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Umweltatlas Berlin

05.02 Vegetation

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Vegetationstypen auf Freiflächen im besiedelten Bereich

Die hier zusammengefassten Vegetationstypen finden sich auf Flächen unterschiedlichster Nutzung: angefangen von Sportflächen über Friedhöfe und Parks bis hin zu Verkehrsrestflächen und den unterschiedlichsten städtischen Brachen. Die offiziell der Erholung oder der sportlichen Betätigung dienenden Flächen unterliegen ebenso wie die Friedhöfe größtenteils einer intensiven gärtnerischen Pflege, während auf bahnbegleitenden Geländestreifen lediglich verkehrssicherheitsorientierte Maßnahmen stattfinden. Auf Brachen schließlich konnte sich in Abhängigkeit von Substrat, Störungsregime und Zeitdauer der ungestörten Entwicklung ein z.T. hochgradig differenziertes Vegetationsmosaik ausbilden, das Initialstadien der Vegetationsentwicklung ebenso einschließen kann wie Vorwälder. Vier kombinierte Beispiele sollen die weite Spanne unterschiedlich stark vom Menschen geprägter Freiraumtypen verdeutlichen:

Parks lassen sich hinsichtlich der Pflegeintensität unterscheiden, die mit der Parkgröße korreliert. Im Gegensatz zu kleinen, eher ornamental angelegten Parkanlagen mit hohem, pflegeintensivem Zierbeetanteil unterliegen große Parks mit ihrer landschaftsorientierten Gestaltung einer weitaus extensiveren Pflege. Die damit verbundenen großen, oft mehr oder weniger zusammenhängenden waldähnlichen Teile werden als eigener Vegetationstyp (205) mit Hainrispen-Spitzahorn-Parkwäldern (70 %), Gebüschen (20 %) sowie Schöllkraut-Robinienwäldern (10 %) geführt. Sie stehen mit den waldfreien Bereichen (206) im räumlichen Zusammenhang, die für alle mehr als 50 ha großen Parks als eigener Vegetationstyp ausgewiesen und durch folgende Kombination von Grundeinheiten charakterisiert sind: Trittbelaste Parkrasen (50 %), Parkwiesen (20 %) sowie Stauden- und Strauchpflanzungen mit Hackunkrautfluren (15 %) (vgl. Abb. 7).

Neben den gärtnerisch stärker beeinflussten Parkforsten mit meist hohen Anteilen von fremdländischen Arten sind auch naturnäher zusammengesetzte Parkwälder mit hohem Buchen-, Eichen- oder Hainbuchenanteil anzutreffen. In kriegsbedingten Lücken finden sich auch horstartige Pflanzungen unterschiedlicher Pappelarten, die heute zunehmend wieder entfernt werden. Insgesamt verjüngt sich in den Parkforsten ebenso wie in den naturnäheren Parkwäldern der Spitzahorn spontan besonders gut, so dass die Bezeichnung "Hainrispen-Spitzahorn-Parkwald" auch im übergreifenden Sinne gerechtfertigt ist.

Die Strauchschicht wird nicht selten von gepflanzten Sträuchern, wie Haselnuss (Corylus avellana), Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum) oder Rhododendren (Rhododendron spec.), gebildet. In der Krautschicht sind über weite Strecken ebenfalls eingebrachte Stauden oder Kleingehölze, wie Pachysandra (Pachysandra torminalis), Efeu (Hedera helix) oder Goldnessel (Lamiastrum galeobdolon), bestimmend, doch sind sowohl diese gepflanzten Bestände ebenso wie unbepflanzte Bereiche auch von spontanem Unterwuchs mit Hainrispe (Poa nemoralis) oder mit Saumarten, wie Kleinblütiges Springkraut (Impatiens parviflora), besiedelt. Der Schöllkraut-Robinienwald, der auch als spontaner Stadtwaldtyp vorkommt, spielt nur lokal eine größere Rolle. Sein Auftreten ist mit einem erhöhten Vorkommen ruderaler und nitrophytischer Arten, wie dem Schöllkraut (Chelidonium majus) oder der Gemeinen Rispe (Poa trivialis), verbunden.

Um den Eindruck von freier Landschaft anzudeuten, sind in großen Parks Rasen und Wiesen im großräumigen Wechsel mit Parkforsten und -wäldern angeordnet. Die Ausbildung dieser Grünflächen hängt vor allem von der Belastung und Pflege ab, doch spielt auch das Substrat unter Umständen eine Rolle. Das Gros der Rasen stellen in zentral gelegenen Parks (z.B. Großer Tiergarten) gedüngte, gewässerte und häufig geschnittene Parkrasen (Cynosurion-Gesellschaften), die an trittbelasteten, als Spiel- und Lagerwiese genutzten Stellen in Weidelgras-Trittrasen übergehen. Kleinere, extensiv gepflegte Teile großer Parks bzw. der überwiegende Teil peripher gelegener Parks (z.B. Pfaueninsel) mit geringer bis fehlender Trittbelastung weisen zweischürige Wiesengesellschaften (Arrhenatheretalia-Gesellschaften) auf. Sandige Partien zeigen Übergänge bis hin zu Sandtrockenrasen (Armerion elongatae-Gesellschaften), und auf der Pfaueninsel ist auf kleiner Fläche sogar eine Silbergrasflur (Corynephorion-Gesellschaften) zu finden.

Ornamentale Zierpflanzungen spielen nur in speziellen flächenmäßig eher kleinen Teilen der großen Parks eine Rolle. In diesen repräsentativen Bereichen mit ihrer intensiven Pflege sind zusammen mit Sommerblumen, Stauden und Kleingehölzen die üblichen Hackunkrautfluren anzutreffen.

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Abb. 7: Halbschematischer Schnitt durch eine mehr als 50 ha große Parkanlage mit den Vegetationstypen Parkwald und Freiflächen großer Parks; Beispiel: Großer Tiergarten (nach SenStadtUm 1985, Abb. 6)

Ein weiteres Beispiel für Freiräume im besiedelten Bereich ist die Vegetation auf Bahnbrachen (211) mit der Einheiten-Kombination: Quecken-Halbtrockenrasen (25 %), Birken-Vorwälder (20 %) sowie Robinien-Vorwälder (15 %). Nicht selten befindet sich in enger Nachbarschaft auf in Betrieb befindlichen Bahnanlagen der Vegetationstyp Salzkraut-Herbizidvegetation (5 %) und Queckenfluren (5 %) (212) (vgl. Abb. 8).

Bahnbrachen hatten in Berlin aufgrund der politischen Sonderentwicklung über den relativ langen Zeitraum von 40 Jahren die Möglichkeit einer ungestörten Entwicklung. Dabei haben Substratunterschiede (u.a. Schotterschüttungen, sandige und kiesige Aufschüttungen sowie Abgrabungen) ebenso differenzierend gewirkt wie endogene Prozesse der Vegetationsentwicklung mit diversen Ausbreitungsvorgängen und Konkurrenzbeziehungen.

Durch die relativ lange Zeitspanne ungestörter Sukzession konnten Gehölzbestände einen größeren Flächenanteil einnehmen. Dabei halten sich flächenmäßig Robinien- und Birkenvorwälder in etwa die Waage, während andere Baumarten (Pappel, Weichsel, Götterbaum, u.a.) nur kleine Wäldchen aufbauen konnten. Unter Birke bildet meist das Platthalm-Rispengras (Poa compressa) größere Bestände, während unter Robinie stets die Gemeine Rispe und das Schöllkraut gedeihen. Außerdem ist hier oft eine Strauchschicht aus Schwarzem Holunder (Sambucus nigra) vorhanden. Auf angeschnittenen Geschiebelehm-Standorten hat sich auch der Hainrispengras-Spitzahorn-Stadtwald etabliert.

Neben diesen Gehölzbeständen finden sich Landreitgras-Bestände, die zu den Halbtrockenrasen (Agropyretea-Gesellschaften) gestellt werden können. Auf flachgründigen Schottern bilden Sandtrockenrasen (Festuco-Sedetalia-Gesellschaften) und Silbergrasfluren lockeren Bewuchs.

Auf den noch oder wieder in Betrieb befindlichen Bahnanlagen sorgen der mit jedem Bahnbetrieb zwangsläufig verbundene Herbizideinsatz und die extremen Standortbedingungen (Schotterschüttungen) in unmittelbarer Gleisnähe für eine vegetationsfreie Zone. Daran schließt sich eine Zone mit der herbizidtoleranten, ansonsten konkurrenzschwachen Salzkraut-Gesellschaft (Salsola kali-Gesellschaft) an, zu der noch weitere einjährige Arten wie das Kanadische Berufskraut (Conyza canadensis) oder das Klebrige Greiskraut (Senecio viscosus) gehören. Die daran anschließende, schon weniger von Herbiziden in Mitleidenschaft gezogene Zone besteht zu großen Teilen aus artenreicheren ruderalen Halbtrockenrasen, in denen aber auch einzelne Arten wie das Landreitgras (Calamagrostis epigejos) zur Dominanz gelangen können. In der darauffolgenden Zone, die nur noch episodisch Herbizideinwirkungen unterliegt, wechseln sich ruderale Hochstaudenfluren [z.B. Bestände aus Kanadischer Goldrute (Solidago canadensis)] mit Gehölzaufwuchs, der oft Robinie enthält, ab. Diese äußere Zone vermittelt zur Vegetation der Bahnbrachen, ist aber aus Platzgründen nicht an allen Bahnanlagen ausgebildet.

Abbildung 8 - Dummy
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Abb. 8: Halbschematischer Schnitt durch eine brachgefallene, nicht mehr genutzte Bahnanlage in Kombination mit einem in Betrieb befindlichen Bahngleis; Beispiel: Yorckstraße (Kreuzberg) (nach SenStadtUm 1985, Abb. 4).

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