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Umweltatlas Berlin

03.09 Verkehrsbedingte Luftbelastung durch Kohlenwasserstoffe

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Kartenbeschreibung

Das untersuchte Berliner Hauptverkehrsstraßennetz hat eine Länge von 1 163 km, auf denen allein an einem Durchschnittstag 30 000 000 Fahrzeugkilometer (das entspricht fast dem 100fachen Erdumfang) zurückgelegt werden. Im Gegensatz dazu umfaßt das Nebenstraßennetz zwar rund 4 000 km. Hier werden aber nur ca. 5 600 000 Fahrzeugkilometer pro Tag gefahren. Abbildung 5 stellt die prozentuale Aufteilung der Auspuff- und Abriebsemissionen verschiedener Schadstoffe in Berlin nach Haupt- und Nebenetz dar. Es fällt auf, daß der Anteil des Nebenstraßennetzesl bei den Kohlenwasserstoff- und Benzolemissionen besonders hoch ist, da diese sehr kaltstartabhängig sind und im Nebenstraßennetz ungefähr die Hälfte des ersten Kilometers nach dem Start gefahren wird.

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Abb. 5 : Prozentuale Aufteilung der Emissionen und der Fahrleistung in Berlin (Liwicki, Garben 1993)

Kohlenwasserstoffemissionen im Hauptverkehrsstraßennetz

In der Karte 03.09.1 treten die großen Ausfallstraßenzüge mit besonders hohen Auspuffemissionen hervor, so der Stadtautobahnring, die West-Ost-Achse im Zuge Bismarckstraße - Kaiserdamm in Charlottenburg, die Karl-Marx-Allee bzw. Frankfurter Allee in Mitte und Friedrichshain sowie weitere Ausfallstraßen. Hier werden Emissionshöhen von über 50 kg/m bzw. 50 t/km Straßenlänge erreicht. Setzt man dies in Beziehung zum höchsten Rasterwert in Karte 03.09.2, Auspuffemissionen gesamtes Straßennetz, der bei 150 t/km²·a liegt, so wird der große Einfluß dieser Hauptbelastungsstrecken deutlich. Ihr Flächenanteil an einem 1 x 1 km-Raster liegt bei etwa sechs Prozent, der Emissionswert in diesen Fällen jedoch bei etwa 30 %.

Insgesamt läßt sich bei einer Bewertung der auftretenden Emissionshöhen eine deutliche Korrelation zu den Verkehrsmengen feststellen, sofern man die Streckencharakteristik der einzelnen Straßen mitberücksichtigt. So ist der überwiegende Anteil der etwa 70 km Stadtautobahn in den höchsten Emissionsklassen zu finden, der Abschnitt der AVUS ab Autobahndreieck Funkturm mit einem Verkehrsaufkommen von über 70 000 Kfz pro Tag weist jedoch aufgrund des relativ ungestörten Verkehrsflußes nur einen Schadstoffausstoß von 13 kg/m·a auf.

Auspuffemissionen im gesamten Straßennetz

Wie bereits erwähnt, spiegelt sich das Verhältnis der Fahrleistungen Haupt- zu Nebenstraßennetz (etwa 5:1) nicht in den Anteilen der Netze an den HC-Auspuffemissionen wider. Dies wird auch in Karte 03.09.2, Auspuffemissionen gesamtes Straßennetz, deutlich. So liegen alle Rasterflächen innerhalb des Inneren-S-Bahn-Ringes (sog. Hundekopf) über 50 t/km²·a, der Einfluß einzelner Straßenzüge wird nicht mehr so deutlich. Der für 1993 noch erkennbare Schwerpunkt in den westlichen City-Bereichen dürfte sich durch die Annäherung der Zulassungs- und Fahrleistungsmengen im östlichen an den westlichen Teil der Stadt bis heute ebenfalls angeglichen haben. Weitere örtliche Zentren außerhalb der Innenstadt mit über 50 t/km²·a lassen sich in Spandau, Reinickendorf, Marzahn, Treptow und Neukölln erkennen.

Neben der direkten Emission während des Fahrbetriebes muß bei den flüchtigen Kohlenwasserstoffen die Verdunstung aus dem Tank gesondert betrachtet werden. Dabei wird zwischen dem ruhenden Fahrzeug (sog. Tankatmung) - Karte 03.09.3 - und Verdunstungseffekten nach Fahrbetrieb (Heiß und Warmabstellen) - Karte 03.09.4 - unterschieden.

Verdunstungsemissionen durch Tankatmung

Auch bei einem über einen ganzen Tag ungenutzt abgestellten Fahrzeug entstehen durch den Temperaturverlauf über den Tag aufgrund der Druckunterschiede im Gasraum der Kraftstoffbehälter und der Vergaser-Schwimmerkammer HC-Tankatmungsemissionen. In der Summe werden für Berlin werden 1 830 t HC-Emissionen durch Tankatmung für das Jahr 1993 errechnet. Dies sind immerhin gut fünf Prozent der Gesamtemissionen, die durch eine Ausstattung aller Fahrzeuge mit Aktivkohlefiltern vermieden und als Kraftstoff zum Antrieb eingesetzt werden könnten.

Die Verteilung der Emissionswerte in den einzelnen Rastern spiegelt die Einwohnerdichte sowie den Motorisierungsgrad der Einwohner wider. Siedlungsgebiete am Rand der Stadt und einige Bezirkszentren sowie die dicht bebaute Innenstadt treten damit besonders hervor.

Verdunstungsemissionen nach Heiß- und Warmabstellen

Nach dem Betrieb eines Kraftfahrzeugs werden kraftstoffführende Bauteile und damit der darin enthaltene Kraftstoff durch die Strahlungswärme des Motors und der Auspuffanlage aufgeheizt. Die Folge sind sog. Verdunstungsemissionen nach Heiß- und Warmabstellen. Mit 6 600 t liegen diese Verdunstungsemissionen erwartungsgemäß sehr viel höher als die Tankatmungsemissionen und bestimmen auch entscheidend das Verteilungsbild in der Summendarstellung (Karte 03.09.5, Gesamtverdunstung durch Kraftfahrzeuge). Die Verdunstungshöhe resultiert aus den rund 3 270 000 Abstellvorgängen pro Tag für Pkw, Kombi und leichte Nutzfahrzeuge mit Otto-Motoren in Berlin. Raster mit den höchsten Werten (über 50 t/km²·a) liegen im City-Bereich, dem Stadtgebiet mit dem höchsten Anteil an Fahrtzielen aus beruflichen, freizeitorienten oder einkaufsbezogenen Gründen. Aber auch einige lokale Schwerpunkte, wie die Schloßstraße in Steglitz, weisen Werte von rund 30 t/km²·a auf und liegen damit deutlich über dem Durchschnittswert für Berlin von 7 t/km²·a.

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