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Umweltatlas Berlin

05.02 Vegetation

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Vegetation im bebauten Bereich

Sie wird stark von gepflanzten Elementen beherrscht. Straßenbäume und Bäume in den Höfen oder im Rahmen des Abstandsgrüns sind ebenso gepflanzt wie die Obstbäume in den verschiedenen Gartentypen. Strauchförmig wachsende Gehölze sind weitere, häufig eingesetzte Gestaltungselemente sowohl im öffentlichen wie im privaten Grün. Weiterhin sind meist gut gewässerte und häufig geschnittene Rasenflächen ein immer wiederkehrendes Vegetationselement besonders in den baulich weniger stark verdichteten Gebieten. Die Rasenflächen lassen sich aufgrund des im Lauf der Zeit stattfindenden spontanen Einwanderns von Wildarten bzw. von Artmächtigkeitsverschiebungen bei den zur Ansaat gelangten Pflanzenarten schon als halbspontane Vegetationsform bezeichnen. Weiterhin müssen diverse Stauden- und Sommerblumenpflanzungen zu einem häufigen Element der Vegetation bebauter Bereiche gerechnet werden.

Neben all diesen gepflanzten oder gesäten Elementen finden sich immer wieder Pflanzen, die aufgrund ihrer Lebensform (life form) auch in mechanisch wie chemisch stark belasteten städtischen Räumen spontan siedeln können. Zwischen und unter den gepflanzten Pflanzen wachsen Arten, die sich als sogenannte Unkräuter auch in Gärten oder auf Feldern wiederfinden. Trotz Bekämpfung können sie sich immer wieder etablieren. Daneben gibt es aber auch Pflanzenarten, die in so extremen Lebensräumen wie Pflasterritzen ihr Auskommen finden. Zusammenfassend muss im Bereich der Bebauung je nach Nutzung oder Belastung von einem Mosaik an kleinteilig verzahnten Lebensgemeinschaften von Pflanzen (Phytocoenosen) ausgegangen werden, die zwar im einzelnen im Maßstab 1 : 50 000 nicht darstellbar, doch in ihrer quartierstypischen Zusammensetzung durchaus charakterisierbar sind. Abbildung 4 zeigt für alle Vegetationstypen des bebauten Bereichs die flächenmäßig wichtigsten Kombinations- und Aggregationsgesellschaften.

Als Beispiel wird im folgenden der Vegetationstyp 102: Blockbebauung mit Baumbeständen mit Unkrautfluren (5 %) oder Weidelgras-Trittrasen (5 %) sowie Strauchpflanzungen mit Hackunkrautfluren (5 %) beschrieben, der auf den Flächentypen geschlossener Hinterhof und Hinterhof anzutreffen ist (vgl. Abb. 5). In diesen stark versiegelten Stadtquartieren innerhalb des inneren S-Bahnringes bieten im Straßenraum die Baumscheiben der gepflanzten Straßenbäume (häufig Lindenarten) und unversiegelte Teile der Hinterhöfe Raum für Vegetation. In manchen Straßenzügen sind auch zusammenhängende schmale Vorgärten vorhanden. Auf den unterschiedlich stark durch Tritt und Hundeexkremente belasteten Baumscheiben kommen kurzlebige Trittgesellschaften (Polygonion-Gesellschaften), Mäusegerstefluren (Bromo-Hordeetum murini), manchmal auch fragmentarisch ausgebildete Hochstaudenfluren (Artemisietalia-Gesellschaften) vor. Neben der in Pflasterritzen mit hoher Stetigkeit auftretenden Silbermoos-Mastkraut-Gesellschaft (Sagino-Bryetum) gibt es an wenig begangenen Pflasterbereichen kleinflächige Entwicklungen bis hin zu Weidelgras-Trittrasen (Lolio-Plantaginion-Gesellschaften).

In den durch enge Bebauung und/oder durch meist gepflanzte Bäume (oft Kastanien) schattigen Hinterhöfen finden sich fast immer gepflanzte Sträucher und Stauden. Meist sind, einem intensiveren Pflegeregime entsprechend, Hackunkrautfluren (Chenopodietalia-Gesellschaften) mit ihnen vergesellschaftet. Wässern im Sommer und Beschattung bedingen hier ein feuchtes Kleinklima, welches auch mesophytische Stauden (z.B. Farne, Hortensien) gut gedeihen lässt und der Weidenröschen-Brunnenlebermoos-Gesellschaft (Epilobium-Marchantia-Gesellschaften) die Existenz ermöglicht. Zierrasen spielen eine sehr untergeordnete Rolle; eher sind Weidelgras-Trittrasen anzutreffen.

Ab und zu konnten sich in unzugänglichen Teilen von Hinterhöfen spontane Baumbestände aus hauptsächlich Spitzahorn mit Hainrispengras (Poa nemoralis) im Unterwuchs, in manchen Fällen auch Bestände aus Robinie oder Eschenahorn entwickeln. Durch die gegenüber dem Umland erhöhten Temperaturen kommen in Spalten, z.B. zwischen Hauswänden und Gehflächen, immer wieder spontan Götterbäume (Ailanthus altissima) auf.

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Abb. 5: Halbschematischer Schnitt durch einen Bereich mit Blockbebauung; Beispiel: Holsteinische/Nassauische Straße (Wilmersdorf) (nach SenStadtUm 1985, Abb. 1)

Als weiteres Beispiel für die Vegetation bebauter Bereiche wird der Vegetationstyp 104: Großsiedlungen der 80/90er Jahre mit Strauchpflanzungen mit Queckenfluren (20 %), Weidelgras-Trittrasen (15 %) sowie Quecken- und ruderale Hochstaudenfluren (15 %) näher vorgestellt (vgl. Abb. 6):

Diese Neubaugebiete weisen einen geringeren Versieglungsgrad als ältere Großformbebauungen auf. Sie liegen größtenteils im Ostteil Berlins. Wegen ihres geringen Alters und aufgrund ihrer spezifischen Entwicklung hat sich hier ein eigenes Vegetationsmosaik ausgebildet. Ausgewachsene Bäume sind noch nicht vorhanden; die jungen Bäume sind noch als Teil der weitläufigen Strauchpflanzungen aufzufassen. Auch wenn der Boden in diesen Pflanzungen inzwischen oft mit Rindenmulch abgedeckt wurde, sind innerhalb der Gehölzpflanzungen Queckenrasen (Agropyretalia-Gesellschaften) aber auch Arten der ruderalen Hochstaudenfluren (Artemisietalia-Arten) und ebenso der Hackunkrautfluren nachweisbar.

In den von Großbauten umschlossenen Innenhöfen sind neben Gehölzpflanzungen großflächig Weidelgras-Trittrasen anzutreffen. Die außerdem nicht selten auftretenden Ruderalfluren (Queckenrasen und Hochstaudenfluren) finden sich eher in Randbereichen, z.B. im Raum zwischen Straße und eigentlicher Bebauung.

Da z.zt. umfangreiche gärtnerische Bemühungen erkennbar sind, das Wachstum der Bäume voranschreitet und die Vegetation auch eigenständigen Entwicklungen unterliegt, muss damit gerechnet werden, dass dieser Vegetationstyp in einigen Jahrzehnten sich entweder in Richtung 115 (Zeilen- und Großformenbebauung) oder bei gleichbleibend intensiver Nutzung der Innenhöfe in Richtung 110 (Sanierungsgebiete) entwickeln wird.

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Abb. 6: Halbschematischer Schnitt durch eine Großsiedlung der 80/90er Jahre; Beispiel: Lily-Braun-Straße Ecke Am Baltenring (Hellersdorf) (nach Seidling 1993, entworfen nach Gründel et al. 1993, Karte 11)

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