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Umweltatlas Berlin

05.02 Vegetation

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Methode

Die Erstellung der vorliegenden Karte beruht auf einem Gefüge aufeinander aufbauender Methoden. Grundlegend ist die Technik der Vegetationserhebung im Gelände mit dem in Mitteleuropa üblichen, flächenorientierten Verfahren nach Braun-Blanquet 1964. Elementare Erhebungseinheiten sind Vegetationsaufnahmen auf wenigen bis zu einigen hundert Quadratmeter großen Flächen mit einheitlicher Vegetationsstruktur. Diese enthalten u.a. die floristische Zusammensetzung einschließlich artbezogener Deckungsgrade. Die anschließende Tabellenarbeit dient der Typisierung, die entsprechend der genannten Schule vor allem auf floristischen Kriterien im Rahmen eines hierarchischen Gesamtkonzeptes (Pflanzensoziologie im engeren Sinne) beruht. Sowohl die zugrundeliegenden Vegetationsaufnahmen als auch die Ausweisung der Vegetationseinheiten für den anvisierten Maßstab wurden der vorliegenden Literatur entnommen, entsprechend wurden keine neuen Vegetationsaufnahmen gemacht.

Die Berücksichtigung der im pflanzensoziologischen System weitgehend ausgesparten gepflanzten Vegetation wird über die Bildung von Kombinationsgesellschaften erreicht. Dazu wurden zunächst Schätzungen des gepflanzten Anteils (Deckungsgrad) nach Straten vorgenommen. Zusammen mit der jeweils dominierenden spontanen Vegetation wird eine Kombinationsgesellschaft gebildet, die z.B. als "Strauchpflanzung mit Hackunkrautflur (Chenopodietalia-Gesellschaft)" bezeichnet wird. Treten Pflanzengesellschaften im kleinflächigen mehr oder weniger regelhaften Wechsel auf, so wurden diese ebenfalls zusammengefasst. Die so gebildeten Einheiten werden als Aggregationsgesellschaften bezeichnet. In ihnen sind mehrere Pflanzengesellschaften zu einem Typ auf hohem soziologischen Rang - der Verbands-, Ordnungs- oder sogar Klassenebene - zusammengefasst. Das Schema in Abbildung 2 skizziert beide Herleitungsvorgänge.

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Abb. 2: Schema zur Herleitung der Grundeinheiten beim gemeinsamen Auftreten gepflanzter und ungepflanzter Vegetation

Der nächste Schritt bei der Erstellung der Vegetationstypenkarte war die Zuordnung dieser Grundeinheiten zu den vorgegebenen Flächentypen, wobei aufgrund des Fehlens spezifischer Untersuchungen zum gepflanzten Teil der Vegetation Mengenschätzungen nur der jeweils häufigsten drei bis vier Grundeinheiten (das sind Aggregations- und Kombinationsgesellschaften gleichermaßen) in 5 %-Intervallen vorgenommen wurden. Anschließend erfolgte eine numerische Ähnlichkeitsanalyse (Clusteranalyse; vgl. Wildi und Orloci 1983), deren Ergebnis für den besiedelten Bereich zur Ausweisung von 15 Vegetationstypen führte (101 bis 115 in Abb. 4); ein Typ, die Vegetation an Sportstätten etc., wurde zu den Freiflächen (201) gestellt.

Die Benennung der Vegetationstypen erfolgte zunächst anhand der drei dominanten Grundeinheiten unter zusätzlicher Angabe prozentualer Flächenanteile. Diese sind gleichzeitig als ein Maß für die statistische Wahrscheinlichkeit des Auftretens der jeweiligen Grundeinheit auf einem beliebigen Geländeausschnitt innerhalb eines Vegetationstyps aufzufassen. Für den besiedelten Bereich werden in Klammern die wichtigsten Flächennutzungstypen angegeben, die durch den entsprechenden Vegetationstyp charakterisiert werden. Für den Außenbereich wurde auf eine Clusteranalyse verzichtet. Die Benennung folgt aber mit Ausnahme der Forstgebiete den eben dargestellten Regeln.

Auch die Forstgebiete tragen eine Mischung aus gepflanzter und spontaner Vegetation. Da die momentane Sichtweise keine nomenklatorische Trennung beider Komponenten beinhaltet (vgl. Zerbe und Sukopp 1995), wurde von dem sonst eingehaltenen Konzept abgewichen und die Vegetationtypen in den Forstgebieten in idealisierender Weise gesamtheitlich bezeichnet, zumal für eine differenzierte, die einzelnen Forstgesellschaften berücksichtigende Betrachtungsweise, ein erheblicher Bearbeitungsmehraufwand nötig gewesen wäre. Deshalb kommt bei den forstlich genutzten Flächen der Begriff Gesellschaftsreihe nach Scamoni 1963 zur Anwendung. Er umfasst die naturnahe Ausprägung der Waldgesellschaft eines bestimmten Standorttyps ebenso wie alle seine forstlich bedingten Abwandlungen. Danach gehört ein Kiefern- oder Fichtenforst auf dem Standort eines frischen Eichen-Hainbuchenwaldes zu diesem.

Um trotzdem zu einer Unterscheidung forstlich stark abgewandelter Bereiche (z.B. junge Kiefernpflanzungen nach Kahlschlag im Ostteil der Stadt) von solchen mit einem höheren Anteil naturnäherer Bestände zu kommen, wurde allen Einzelbeständen nach Abbildung 3a ein Hemerobiewert zugeordnet. Diese Werte wurden auf der Ebene einzelner Jagen anteilsmäßig gewichtet gemittelt (vgl. Formel (1), Abb. 3b) und schließlich den in der Karte dargestellten Klassen zugeordnet (vgl. Abb. 3c).

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Abb. 3: Ermittlung der Hemerobieklassen

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