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Umweltatlas Berlin

05.02 Vegetation

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Vegetationstypen landwirtschaftlich genutzter Flächen

In der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Landschaft stellte neben den Wäldern die Feldmark auch im Berliner Raum einen beachtlichen Anteil an der Landnutzungsverteilung. Die Industrialisierung hat im unmittelbaren Großstadtbereich die landwirtschaftlichen Nutzflächen und mit ihnen die Vegetation der Äcker, Wiesen und als ballungsraumbezogene Besonderheit aufgelassene oder noch betriebene Rieselfelder auf immer kleiner werdende Reste zusammenschrumpfen lassen. Zwei Beispiele aus der Lübarser Feldflur, einer der letzten ländlich geprägten Räume am Rande Berlins, sind Belege für die hier zusammengefassten Vegetationstypen.

Die Äcker auf vornehmlich sandigen Substraten (302) zeichnen sich durch die Gesellschaftskombination Roggenkulturen mit Windhalm-(Ackerfrauenmantel)- oder Lämmersalat-Unkrautfluren (7 %) sowie Gemüsekulturen mit Hirse-Unkrautfluren (2 %) aus (vgl. Abb. 9). Da die nährstoffärmsten Ackerstandorte heute durch Mineraldüngung meist an reichere Substrate angepasst sind, kommt die spontane Vegetation eigentlicher Sandäcker (Ackerzahl ~20) - die Bortsenhirse-Lämmersalat-Gesellschaft (Setario-Arnoseridetum) - nur sehr selten zur Ausbildung. Sie entwickelt sich beim Anbau von Roggen, einem Wintergetreide, als kurzlebige Ackerunkrautflur. Sandige Substrate mit geringen Lehmanteilen werden ebenfalls meist für den Anbau von Roggen benutzt. Hier kommt die Sandmohn-Gesellschaft in ihrer ärmeren Ausbildung mit dem Einjährigen Knäuel (Papaveretum argemone scleranthetosum) vor. Der Einsatz von Herbiziden führt auf beiden Typen i.d.R. zur Ausbildung einer artenarmen Windhalm-Fragmentgesellschaft (Aperion-Gesellschaft).

Werden auf diesen armen Böden Hackfrüchte (Kartoffeln, Gemüse) oder Sonderkulturen angebaut, findet man die Fadenhirsen-Gesellschaft (Digitarietum ischaemi), die zu den Hackunkrautfluren gehört.

Für den Artenreichtum der Feldflur spielen die Ackerraine und Wegränder eine bedeutende Rolle. Es handelt sich dabei oft um Wiesenfragmente (Arrhenatheretalia-Gesellschaften), um ruderale Halbtrockenrasen oder auch um Weidelgras-Trittrasen. Flächenmäßig treten diese jedoch stark zurück.

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Abb. 9: Schnitt durch einen Feldrand mit anschließender Pflasterstraße; Beispiel: Lübars (nach Böcker et al. 1987, Abb. 17)

Die Feucht- und Nasswiesen (307) tragen Kohldistel-Nasswiesen (~45 %), Großseggenrieder (~35 %) sowie Röhrichte (~5 %) (vgl. Abb. 10). Sie sind auf grundwassernahen Niedermoor-Standorten (mittlerer GW-Flurabstand < 0,5 m) durch landwirtschaftliche Grünlandnutzung (meist Mahd) an die Stelle der gerodeten Au- und Bruchwälder getreten. Kleinflächig können Großseggenrieder aber auch Teil natürlicher Verlandungsserien sein. Als die verbreitetste Einheit dieses Vegetationstyps wird die zu den Feuchtwiesen (Molinietalia-Gesellschaft) zählende, artenreiche Kohldistelwiese (Cirsio-Polygonetum bistortae) gesehen. An nasseren Stellen geht dieser Wiesentyp in wesentlich artenärmere Großseggenbestände (Magnocaricion-Gesellschaft) über, die am häufigsten durch das Schlankseggen-Ried (Caricetum gracilis) repräsentiert werden. In Überschwemmungsbereichen finden sich das Glanzgras-Röhricht (Phalaridetum arundinaceae) oder das zu den Echten Röhrichten (Phragmition-Gesellschaft) gerechnete Wasserschwaden-Röhricht (Glycerietum maximae).

Auf armen, ebenfalls feucht-nassen Substraten sind vereinzelt noch Reste von Pfeifengraswiesen (Molinion-Gesellschaften), meist in fragmentarischer Ausbildung, zu finden. Weiterhin treten an verdichteten Stellen oder Mulden mit länger anhaltender oberirdischer Wasserführung Flutrasen (Agropyro-Rumicion-Gesellschaften) auf. Auch Schilf-Röhrichte (Phragmition-Gesellschaften), Grauweiden-Gebüsche (Frangulo-Salicetum cinereae) oder Erlenbruch-Initialen (Alnetum glutinosae) sind in größeren Nasswiesenkomplexen eingestreut. Nur im Schildower Kalktuffgebiet sind außerdem - als Besonderheit für den Berliner Raum - schüttende Quelltöpfe mit Starknervmoos-(Quelltuff-)Fluren (Cratoneurion cummutati-Gesellschaften) vorhanden. An trockneren Abschnitten finden sich stets Übergänge zu den Frischwiesen aber auch Staudenfluren (Artemisietea-Gesellschaften), die ihrerseits oft aus Wiesenbrachen hervorgegangen sind.

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Abb. 10: Halbschematischer Schnitt durch einen Feucht-/Nasswiesenkomplex; Beispiel: Quellhang "In den langen Hufen", Lübars (nach Böcker et al. 1987)

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