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Umweltatlas Berlin

03.07 Bioindikatoren

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Karte 03.07.3: Akkumulation anorganischer Schadstoffe in Kiefernnadeln und Weidelgras

In der Karte werden die Stoffgehalte von Blei und Fluor in Kiefernnadeln (1991) sowie in exponierten Weidelgrasproben (1993) dargestellt. Die Angabe der Schwefelkonzentrationen bezieht sich nur auf die Anreicherung in Kiefernnadeln (1991). Die Werte belegen immissionsbedingte Anreicherungen der Stoffe im gesamten Untersuchungsgebiet, wobei die innerstädtischen Meßpunkte in der Regel erhöhte Konzentrationen aufweisen. Die Anreicherungen im Weidelgras erreichen 1993 allerdings keine Schwellenwerte, die ökotoxikologisch problematisch sind (vgl. Tab. 4).

Die Bleigehalte in Kiefernnadeln zeigen mit einer Wertespanne von 2,0 mg/kg TS am Standort Neuseddin bis zu 15,2 mg/kg TS in Blankenburg eine deutliche Differenzierung. Damit sind nur drei Meßstellen im Umland als unbelastet einzustufen, während das Untersuchungsgebiet insgesamt ein mittleres Belastungsniveau aufweist. Die Zunahme der Gebietsmittelwerte unterstreicht die Zunahme der Konzentrationen vom Umland (6,2 mg/kg TS) über die Außenbezirke der Stadt Berlin (6,9 mg/kg TS) zu den innerstädtischen Meßstellen (8,3 mg/kg TS). Damit ist die Belastung durch dieses Schwermetall trotz der Einführung bleifreien Benzins weiterhin von Bedeutung.

Die Fluorkonzentrationen in Kiefernnadeln liegen zwischen 0,7 mg/kg TS am Flughafen Tegel und 30,6 mg/kg TS in Blankenburg. An 64 % der Meßpunkte wurden geringe (< 10 mg/kg TS) und an 8 % erhöhte Fluorkonzentrationen (> 20 mg/kg TS) festgestellt, während die übrigen Werte im mittleren Bereich lagen. Der Teilgebietsmittelwert der Innenstadtbezirke liegt mit 11,6 mg/kg TS über dem Gesamtgebietsmittelwert von 9,6 mg/kg TS. Die Außenbezirke sind etwa durchschnittlich und das Umland ist unterdurchschnittlich belastet. Im Umland tritt jedoch die größte Variationsbreite unter den Teilgebieten auf, was auf lokale Emissionsquellen schließen läßt. Hinsichtlich der regionalen Verteilung ist insgesamt ein deutlicher Unterschied zwischen der östlichen und der westlichen Hälfte des Untersuchungsgebietes festzustellen: Sowohl im Stadtgebiet als auch im Umland zeigt sich der Ostteil stärker belastet; möglicherweise ist dafür der hohe Anteil von Braunkohle im Hausbrandbereich verantwortlich. Legt man die von Kreutzer (1978) beschriebene phytotoxische Wirkschwelle von 10 mg/kg TS Fluor zugrunde, so liegen die Werte an 36 % der Meßstellen oberhalb dieses Wertes.

Die Schwefelgehalte in Kiefernnadeln liegen im Untersuchungsgebiet zwischen 1 270 mg/kg TS am Standort Siethen und 2 190 mg/kg TS in Zehlendorf. Der Teilgebietsmittelwert der Innenstadt weist mit 1 905 mg/kg TS ein deutlich höheres Niveau als die Außenbezirke (1 744 mg/kg TS) und das Umland (1 621 mg/kg TS) auf. Der Gesamtgebietsmittelwert befindet sich mit 1 725 mg/kg TS bereits im erhöhten Konzentrationsbereich. Regionale Belastungsschwerpunkte sind vor allem in der Innenstadt und in der östlichen Stadthälfte auszumachen. Trotz sich teilweise widersprechender Literaturangaben über die Bewertung der Schwefelkonzentrationen kann festgestellt werden, daß an 83 % der Meßstellen ein Immissionseinfluß zu erkennen ist, während an 11 % sogar nachhaltige Schäden in Form von Zuwachsreduktionen nicht auszuschließen sind.

Die Bleigehalte in Weidelgras weisen eine immissionsbedingte Anreicherung mit hoher räumlicher Variabilität auf. Der Gesamtgebietsmittelwert lag 1993 bei 1,5 mg/kg TS. Mit 1,6 mg/kg TS besteht in den Innenstadtbezirken gegenüber dem Umland (1,3 mg/kg TS) eine etwas höhere Belastung. Vor allem die östlichen Bezirke Berlins sind von erhöhten Bleiimmissionen betroffen. Der Richtwert von 8 mg/kg TS (vgl. Tab. 4) wird jedoch an keiner Meßstelle erreicht, so daß derzeit keine unmittelbare Gefährdung vorliegt.

Die Fluorgehalte in Weidelgras erreichten 1993 im Untersuchungsgebiet Werte zwischen 3,0 mg/kg TS am Meßpunkt Brieselang und 11,2 mg/kg TS am Flughafen Tempelhof. Der Gesamtgebietsmittelwert liegt bei 5,2 mg/kg TS, die Mittelwerte der Meßpunkte im Umland bei 4,6 mg/kg TS, während die Belastung der Innenstadt mit 5,5 mg/kg TS deutlich erhöht ist. Der Grenzwert von 30 mg/kg TS wird nicht erreicht.

Der Vergleich der aktuellen Anreicherung von Schadstoffen in Weidelgras mit Untersuchungen zu Anfang der 80er Jahre (Cornelius et al. 1984), zeigt deutlich, daß die Immissionsbelastung der Stadt Berlin bei bestimmten Stoffen wesentlich abgenommen hat (vgl. Abb. 4). So liegen die ermittelten Maximalkonzentrationen der Bleibelastung 1993 bei 43 %, der Fluorbelastung bei 28 % und der Schwefelbelastung bei 67 % der Werte von 1981. Die Minimalkonzentrationen erreichen 1993 44 % der Fluor-, 73 % der Blei- und 72 % der Schwefelgehalte von 1981. Während 1981 die jeweiligen Schwellenwerte der Schadstoffbelastung noch erreicht bzw. überschritten wurden, liegen die Konzentrationen 1993 auf einem wesentlich niedrigeren Niveau.

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Abb. 4: Schadstoffgehalte in Weidelgras an ausgewählten Meßpunkten im Stadtgebiet von Berlin 1981 und 1993 (nach Cornelius et al. 1984, Kuznik 1993)

Trotz der generell verminderten Schadstoffbelastung sind die Immissionsfaktoren Blei und Schwefel hinsichtlich potentiell öko- bzw. phytotoxischer Wirkungen weiterhin von Bedeutung. Auch durch das Element Fluor können an bestimmten Meßpunkten noch Belastungen von Pflanzen entstehen.

Karte 03.07.4: Akkumulation organischer Schadstoffe in Grünkohl

Die Karte zeigt die relative Belastung des Untersuchungsgebietes mit organischen Schadstoffen entlang eines West-Ost-Transektes im Herbst 1993. Die Konzentrationen der untersuchten Stoffe unterstreichen eine erhöhte Belastung der innerstädtischen Bereiche, wobei auch einige Meßpunkte des Umlandes Spitzenwerte aufweisen. Die ebenfalls in den inneren Stadtbezirken erhöhten Kfz-Maßzahlen zeigen einen erheblichen Anteil des Autoverkehrs an der Gesamtbelastung durch PAK.

Die durchschnittliche PAK-Anreicherung war - bezogen auf das Frischgewicht - im Herbst 1993 zwölffach höher als im Sommer des darauffolgenden Jahres, wohingegen die Relationen zwischen den einzelnen Meßpunkten im Sommer 1994 ähnlich wie im Herbst 1993 waren, allerdings auf wesentlich niedrigerem Niveau und ohne die lokalen Maxima. Es läßt sich feststellen, daß im Winterhalbjahr während des Betriebes von Heizungsanlagen die Gefährdung besonders hoch ist und die Auswirkung der herbstlichen hohen Belastung auch in den äußeren Stadtbereichen bzw. dem Berliner Umland zu bemerken war.

Während die PAK-Summenkonzentrationen insgesamt als weniger bedenklich eingestuft werden können, sind die Benz(a)pyren-Gehalte (BaP) kritischer zu bewerten. Bei einer mittleren Konzentration von 12,8 µg/kg TS im Herbst 1993 ist die Belastung für das Gesamtgebiet hoch. Selbst Standorte in einiger Entfernung von der Berliner Stadtgrenze (Falkensee, Seeburg, Altlandsberg, Neuenhagen, Rüdersdorf) zeigten Werte, die in Süddeutschland industriellen Ballungsgebieten zugeordnet werden und an einigen Stellen mehr als doppelt so hoch wie an vergleichbaren Standorten in der Münchener Innenstadt liegen (LfU Bayern 1995). Das hohe Benz(a)pyren-Niveau während der Herbstmonate ist mit der Heiztätigkeit in den Haushalten zu erklären.

Die ermittelten Kfz-Maßzahlen lassen die Unterscheidung von Stationen mit stärkerer und schwächerer Beeinflussung zu. Während der Quotient am Stadtrand und im Brandenburger Umland den Wert von 0,6 nicht überschreitet, treten im inneren Stadtbereich Werte zwischen 0,7 und 1,0 auf. Die höchste Maßzahl wurde mit 0,99 im Sommer 1994 an der Station Charlottenburg in unmittelbarer Nähe der Stadtautobahn ermittelt, die hier von über 150 000 Kraftfahrzeugen pro Tag befahren wird (vgl. Karte 07.01, SenStadtUmTech 1996b).

Die gemessenen PCB-Konzentrationen belegen insgesamt ein mittleres Belastungsniveau für das Untersuchungsgebiet. Die dargestellten Stationswerte zeigen eine fallende Tendenz von der Innenstadt zur Stadtgrenze und besonders im östlichen Bereich eine weitere Abnahme zu den ländlichen Gebieten. Das Mittel der Stationen im Stadtgebiet liegt mit 13,9 µg/kg TS fast doppelt so hoch wie das Mittel der Umland-Meßpunkte mit 7,8 µg/kg TS. Es treten jedoch teilweise ausgeprägte Belastungsunterschiede auf. So erreicht die Konzentration am Standort Charlottenburg mit 90 µg/kg TS das Vierzigfache des Minimumwertes (Standort Falkensee 2,3 µg/kg TS) und das Dreifache des direkt benachbarten, ebenfalls hoch belasteten Standorts Tiergarten (30,8 µg/kg TS). Als mögliche Ursache wird ein Einfluß der Müllverbrennungsanlage Ruhleben vermutet. Neben Charlottenburg sind auch die Stationen Tiergarten und Mitte durch ein erhöhtes Anreicherungsniveau gekennzeichnet, das auf unmittelbar vorbeiführende Hauptverkehrsstraßen zurückgeführt wird.

Die ermittelten PCDD/PCDF-Konzentrationen lassen eine ganzjährige immissionsbedingte Anreicherung bei einer insgesamt mittleren Belastungssituation erkennen, wobei der Schwerpunkt auf den Wintermonaten liegt, in denen dreifach höhere Werte auftreten. Die Konzentrationen im Sommer sind weniger kritisch einzuschätzen, weisen aber ebenfalls auf immissionsbedingte Anreicherungen hin. Lokale Belastungsschwerpunkte mit I-TEQ-Werten (= Internationales Toxizitätsäquivalent) über 3,0 ergaben sich im Herbst 1993 in Haselhorst, Wedding, Hohenschönhausen, Seeburg, Lichtenberg, Hellersdorf und Rüdersdorf. Die Analyse einzelner Dioxin-Verbindungen, die auf spezifische Emittenten hindeuten, ergab einen erhöhten Hausbrandeinfluß an den Meßstellen Tempelhof und Marienfelde sowie Elstal und Kartzow am Westrand des Transektes und ein Überwiegen verkehrsbedingter Dioxin-Immissionen an den Meßstellen Wedding, Weißensee, Hohenschönhausen, Neuenhagen und Werder.

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