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Umweltatlas Berlin

04.04 Temperatur- und Feuchteverhältnisse in mäßig austauscharmen Strahlungsnächten (Ausgabe 1993)

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Kartenbeschreibung

Karte 04.04.4 Meßrouten und Meßstationen

In diesem Kartenteil sind alle Meßrouten und Klimastationen enthalten, die für die Klimakarten im Umweltatlas als Datengrundlage verwendet wurden, d. h. neben den aktuellen Meßrouten sind auch die in den Jahren 1981 - 83 in West-Berlin gefahrenen Routen enthalten. Aus Gründen der Übersichtlichkeit fehlen lediglich kleinere Ergänzungsstrecken.

Mit dem Meßwagen des Fachgebietes Bioklimatologie der TU Berlin wurden die Lufttemperatur und die Luftfeuchte in 2 m Höhe und die Windgeschwindigkeit und Windrichtung in 2,70 m und 6,70 m Höhe gemessen.

Die Betriebsdauer der Stationen war nicht einheitlich. Im Ostteil der Stadt wurde von Juni 1991 bis Mai 1992 gemessen. Die Daten am Alexanderplatz und am Ostkreuz hat das Wetteramt Berlin des Deutschen Wetterdienstes zur Verfügung gestellt. Im Westteil von Berlin fanden die meisten Messungen von 1981 bis 1983 statt, wobei aber zum Vergleich mit den Daten aus 1991/92 einige Stationen im Westteil reaktiviert bzw. neu eingerichtet wurden.

Karte 04.04.1 Verteilung der Lufttemperatur

Die Temperaturunterschiede innerhalb des Stadtgebietes fallen in Strahlungsnächten bei schwachen bis mäßigen Winden erheblich höher aus als im langjährigen Mittel (vgl. Karte 04.02, SenStadtUm 1993a). Da es sich um eine Auswahl bestimmter Wetterlagen handelt, ist die Höhe der Temperaturen nicht übertragbar auf die gesamte Jahreszeit. Jedoch kann davon ausgegangen werden, daß die räumliche Verteilung der Isothermen vergleichsweise repräsentativ ist.

Die überwärmtesten Bereiche mit Mitteltemperaturen über 19 °C sind dort zu finden, wo die Bebauung am dichtesten ist, also vor allem in Charlottenburg, Mitte, Kreuzberg, Schöneberg und dem nördlichen Teil von Wilmersdorf. Dabei stellen sich jedoch die wärmsten Gebiete nicht als so geschlossene Bereiche dar, wie es die Bebauungsdichte vermuten ließe. So liegt im dicht bebauten Moabit, aber auch in Friedrichshain und Prenzlauer Berg die Temperatur unter 19 °C. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, daß im Sommer 1991 die Winde vorwiegend aus östlichen und nordwestlichen Richtungen wehten, so daß die Wärmeinsel leewärts verschoben wurde. Temperaturen über 18 °C kennzeichnen im wesentlichen das Gebiet innerhalb des S-Bahn-Ringes, aber auch Spandau, Tegel, die Altstadt von Köpenick und die Hochhaussiedlungen Märkisches Viertel und Gropiusstadt. Die demgegenüber geringeren Temperaturen der Großsiedlungen in Marzahn und Hellersdorf sind auf die Nachbarschaft der großen offenen Freiräume zurückzuführen.

Deutlich heben sich Grünanlagen und Kleingartengebiete gegenüber der Innenstadt durch Temperaturen unter 17 °C ab, während größere Freiräume in Stadtrandnähe (z. B. Teile der Königsheide und der angrenzenden Kleingärten) Werte von unter 16 °C aufweisen. Die großen Gewässer liegen im Bereich zwischen 16 und 17 °C.

Waldgebiete zeichnen sich im allgemeinen durch Temperaturen unter 15 bzw. 16 °C aus. Tiefgelegene Waldlichtungen wie Saubucht und Teufelsfenn liegen sogar unter 14 °C. Besonders kühl mit Werten um 13 °C sind Teile der Krummendammer Heide nordöstlich des Großen Müggelsees.

Karte 04.04.2 Verteilung der relativen Luftfeuchte

Da der Dampfdruck innerhalb des Stadtgebietes zeitlich und örtlich je nach Quelle oder Senke zwar kleinräumig variiert, aber insgesamt keine großen Unterschiede aufweist, hängt die relative Luftfeuchte im wesentlichen von der Lufttemperatur ab. Somit verhält sich die Verteilung der relativen Feuchte in vielen Bereichen der Stadt umgekehrt proportional zur Temperatur.

Die dichtbebauten Wohngebiete des Stadtzentrums, vor allem in Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Schöneweide sind mit unter 60 % relative Feuchte (r. F.) am trockensten. Die daran anschließenden wenig durchgrünten Gebiete liegen zwischen 60 und 65 % r.F. Mit abnehmender Bebauungsdichte und zunehmender Durchgrünung nimmt die relative Feuchte deutlich zu. Die südlichen Stadtrand- und Außenbereiche sowie auch der größte Teil des Grunewaldes erreichen 70 bis 75 % r. F.; in der Grunewaldseenrinne und den Senken im Grunewald (Pechsee, Saubucht, Teufelsfenn, Postfenn) beträgt die Luftfeuchtigkeit sogar 75 bis 80 %. Dies gilt auch für die größeren Oberflächengewässer, weite Teile der land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen im Umland und den gesamten nördlichen Stadtrand.

Das hohe Feuchtedefizit in der Innenstadt auch noch in den Nachtstunden bewirkt eine beträchtliche potentielle Verdunstungsrate. Die hohen Werte relativer Luftfeuchte schließen hingegen Gebiete ein, die sich durch eine erhöhte Nebelgefährdung auszeichnen. Die Nebelhäufigkeit ist im Umland also größer einzustufen als in der Innenstadt.

Karte 04.04.3 Verteilung der Äquivalenttemperatur

Die absolute Höhe der dargestellten Äquivalenttemperatur ist aufgrund der Auswahl der Wetterlagen und der Nachtstunden nicht ausschlaggebend; den wesentlichen Informationsgehalt liefern vielmehr die relativen Unterschiede in der Stadtlandschaft. Somit lassen sich lediglich schwülegefährdete Bereiche abgrenzen.

Die Gebiete mit den höchsten Äquivalenttemperaturen (über 40 °C) finden sich im Kerngebiet des Westteils von Berlin, in den Industriegebieten von Tegel (Borsigwerke) und im Spreetal (Siemensstadt, Haselhorst). Die dichtbebauten Gebiete von Charlottenburg, Wilmersdorf, Schöneberg, Spandau, Tegel, Neukölln, Köpenick, außerdem einige Hochhaussiedlungen und Industriegebiete am Teltowkanal sowie auch der Große Müggelsee und einige Stadtteilzentren liegen bei 39 bis 40 °C. Andere dichter bebaute Bereiche im West- und Ostteil der Stadt sowie einige Gewässer, ebenso auch das Industriegebiet von Hennigsdorf weisen Werte über 38 °C auf. Auffällig ist, daß die Gebiete dichter Bebauung im Ostteil Berlins wie in Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain mit 38 bis 39 °C geringere Werte zeigen als vergleichbare Gebiete im Westteil. Wahrscheinlich spielen hier die bevorzugten Windrichtungen aus Ost, d. h. aus den großflächigen, weniger schwülebelasteten Freiräumen des Stadtrandes eine Rolle.

Der südliche Stadtrand und die südlichen Außenbereiche liegen mit einer Äquivalenttemperatur von 36 bis 37 °C deutlich unter den Werten des Stadtzentrums. Im nördlichen, westlichen und östlichen Umland liegen die Werte noch niedriger. Die geringsten Äquivalenttemperaturen mit unter 31 °C zeigen sich in der tief gelegenen Saubucht im Grunewald.

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