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Umweltatlas Berlin

05.02 Vegetation

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Problemstellung

Die Summe aller an einem Ort wachsender Pflanzen ist seine Vegetation. Ein solches Pflanzenkleid ist überall dort vorhanden, wo die Art der exponierten Oberfläche und deren Nutzung, Pflege, etc. ein Wachstum von Pflanzen zulässt. Dabei finden im wesentlichen nur solche Vegetationstypen Berücksichtigung, die zumindest zu einem Teil aus Höheren Pflanzen (Gefäßpflanzen) bestehen. Flechten- und Moosbewuchs auf Mauern oder Dächern sind ebenso wenig berücksichtigt wie die Algenvegetation in Gewässern. Damit beschränkt sich die zu betrachtende Fläche auf den unversiegelten terrestrischen Teil Berlins (vgl. Karte 01.02, SenStadtUm 1993a, 1996d) unter Einschluss der Gewässerufer mit ihren Röhricht- und Schwimmblattbeständen.

Die reale Vegetation eines Siedlungsraumes besteht aus zwei Komponenten (zur Abgrenzung untereinander und gegenüber der potentiellen natürlichen Vegetation sowie weiteren Konzepten siehe Abb. 1). Einerseits sind dies die vom Menschen geschaffenen Kulturen, die gepflanzte Vegetation. Zu ihnen zählen landwirtschaftliche Ansaaten und Pflanzungen sowie straßenbegleitende Baumreihen und Anpflanzungen von Sträuchern und Zierstauden. Mit diesen Pflanzenbeständen wird ein wirtschaftlicher, ästhetischer oder ein Schutzzweck verfolgt. Sie werden deshalb zweckentsprechend gepflegt. Andererseits besiedeln Pflanzen jegliches erreichbare, offene Stück Bodens von selbst. Für die Zusammensetzung dieser spontanen Vegetation spielen eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle. Grob umrissen sind das:

  • die Vorkommen von Ausbreitungs- und Überdauerungseinheiten, wie Samen oder Rhizomteile von Pflanzen,
  • die abiotischen Eigenschaften des Bodens und des Wuchsortes einschließlich seiner mikroklimatischen Situation, wobei artspezifisch hinsichtlich Keimungs-, Etablierungs-, Wachstums- und Reifungsbedingung zu unterscheiden ist,
  • die Effektivität von Bekämpfungsmaßnahmen, wie sie in Gärten und Parkanlagen durchgeführt werden,
  • die Art und Häufigkeit aller sonstigen Störungen, denen ein Pflanzenstandort unterworfen sein kann.

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Abb. 1: Übersicht zur Verwendung des Begriffs "reale Vegetation" im zeitlich-historischen Rahmen und hinsichtlich verschiedener Ableitungs- bzw. Erkenntnisebenen

Die lokale Ausprägung all dieser Faktoren filtert aus der Gesamtheit der in einer Region zur Verfügung stehenden Pflanzenarten (deren Flora) diejenigen heraus, die unter den jeweiligen Standortbedingungen ihr Aus- und Fortkommen finden können. Jede mehr oder weniger regelhafte zeitliche Abfolge von Pflanzengesellschaften, vor allem, wenn sie über einen längeren Zeitraum ungestört verläuft, wird unter dem Begriff Sukzession gefasst. Diese führt im Berliner Raum nach unserem heutigen Wissen auf unversiegeltem terrestrischen Standort langfristig zu einem Wald.

Im historischen Rahmen hat sich mit den vielfältigen stadtentwicklungsbedingten Veränderungen der Flächennutzungen eine stadtspezifische Vegetation entwickelt. Ein frühes Stadium dieses Prozesses hat Adelbert von Chamisso 1827 treffend beschrieben: "Wo der gesittete Mensch einwandert, verändert sich vor ihm die Ansicht der Natur ... die Wälder lichten sich; ... seine Pflanzungen und Saaten breiten sich um seine Wohnung aus; ... In seinen Gärten und Feldern wuchern als Unkraut unter den Gewächsen, die er anbaut, eine Menge Pflanzen, die sich freiwillig denselben zugesellen ..." (vgl. Lohmeyer und Sukopp 1992). Die ursprüngliche Vegetation konnte sich nur in Resten auf forstlich genutzten Flächen bzw. in Gewässern und Mooren halten, obwohl sich auch hier direkte und indirekte Auswirkungen menschlicher Aktivitäten (z.B. Immissionen, Grundwasserabsenkungen, forstliche Eingriffe) bemerkbar machen. Ansonsten besteht ein enger Zusammenhang zwischen vorherrschender Flächennutzung und der Ausbildung des Vegetationsmosaiks. Damit tritt die naturräumliche Bindung der Vegetation im eigentlich städtischen Raum zurück, zumal hier durch Aufschüttung etc. auch eine Nivellierung der Substrate stattgefunden hat und weiterhin stattfindet (vgl. Karte 01.01, SenStadtUmTech 1997a, 1997b).

Sowohl die gepflanzte wie die spontane Vegetation erfüllen vielfältige Aufgaben. Ihre Elemente, die Pflanzen, sind als photoautotrophe Organismen an Land die einzigen Produzenten komplexer organischer Molekülstrukturen aus Kohlendioxid, Wasser und gelösten Mineralstoffen, außerdem geben sie als Nebenprodukt bei der Photosynthese Sauerstoff ab. Sie stellen im ökosystemaren Rahmen die Nahrungsgrundlage für alle Primärkonsumenten einschließlich des Menschen und indirekt aller von diesen wiederum abhängigen Räuber und Parasiten dar. Daneben spielen sie als Habitatrequisiten für eine Vielzahl von Tieren eine große Rolle, wozu im weitesten Sinne auch das menschliche Bedürfnis nach einer grünen Umgebung gerechnet werden kann. Letzteres lässt sich aber auch als eine soziale Funktion städtischen Grüns auffassen.

Neben den genannten Aspekten sind Wirkungen von Pflanzen zu nennen, die besonders in einem Ballungsraum für den Menschen relevant sind: So hat das Ausfiltern luftgetragener Stäube und Gase lufthygienische Bedeutung. Weiterhin beschatten Bäume die überheizten städtischen Freiräume (vgl. Karte 04.02, SenStadtUm 1993b, 1996e und Karte 04.06, SenStadtUm 1993c, 1996f). Außerdem verhindern Pflanzen den Bodenabtrag an Böschungen usw. (Erosionsschutz).

Damit kommt der Vegetation - gerade in der städtischen Umwelt - insgesamt eine bedeutende Rolle zu. Eine Auseinandersetzung mit ihren qualitativen und quantitativen Aspekten ist darum im Rahmen stadt- und regionalplanerischer Fragestellungen von großer Bedeutung.

Die Vegetationstypen sind eine Grundlage zur vegetationskundlichen (Grob)Bewertung einer Fläche, die durch einen Eingriff verändert werden soll. Dies gilt besonders für große Vorhaben oder großmaßstäbliche Planungen. Es wird deutlich, welcher Vegetationstyp verloren geht, und über die Kenntnis der zukünftigen Nutzung kann auf den nachfolgenden Vegetationstyp geschlossen werden.

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