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Umweltatlas Berlin

03.08 Organische Gase und Dämpfe - Emissionen und Immissionen

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Kartenbeschreibung

Emissionen und berechnete Immissionen 1989

In den vier Karten 03.08.1, 03.08.2, 03.08.3 und 03.08.4 sind die Emissionen der Hauptemittentengruppen Industrie, Verkehr, Hausbrand und Haushalte jeweils in 1 km²-Rasterflächen für das Jahr 1989 dargestellt. Die Karten 03.08.5, 03.08.6 und 03.08.7 geben jeweils die berechneten Jahresmittelwerte von 1989 der genannten Hauptverursachergruppen für die Kohlenwasserstoffbelastung der Berliner Luft an.

Industrie

Die Karte der Industrie-Emissionen von Kohlenwasserstoffen (03.08.1) zeigt ein anderes Bild als die Karten zu Schwefeldioxid, Stickoxiden und Staub (vgl. Karten >03.01, 03.03 und 03.04, SenStadtUm 1994a-c). Zwar sind auch in dieser Karte isolierte Emissionsmaxima zu erkennen, sie liegen aber oft nicht an Standorten von Kraftwerken. Vielmehr befinden sie sich in der Nähe von großen Tanklagern oder Industriebetrieben, in denen Kohlenwasserstoffe in größeren Mengen eingesetzt werden. Im Ostteil der Stadt treten allerdings auch das Heizkraftwerk in Rummelsburg und zwei Heizwerke im Bezirk Köpenick hervor.

Die Karte der berechneten Immissionen der Verursachergruppe Industrie (03.08.5) zeigt insgesamt ein ausgeglichenes Bild mit innerstädtischen Werten von 30 bis 50 µg/m³. Zwei ausgeprägte Maxima in den Bezirken Spandau und Köpenick mit Werten von 130 und 108 µg/m³, die nur an ein bis zwei Aufpunkten berechnet wurden, deuten auf den lokalen Einfluß von verhältnismäßig großen Schadstoffquellen (z. B. Tanklager) mit geringer Emissionshöhe hin.

Verkehr

Die Karte 03.08.2 der Emissionen des Kraftfahrzeugverkehrs weist den Straßenverkehr als wichtigste Emittentengruppe aus. Die höchsten verkehrsbedingten Emissionen wurden in der östlichen Innenstadt gemessen. Das Maximum wird für den Alexanderplatz angegeben. Auch die Ausfallstraßen Schönhauser Allee nach Norden, Landsberger Allee nach Nordosten, Frankfurter Allee nach Osten und Adlergestell nach Südosten heben sich deutlich hervor. Dies ist vor allem auf die hohe Emission bei Fahrzeugen mit Zweitaktmotor zurückzuführen. Mit dem Rückgang der Zahl von Trabant- und Wartburg-Fahrzeugen werden die Maxima inzwischen auf das Niveau der westlichen Straßen zurückgegangen sein. Im Westteil der Stadt treten die Stadtautobahn und die Ost-West-Achse im Zuge der Bismarckstraße und des Kaiserdamms besonders hervor. Bestimmte Brennpunkte sind aber nicht auszumachen.

Die Karte 03.08.6 der berechneten Verkehrs-Immissionen spiegelt wegen der geringen Emissionshöhe der Kraftfahrzeuge und der daraus resultierenden engen Zuordnung von Emission und Immission im wesentlichen die Struktur des Emissionsfeldes wider. Am Alexanderplatz, dem Ort des Emissionsmaximums von 535 t/km² und Jahr, wird auch die maximale Immissionskonzentration von etwa 400 µg/m³ berechnet. Sie ist wegen der Anordnung der Emission auf Rasterflächen als mittlere flächenbezogene Hintergrundkonzentration zu interpretieren.

Unter der Voraussetzung eines Benzolanteils von 5 %, wie er für verkehrsbezogene Immissionsberechnungen angenommen wird, entspricht der Summenwert aller in die Berechnung eingegangener Kohlenwasserstoffe von 400 µg/m³ einer Benzolkonzentration von ca. 24 µg/m³. Dies ist das 3,5-fache des aufgrund der Messungen zu erwartenden Wertes.

Im Westteil Berlins liegen die berechneten Werte an den Meßorten in Wedding und Neukölln bei etwa 200 µg/m³. Das entspricht einer Benzolkonzentration von 12 µg/m³, die etwa doppelt so hoch ist wie die mittleren Meßwerte von 5,3 und 5,6 µg/m³.

Die Diskrepanz zwischen dem Meßergebnis und den Berechnungen, die noch wesentlich größer wird, wenn die Immission der anderen Verursachergruppen berücksichtigt wird, kann mehrere Gründe haben:

Zum einen wird angenommen, daß real ein Teil der verkehrs- und hausbrandbedingten Kohlenwasserstoffemission schon kurz nach dem Austritt in die Atmosphäre aufgrund von Kondensation, Anlagerung an Staubpartikel und Ablagerung am Boden bei der Messung nicht mehr als gasförmige Luftverunreinigung in Erscheinung tritt, jedoch in den berechneten Immissionen als Gase erhalten bleibt. Zweitens muß die Emissionshöhe der Kraftfahrzeuge für die Ausbreitungsrechnungen fiktiv vorgegeben werden, da eine freie Abströmung der Autoabgase in Form von Rauchfahnen nicht gegeben ist. Die angenommene Emissionshöhe von zwei Metern war für flächenbezogene Berechnungen, mit denen die Immissionen im Wohnbereich bestimmt werden sollen, mit großer Wahrscheinlichkeit zu gering. Darauf deutet auch die Überschätzung bei den Stickoxiden hin (vgl. Karte 03.03.6, SenStadtUm 1994b). Ein dritter Grund liegt in der zeitlichen Differenz zwischen den Immissionsmessungen und den Ausbreitungsrechnungen. Die Emissionsangaben wurden für das Jahr 1989 berechnet, die Meßwerte dagegen im Jahr 1991 ermittelt. Es ist davon auszugehen, daß die Emissionen wegen des Rückgangs der Zahl der Fahrzeuge mit Zweitaktmotor in der Zwischenzeit abgenommen haben. Darauf deutet die im Verhältnis zum Westteil der Stadt deutlich stärkere Überschätzung durch die Ausbreitungsrechnungen im Ostteil hin.

Die quantitative Einschätzung der verschiedenen Einflüsse ist Gegenstand von weiteren Untersuchungen, bei denen auch die berechneten Immissionsfelder von Stickoxiden, Schwefeldioxid und Schwebstaub zum Vergleich herangezogen werden.

Andererseits macht das berechnete Immissionsfeld wesentliche Merkmale der Verteilung der Schadstoffbelastung in der Berliner Luft sichtbar. Es verdeutlicht schon jetzt den hohen Einfluß des Kraftfahrzeugverkehrs auf die Kohlenwasserstoffbelastung der Luft, der auch durch die Meßergebnisse belegt wird.

Hausbrandund Haushalte

Die Karte der Emissionen im Bereich Hausbrand (03.08.3) zeigt wie beim Straßenverkehr insgesamt im Ostteil der Innenstadt höhere Werte als im Westen. Das Maximum liegt in Prenzlauer Berg, dem Gebiet mit der höchsten Wohndichte in Berlin, das zudem noch überwiegend mit Kohle-Einzelöfen und Kohle-Zentralheizungen beheizt wird. Aus den hohen Kohlenwasserstoffemissionen von 145 t/km² und Jahr wird zusammen mit den geschätzten zusätzlichen Emissionen der Haushalte durch den Gebrauch von Farben, Lacken und Lösemitteln in Höhe von 74 t/km² und Jahr eine Immissionskonzentration durch Hausbrand und Haushalte von 100 µg/m³ berechnet. Auch dieses Rechenergebnis muß als zu hoch angesehen werden und wird bei den weiteren Untersuchungen überprüft.

Anhand der Darstellung für den Hausbrand und die sonstigen Emissionen der Haushalte wird unabhängig von der absoluten Höhe der berechneten Immissionskonzentration die Bedeutung der Verbrennung von Braunkohle in kleinen, nicht ausreichend regelbaren Heizungsanlagen deutlich.

Gemessene Immissionen - Jahresmittelwerte - Benzol 1991

In der Karte 03.08.9 sind die 1991 gemessenen Jahresmittelwerte der Benzolkonzentration dargestellt. Sie zeigen große Unterschiede mit einem Minimalwert von 1,6 µg/m³ an der Meßstelle im Grunewald und Maximalwerten von 10,4 bis 14,5 µg/m³ an den Straßenmeßstellen. Damit wurde der zur Zeit diskutierte Grenzwert von 10 µg/m³ (ab 1998) für Benzol an den Straßenmeßstellen überschritten. Der nach dem Entwurf der 23. BImSchV ab 1995 geltende Wert von 15 µg/m³ wurde eingehalten.

Aufgrund von Ausbreitungsrechnungen für Straßenschluchten (vgl. SenStadtUm 1992) ist davon auszugehen, daß in vielen Straßen mit geschlossener Randbebauung und hohem Verkehrsaufkommen ähnlich hohe Werte auftreten. Die Ergebnisse einer weiterführenden Studie zur Abschätzung der Luftschadstoff-Immissionen in den Hauptstraßen Berlins fordern bei Anwendung des von der Bundesregierung vorgelegten Entwurfs der 23. BImSchV, in ca. 15 % der Straßenabschnitte vertiefte Untersuchungen durchzuführen, da hier mit einer Überschreitung des ab 1.7. 1995 vorgesehenen Konzentrationswertes zu rechnen ist (vgl. Blümel 1994 und IVU 1993).

An den nicht unmittelbar vom Kraftfahrzeugverkehr beeinflußten Meßstellen lagen die Werte zwischen 3,8 und 7,8 µg/m³. Für die Berliner Innenstadt kann von einem Mittelwert um 6 µg/m³ ausgegangen werden. Im westlichen Teil der Innenstadt liegt der Wert eher bei 5,5 µg/m³, im östlichen Teil bei 6,5 µg/m³.

Aufgrund der Messungen ist in der westlichen Innenstadt im Mittel mit einer Konzentration der Summe der Kohlenwasserstoffe von etwa 110 µg/m³ zu rechnen, in der östlichen Innenstadt liegt die Konzentration mit etwa 150 µg/m³ um einiges höher. An den Straßenmeßstellen lassen sich aus den gemessenen Konzentrationen sogar Werte von 180 bis 300 µg/m³ ableiten.

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