch in den 50er Jahren weit verbreitet waren. Da in der Natur sehr komplexe Beziehungen zwischen einzelnen Pflanzen und Tieren bestehen, ist diese Entwicklung als außerordentlich bedrohlich einzustufen. Über einen Jahrtausende währenden Entwicklungsprozeß haben sich komplizierte Nahrungsketten und Lebensgemeinschaften herausgebildet, so daß durch den Verlust einer einzigen Pflanzenart im Durchschnitt 10 bis 20 Tierarten die Lebensgrundlage entzogen wird. Im Extremfall können mehrere hundert Arten betroffen sein.

Deutlich wird diese Entwicklung bei der Betrachtung der "Roten Listen" der gefährdeten Pflanzen- und Tierarten in Berlin. Ungefähr die Hälfte der bisher für Berlin nachgewiesenen wildlebenden Pflanzen- und Tierarten sind entweder bereits ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder gefährdet.

Abbildung 1
Abb. 1: Gefährdete Pflanzen- und Tierarten in Berlin nach "Rote Liste 1991"; ausgewählte Organismengruppen, für die Vergleichszahlen vorliegen.

Excel
[Die Datengrundlage der Abbildung liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Die hier genannten "Roten Listen" gelten nur für den Bereich West-Berlin. In zukünftigen Listen für das gesamte Stadtgebiet ist aufgrund der Bestandssituation in Ost-Berlin aber voraussichtlich nur bei relativ wenigen Arten mit einer Änderung des Gefährdungsgrades zu rechnen.

Ein Vergleich der "Roten Listen" von 1982 und 1991 zeigt zwar bei einzelnen Arten eine Besserung der Bestandssituation, im Durchschnitt ist aber eine leicht steigende Tendenz der Gefährdung zu erkennen. Insbesondere bei den Farn- und Blütenpflanzen ist ein überproportionaler Anstieg der ausgestorbenen bzw. verschollenen Arten von 116 auf 197, d.h. um 70 % zu verzeichnen.

Um einen weiteren Artenrückgang zu verhindern, müssen in erster Linie noch vorhandene gut ausgebildete Biotope geschützt und Flächen, die ein biotisches Potential aufweisen, qualitativ entwickelt werden. Als Grundlage hierfür sind eine Erfassung der Biotope und eine Einschätzung ihrer Wertigkeit notwendig. Die Karte liefert hierzu einen Beitrag.

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