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Umweltatlas Berlin

04.04 Temperatur- und Feuchteverhältnisse in mäßig austauscharmen Strahlungsnächten (Ausgabe 1993)

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Relative Luftfeuchte

Die relative Luftfeuchte (Sättigungsgrad der Luft mit Wasserdampf) ergibt sich aus der Lufttemperatur und dem in der Atmosphäre vorhandenen Dampfdruck (Wasserdampfgehalt der Luft). Der Wasserdampfgehalt wird erhöht vor allem durch Verdunstungsprozesse (Gewässeroberflächen, Vegetation), Atmung, insbesondere der Pflanzen (Transpiration) und Wasserdampfzufuhr durch Industrie, Gewerbe und Haushalte. Umgekehrt verringert sich der Wasserdampfgehalt durch Erniedrigung des Verdunstungspotentials z. B. infolge Grundwasserabsenkung und Versiegelung des Bodens.

Der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre unterliegt damit in der Stadtlandschaft sehr vielfältigen Randbedingungen. Das Vegetationsdefizit in den dicht bebauten Zentren muß nicht unbedingt zu einer Verringerung des Wasserdampfgehalts der Luft führen, da durch anthropogene Quellen nicht nur ein Ausgleich, sondern oftmals sogar auch ein erhöhtes Niveau geschaffen wird. In den Sommermonaten tritt dies deutlich in Erscheinung (s. Abb. 3). Kreuzberg, der Alexanderplatz und auch Hellersdorf zeigen z. B. leichte Erhöhungen gegenüber dem stark durchgrünten Zehlendorf. Im Kiefernbestand des Grunewaldes liegt der Dampfdruck höher als am baumfreien Standort Dahlemer Feld, da dort im Verlauf des Sommers aufgrund der zum Teil offenen Sandböden und der lückenhaften Vegetationsdecke nur wenig Wasserdampf produziert werden kann.

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Abb. 3: Mittelwerte des Dampfdrucks und der relativen Luftfeuchte in 2 m Höhe von Juni bis September 1991 an verschiedenen Standorten in Berlin

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[Die Datengrundlage der Abbildung liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Insgesamt sind die Dampfdruckunterschiede im Bereich der Stadt vergleichsweise gering, so daß sich die relative Luftfeuchte umgekehrt proportional zur Lufttemperatur verhält. Im Vergleich zum Grunewald liegt die relative Feuchte in den bebauten Bereichen im Mittel um 4 bis 11 % niedriger. Auf dem Dahlemer Feld führt die in den Nachtstunden besonders tiefe Lufttemperatur trotz des niedrigen Dampfdruckes zu einer Angleichung an die anderen Standorte.

Im Verlauf eines besonders warmen Tages zeigen sich die Standortunterschiede im Dampfdruck deutlicher als im Monatsmittel (s. Abb. 4). Der Tagesgang eines Standortes selbst ist dagegen nur in den Außenbereichen der Stadt und nur bei der relativen Luftfeuchte stärker ausgeprägt. An diesem Tag kommt es zur Ausbildung einer normalen Doppelwelle im Dampfdruck, die durch ein Minimum in den frühen Morgenstunden (Taubildung und Reduzierung der Transpiration) und durch eine Unterbrechung des Maximums in den Mittags- und Nachmittagsstunden aufgrund eines verstärkten Luftaustausches gekennzeichnet ist. Aufgrund der hohen Temperatur dieses Tages wird über dem gut belüfteten Dahlemer Feld ein hohes Feuchtedefizit hervorgerufen. Nachts wird hier dagegen durch die starke Abkühlung schon in 2 m Höhe mit über 90 % nahezu eine Feuchtesättigung erreicht, so daß am Boden Taubildung eintreten wird. Auch am Waldstandort Grunewald zeigt sich eine relativ große Tagesamplitude.

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Abb. 4: Tagesgang des Dampfdruckes und der relativen Luftfeuchte an einem heißen austauscharmen Strahlungstag (8. Juli 1991) an verschiedenen Standorten in Berlin

Excel
[Die Datengrundlage der Abbildung liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Mit einem nächtlichen Feuchtedefizit von über 20 % erweisen sich die bebauten Stadtbereiche gegenüber den Standorten Dahlemer Feld und Grunewald nachts als relativ trocken, wohingegen in den Tagesstunden zeitweise ein höherer Wert als über dem Dahlemer Feld und dem Grunewald vorhanden sein kann. An den städtischen Standorten Kreuzberg und Alexanderplatz tragen mit Sicherheit anthropogene Quellen zu dem vergleichsweise hohen Dampfdruck bei.

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