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Umweltatlas Berlin

03.07 Bioindikatoren

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Autobahn-Transekt

Reichweite und Höhe von Straßenverkehrsimmissionen sind an einem Transekt an der Autobahn A 115 südöstlich von Potsdam beispielhaft untersucht worden (vgl. Abb. 5). Entsprechend der Definition der Belastungsstufen ist das 500 m lange Transekt hinsichtlich der PAK-Anreicherung im Grünkohl hoch belastet. Der Mittelwert der PAK-Summe aller zwölf Stationen liegt mehr als 25 % über dem oberen Eckwert der mittleren Belastung (400 µg/kg Frischsubstanz [FS]). Die unerwartet geringe Abnahme der Konzentrationen mit zunehmendem Abstand von der Fahrbahn kann neben der möglicherweise weiten Verfrachtung von Kfz-Abgasen auch mit der Überlagerung durch lokale Emissionsquellen und durch Fernimmissionen erklärt werden.

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Abb. 5: PAK-Summe, Benz(a)pyren und Kfz-Maßzahl im Bereich eines Autobahn-Transekts bei Potsdam im Herbst 1993 (nach TÜV-Umwelt Berlin-Brandenburg GmbH 1995)

Der Mittelwert von Benz(a)pyren in zwei bis fünf Meter Entfernung beträgt mit 30 µg/kg FS das Dreifache des oberen Eckwertes der mittleren Belastungsstufe. Der Anteil dieser kanzerogenen Leitkomponente am PAK-Gesamtgehalt liegt im Durchschnitt aller zwölf Meßpunkte bei 4,3 % und somit über dem Mittelwert aller Stationen im West-Ost-Transekt während der Herbstexposition 1993. Die auffällig hohen in den Pflanzen angereicherten Benz(a)pyren-Konzentrationen über das gesamte 500 m lange Autobahnprofil lassen neben der Einwirkung von Autoabgasen möglicherweise auf unvollständige Verbrennungsprozesse durch Einzelfeuerung aus umliegenden Ortschaften schließen.

Der Anteil der Verkehrsimmissionen kann mit Hilfe der Kfz-Maßzahl verdeutlicht werden, deren grafische Darstellung die fahrbahnnahe Belastung besonders deutlich macht (vgl. Abb. 5).

Die Ergebnisse der Grünkohlexponierung haben eine Bedeutung für die menschliche Gesundheit, da es sich bei dem verwendeten Indikator um eine Nahrungspflanze handelt. Unter Betrachtung der "worst-case-Annahme", d.h. einer vollständigen Eigenversorgung mit pflanzlicher Kost aus dem Gebiet, ist der Mensch in der Stadt Berlin einer mittleren bis hohen Belastung durch organische Schadstoffe ausgesetzt. Die ubiquitäre Grundbelastung mit lufttransportierten Schadstoffen wird deutlich überschritten. Diese Belastung bewegt sich aber im Normalfall vermutlich noch im Bereich der toxikologisch tolerablen Aufnahme.

Die Immissionen des Straßenverkehrs bilden einen besonderen Belastungsfaktor in Berlin. An stark frequentierten Straßen besteht ein Wirkungsgradient atmosphärisch verbreiteter organischer Schadstoffe, der im Nahbereich dieser Linienquellen besonders ausgeprägt ist. Für die menschliche Gesundheit bedeutet dies ein erhöhtes Gefährdungsrisiko in direkter Umgebung von stark befahrenen Straßen und Autobahnen.

Die ermittelten Daten des immissionsökologischen Wirkungskatasters aus den Jahren 1991-94 können mit Hilfe eines einfachen Verfahrens zu einer Gesamtbewertung der untersuchten Meßpunkte zusammengefaßt werden. Hierbei werden Stoffgehalte bzw. Bonitierungen entsprechend der gemessenen Minimal- und Maximalwerte "normiert" und zu einem Einzelwert gemittelt. Aufgrund der Vergleichbarkeit gehen nur ausgewählte Parameter der Flechten- und Weidelgrasexponierung, der Analyse von Kieferninhaltsstoffen sowie der hier nicht erläuterten Bonitierung von Kiefernnadeln und der Exponierung von Tabak und Pintobohne in die Berechnung ein (vgl. SenStadtUmTech 1996a). Die grafische Darstellung der Daten zeigt einige Grundmuster, die die Einzelergebnisse bestätigen (vgl. Abb. 6).

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Abb. 6: Gesamtbewertung der Bioindikationsergebnisse

Auffallend ist, daß sich die Mittelwerte der Teilgebiete "Innenstadt", "Außenbezirke" und "Umland" zwar erwartungsgemäß unterscheiden, daß diese Differenz jedoch nicht stark ausgeprägt ist. Dies liegt zum einen im insgesamt mäßigen Belastungsniveau der Innenstadt und zum anderen an teilweise deutlichen Belastungen der Außenbezirke und des Umlandes. So erreichen einige Meßstellen des Umlandes Belastungswerte, die denen der Innenstadt durchaus nahekommen. Es besteht offenbar eine großräumig wirksame Hintergrundbelastung des Umlandes, die im Einzelfall durch lokale Emissionen noch verstärkt wird.

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