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Umweltatlas Berlin

03.12 Langjährige Entwicklung der Luftqualität (Ausgabe 2018)

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Immissionen

An allen Messstationen wurden Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid (mit dem Chemolumineszenzverfahren), an elf Stationen Partikel der PM10-Fraktion (durch Messung der Streuung von Licht an Staubpartikeln), an 7 Stationen Ozon (durch Absorption von UV-Strahlung), an zwei Stationen Kohlenmonoxid (durch Absorption von Infrarotstrahlung), an vier Stationen Benzol (durch Gaschromatographie) und an zwei Stationen Schwefeldioxid (durch UV-Fluoreszenz) gemessen. An drei bzw. vier Messstellen wurden in der PM10-Fraktion zusätzlich Schwermetalle und Benzo(a)pyren bestimmt.

Die Stationen sind so im Stadtgebiet verteilt, dass verschiedene räumliche Einflussfaktoren ermittelt werden können. Von den 16 Stationen liegen sechs an stark befahrenen Straßen, fünf im innerstädtischen Hintergrund (Wohn- und Gewerbegebiete) und fünf im Stadtrand- und Waldbereich. Drei Stationen sind mit Geräten zur Benzol- und Toluolmessung ausgerüstet.

Die Messwerte des Vortages werden werktäglich gegen 12 Uhr an einige Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen zur Veröffentlichung übermittelt. Parallel dazu werden täglich die Daten auch ins Internet eingespeist und können dort ( Tageswerte des BLUME-Messnetzes ) abgerufen werden. Bei erhöhten Ozonkonzentrationen im Stadtgebiet wird die Bevölkerung auch durch einige Rundfunksender informiert. Auf den zusätzlichen Webauftritt des "Berliner Luftgütemessnetzes" mit seinem umfassenden Angebot an Daten und Bewertungen wurde bereits hingewiesen.

Monats- und Jahresberichte, die neben einer Bewertung des vorangegangenen Beobachtungszeitraumes auch Standorttabellen der Messstationen sowie einen Überblick über Grenz- und Zielwerte enthalten, sind ebenfalls online verfügbar.

Das Messnetz wurde seit 1997 um vorerst 20, inzwischen 23 kleine und preiswerte Probenahmegeräte an Straßen erweitert, deren Proben im Labor analysiert werden (RUBIS-Messnetz, Stand September 2018). Mit diesen miniaturisierten Geräten werden Benzol und Ruß als Wochenproben gesammelt. Zusätzlich wurden Passivsammler an diesen Orten zur Bestimmung von Stickoxiden angebracht. Diese Geräte sammeln Proben über eine Probenahmezeit von 14 Tagen, die dann im Labor analysiert werden. Diese manuell erzeugten Daten werden wegen des analysebedingten zeitlichen Versatzes zwischen Messung und Erhalt der Ergebnisse und ihrer geringen zeitlichen Auflösung ausschließlich als Jahresmittelwert in den Jahresberichten veröffentlicht.

Die Ergebnisse der Messungen der vergangenen Jahre lassen u.a. folgende Schlussfolgerungen zu:

  • Gegenüber den 70er und 80er Jahren konnte die Luftbelastung bei den meisten Luftschadstoffen um ein Vielfaches reduziert werden. So überschreiten die Schwefeldioxidkonzentrationen (Rückgang > 90 %) heute in keinem Fall mehr die festgelegten EU-Immissionswerte.
    Hinsichtlich PM10 hat sich die Situation deutlich gegenüber den Jahren am Anfang dieses Jahrhunderts verbessert. Allerdings ist die Belastung mit PM10 sehr stark von den meteorologischen Ausbreitungsbedingungen abhängig. So führen insbesondere winterliche schwachwindige Hochdruckwetterlagen mit südlichen bis östlichen Winden zu einer hohen Anreicherung der Luft im Berliner Raum mit PM10-Partikeln, die teilweise durch Ferntransport nach Berlin gelangen, teilweise auch in innerstädtischen Quellen, vor allem dem Straßenverkehr, ihre Herkunft haben. In den Jahren mit schlechteren Austauschbedingungen wie 2009-2011 und auch 2014 lagen die PM10-Jahresmittelwerte etwas höher, dagegen in den Jahren mit besseren Austauschbedingungen wie 2007 und 2008 sowie 2012, 2013, 2015, 2016 und 2017 entsprechend niedriger. Die an den Stationen des automatischen Messnetzes ermittelten PM10-Jahresmittelwerte für 2017 lagen am Stadtrand bei 16-18 µg/m3, im innerstädtischen Hintergrund bei 20-22 µg/m3 und an Schwerpunkten des Straßenverkehrs bei 23-28 µg/m3. Damit wurde der Grenzwert für das Jahresmittel auch an der höchst belasteten Messstelle nicht überschritten. Auch aus den RUBIS-Messungen ergaben sich im Jahr 2017 keine Hinweise auf Grenzwertüberschreitungen beim PM10 in Straßenschluchten. Auch der Kurzzeitgrenzwert für PM10 (das Tagesmittel darf den Wert von 50 µg/m3 im Jahr nur 35 mal überschreiten) wurde im Jahr 2017 an keiner Messstelle überschritten.
  • Es gibt aber weiterhin Stoffe, die regelmäßig die Grenzwerte, insbesondere im Einflussbereich von Straßen, überschreiten. Dazu gehört vor allem Stickstoffdioxid NO2, dessen Messwerte in Straßennähe 2017 zwischen 41 und 49 µg/m3 lagen. Der seit 2010 einzuhaltende Grenzwert der 39. BImSchV (40 µg/m3) wurde somit an allen sechs automatischen Straßenmessstellen überschritten, wenn auch an Station 174 (Frankfurter Allee) mit 41 µg/m3 nur knapp. Auch die Werte des bodennahen Ozons überschreiten in den Sommermonaten an einigen Standorten häufiger das festgelegte 8h-EU-Langfristziel. In Berlin wurde es im Sommer 2017 am Stadtrand und in der Innenstadt an bis zu 8 Tagen übertroffen. Der EU-weite Zielwert für 2010 von höchstens 25 Tagen pro Kalenderjahr, gemittelt über die letzten 3 Jahre, wurde 2017 eingehalten, da 15-24 Überschreitungen ermittelt wurden. Seit dem 01.01.2010 ist dieser Zielwert soweit wie möglich einzuhalten.
  • Verbesserungen der Luftwerte hängen mit vielen Komponenten zusammen. Die Deindustrialisierung Berlins und die Modernisierung der Anlagen, der Einsatz von Katalysatoren in Fahrzeugen und die Umstellung der Beheizung auf emissionsärmere Brennstoffe haben ihre Wirkung gezeigt.

Eine detaillierte, stets aktuelle Übersicht und Zusammenstellung über die Qualität der Berliner Luft wird online zur Verfügung gestellt.

Da Immissionen aber auch überregional und durch das Wettergeschehen beeinflusst werden, kann die Ursachenanalyse nicht nur lokal stattfinden, sondern muss auch dem Eintrag von Schadstoffen von außen, bis hin zum grenzüberschreitenden Transport nachgehen (vgl. hierzu wiederum Luftreinhalteplan 2011-2017).

In der vorliegenden Karte 03.12.1 Langjährige Entwicklung der Luftqualität - Immissionen wurden alle mit den genannten Messprogrammen in den letzten mehr als 40 Jahren ermittelten Daten zusammengestellt und statistisch-graphisch über die Messjahre aufbereitet. Über die räumliche Verteilung aktueller und ehemaliger Stationen und Messpunkte lassen sich die einzelnen Stationsdaten

  • Adresse
  • Art der Station
  • Umgebungsbeschreibung (einschl. Fotos)
  • Koordinaten
  • Messparameter
  • Messzeitraum
  • Messwerte (als Graphik und EXCEL-Tabellen)

abrufen.

Die Einteilung der Stationen erfolgte in Verkehrs-, Wohngebiets-, Industrie-, Stadtrand- und Meteorologiemessstationen.

Es sind insgesamt 187 Messstationen dargestellt. 39 Stationen sind davon heute noch in Betrieb (16 BLUME-Messcontainer und 23 RUBIS-Messpunkte, Stand September 2018).

Bei der graphischen Darstellung der Entwicklung der Parameter Gesamtstaub, Partikel (PM10), Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffdioxid (NO2), Stickstoffmonoxid (NO), Kohlenmonoxid (CO), Benzol und Ozon (O3) wurde auf die folgenden Grenzwerte Bezug genommen (sie dienen - wenn nicht anders erläutert - dem Gesundheitsschutz):

Tab. 3: Grenz- und Zielwerte für ausgewählte Luftschadstoffe (PM10, PM2,5, SO2, NO2, NOx, CO, Benzol, Ozon, Arsen, Kadmium, Nickel und Benzo(a)pyren)
Mittel über Grenzwert Einhaltungsfrist
24 h


1 Jahr

50 µg/m3 PM10
35 überschreitungen/Jahr

40 µg/m3 PM10
seit 01.01.2005


seit 01.01.2005
Indikator für durchschn.
PM2,5-Exposition, 1 Jahr

GW zum Gesundheitsschutz
Stufe 1, 1 Jahr

GW zum Gesundheitsschutz
Stufe 2, 1 Jahr

20 µg/m3 PM2,5


25 µg/m3 PM2,5


20 µg/m3 PM2,5
seit 01.01.2015


seit 01.01.2015


ab 01.01.2020
1 h


24 h


Mittel über Okt.-März
(zum Schutz von ökosystemen)
350 µg/m3 SO2
24 Überschreitungen/Jahr

125 µg/m3 SO2
3 Überschreitungen/Jahr

30 µg/m3 SO2
3 Überschreitungen/Jahr
seit 01.01.2005


seit 01.01.2005


seit 01.01.2005
1 h


1 Jahr

200 µg/m3 NO2
18 Überschreitungen/Jahr

40 µg/m3 NO2
seit 01.01.2010


seit 01.01.2010
1 Jahr
(zum Schutz von ökosystemen)
30 µg/m3 NOx seit 01.01.2002
8 h

10 µg/m3 CO
höchster 8-Stunden-Mittelwert eines Tages
seit 01.01.2005
1 Jahr

5 µg/m3 Benzol seit 01.01.2010
8 h
(Zielwert)
120 µg/m3 Ozon
höchster 8-Stunden-Mittelwert eines Tages
25 Überschreitungen/gemittelt über 3 Jahre
seit 01.01.2010
1 Jahr
(Kalenderjahr)
6 ng/m3 Arsen (im PM10)
(Zielwert)
seit 31.12.2012
1 Jahr
(Kalenderjahr)
5 ng/m3 Kadmium (im PM10)
(Zielwert)
seit 31.12.2012
1 Jahr
(Kalenderjahr)
20 ng/m3 Nickel (im PM10)
(Zielwert)
seit 31.12.2012
1 Jahr
(Kalenderjahr)
1 ng/m3 Benzo(a)pyren (im PM10)
(Zielwert)
seit 31.12.2012
1 Jahr
(Kalenderjahr)
0,5 µg/m3 Blei (im PM10)
(Grenzwert)
seit 01.01.2005
Tab. 3: Grenz- und Zielwerte für ausgewählte Luftschadstoffe
(PM10, PM2,5, SO2, NO2, NOx, CO, Benzol, Ozon, Kadmium, Nickel, Benzo(a)pyren und Blei)

Für PM2,5 ist ein Indikator für die durchschnittliche Exposition der Bevölkerung im städtischen Hintergrund (Average Exposure Indicator = AEI) definiert. Dieser wird für jeden EU-Mitgliedsstaat gesondert als gleitender Jahresmittelwert über drei Jahre aus den Werten der entsprechenden PM2,5-Messstellen ermittelt. Der AEI für das Referenzjahr 2010 ist als Mittelwert der Jahre 2008 bis 2010 definiert. Er betrug für das gesamte Bundesgebiet 16,4 µg/m3. Anhand des AEI 2010 ist ein nationales Reduktionsziel für PM2,5 bis zum Jahr 2020 nach der 39. BImSchV von 15 % festgelegt. Deshalb darf der AEI 2020 (Mittelwert der Jahre 2018 bis 2020) nicht mehr als 13,9 µg/m3 betragen.

Weitere gesetzlich festgelegte Grenz- und Zielwerte für die Luftqualität bietet diese Übersicht.

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