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Umweltatlas Berlin

05.02 Vegetation

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Vegetation baumfreier Moore

Baumfreie Moore stellen nur einen sehr kleinen Flächenanteil an der Berliner Gesamtfläche. Abgesehen vom gelegentlichen Torfabbau unterlagen bzw. unterliegen sie keiner eigentlichen Nutzung. Sie besitzen dadurch die mit am wenigsten vom Menschen unmittelbar beeinflusste Vegetation.

Die im Zuge der Verlandung nährstoffarmer Seen entstehenden Torflagerstätten bieten einer Abfolge von Pflanzengesellschaften Lebensraum, die im wesentlichen einen Komplex aus Torfmoos-(Hochmoor-)Gesellschaften (60-100 %), Großseggenrieder (0-40 %) sowie Röhricht-Gesellschaften (0-5 %) bilden (501). Auch wenn im Berliner Raum klimabedingt keine echten, rein niederschlagsabhängigen Hochmoore vorkommen, stellt man die Scheidenwollgras-Torfmoos-Gesellschaft (Eriophoro-Sphagnetum recurvi; Ledo-Sphagnetum maggelanici) als lokale Leitgesellschaft zu den Hochmoor-Bultgesellschaften (Oxycocco-Spagnetea). Torfmoose (insbes. Sphagnum recurvum) sind in hohen Deckungsgraden vertreten. Dazwischen steht das Scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum) und an nasseren Stellen auch das Schmalblättrige Wollgras (E. angustifolium). Überall findet sich die Gemeine Moosbeere (Vaccinium oxycoccos). Diese Kerngesellschaft ist heute oft nur noch kleinflächig anzutreffen. Viele Flächen tragen heute vom Sumpfreitgras (Calamagrostis canescens) oder dem Pfeifengras (Molinia caerulea) dominierte Degradationsstadien. Auch das zum Zwischenmoorkomplex (502) gehörende Fadenseggenmoor (Caricetum lasiocarpae) bzw. die Hundsstraußgras-Grauseggen-Gesellschaft (Carici-Agrostietum caninae) sowie Gesellschaften der Großseggenrieder (Magnocaricion) und der Röhrichte (Phragmition) als Ersatzgesellschaften von Erlenbrüchen sind heute nach Eutrophierung, Moorsackung und partieller Überstauung vermehrt an Stellen entstanden, wo früher Torfmoos-Gesellschaften vorkamen. Bei fortscheitender Verlandung gehen Torfmoos-Gesellschaften natürlicherweise in Birken- oder Kiefernmoorwälder (414) über.

Makrophytenvegetation der Gewässer

In der Uferzone der Gewässer (Litoral) wachsen bodengebundene Gefäßpflanzen. Sie bilden im seichten Wasser Röhrichte und im tieferen Wasser Schwimmblatt- und bei klarem Wasser die in Berlin nahezu verschwundenen submersen Laichkrautbestände.

Flächenmäßig sind die Röhrichte der bedeutendste Vertreter dieser Pflanzenformation. Die heute auftretenden Bestände in den Uferbereichen der Havel, Dahme und angrenzender Seen lassen sich durch folgende Kombination beschreiben: Schilf-Röhricht (70 %), Rohrkolben-Röhricht (20 %) sowie Kalmus-Röhricht (5 %) (vgl. Abb. 12). Beim Lebensraum handelt es sich um meso- bis eutrophe, stille bzw. langsamfließende Gewässer mit sandigem oder schlammigem Grund. Bis zu einer mittleren Wassertiefe von 2,5 m (in Berlin bis 1,5 m) wachsen echte Schilfröhrichte. An allen Uferabschnitten sind die früher mächtigen Röhrichtbestände sowohl hinsichtlich ihrer Ausdehnung längs der Uferlinie als auch quer zu ihr stark zurückgegangen. Heute werden die Reste über weite Strecken durch Beschränkungen des Schiffs- und Bootsverkehrs ebenso geschützt wie durch Lahnungen und andere wellenschluckende Schutzbauwerke.

Neben dem dominierenden Schilf (Phragmites australis) kommen im eigentlichen Schilf-Röhricht (Scirpo-Phragmitetum typicum) nur wenige weitere Gefäßpflanzen (z.B. der Wasserampfer [Rumex hydrolapathum]) vor. Anders im Stauden-Röhricht (Scirpo-Phragmitetum solanetosum), das geschützte Verlandungsbereiche besiedelt, wo z.B. der Bittersüße Nachtschatten (Solanum dulcamara) und der Sumpf-Ziest (Stachys palustris) wachsen. Außer dieser Schilfröhrichte sind noch die Röhrichte des Schmalblättrigen Rohrkolbens (Thyphetum angustifoliae), des Kalmus (Acoretum calami) und das landseitig an die Schilfröhrichte anschließende Rohrglanzgras-Röhricht (Phalaridetum arundinaceae) von größerer Bedeutung.

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Abb. 12: Stark schematisierter Schnitt durch das westexponierte Havelufer mit Röhricht und fragmentarischer Schwimmblattbestand; Beispiel: westexponiertes Havelufer bei Kuhhorn (>nach Sukopp und Markstein 1989, Abb. 1)

Hemerobiegrade in den forstlich genutzten Bereichen

Die gesamte Wirkung beabsichtigter und unbeabsichtigter Tätigkeiten der Menschen auf Standort und Vegetation wird allgemein durch den Hemerobiegrad bezeichnet. Die den Waldgebieten jagenweise überlagerten Angaben zur Hemerobie geben vor allem Auskunft über die forstliche Beeinflussung der Bestände. Junge Pflanzungen auf Kahlschlägen (bis vor kurzem noch im Ostteil der Stadt) weisen ein Höchstmaß an menschlichem Eingreifen ins Waldökosystem auf (ß-euhemerob). Mit zunehmendem Bestandesalter nehmen generell eigenständige Entwicklung vor allem in Beständen mit geringschließenden Pionierbaumarten wie der Kiefer zu. Strukturell wie floristisch nähern sich damit forstliche Pflanzungen natürlicheren Verhältnissen an, so dass bei Altbeständen schließlich von mesohemeroben Beständen gesprochen werden kann. Verjüngung unter Schirm (dieser mind. 20 % ausmachend) wurde als naturnaher Verjüngungskomplex ebenfalls dem niedrigen Hemerobiegrad zugeordnet. Beim Anbau floren- oder standortfremder Arten sind oft nachhaltige Standort- und Ökosystemveränderungen zu beobachten, so dass diese altersunabhängig als ß-euhemerob angesprochen werden. Gleiches gilt für Bereiche mit zusätzlicher waldfremder Nutzung, wie Parkplätze etc.

Die Karte zeigt für die Waldgebiete jagenweise den mittleren Hemerobiegrad. Jagen mit überwiegend naturnäheren Altholzbeständen weisen als mesohemerobe Bereiche eine helle Rasterung auf, während überwiegend Jungbestände oder große Anteile florenfremder Baumarten ein dunkles, ß-euhemerobe Verhältnisse anzeigendes Raster haben. Vorwiegend mittelalte Bestände oder gleichgroße Anteile von Jung- und Altbeständen haben den mittleren der dargestellten Hemerobiegrade zur Folge. Großflächige Altholzbestände, die sich in der Regel auch durch einen höheren Laubholzanteil auszeichnen (vgl. Karte 05.04, SenStadtUmTech 1996b, 1997c), weisen der Tegler Forst, der Bucher und der Frohnauer Forst sowie Teile des Spandauer Forsts auf. Auch die Wuhl-, Königs- und Dammheide besitzen überdurchschnittlich viel Altbestände. In vielen Waldgebieten findet sich jedoch - z.B. im Grunewald - ein Mosaik verschieden alter Stadien. Manche Gebiete (z.B. Gatower Heide) weisen aufgrund hoher Anteile an Robinie oder Roteiche oder weitflächig verbreiteter Bestände im Dickungs- oder Stangenholzalter durchgängig einen hohen Hemerobiegrad auf.

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