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Umweltatlas Berlin

03.06 Bodennahes Ozon (Ausgabe 1993)

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Karte 03.06.3: Überschreitung von Richtwerten 1992

In dieser Karte kommt die mittlere räumliche Verteilung der Ozonkonzentration in Berlin zum Ausdruck. Ausgewählt wurden die Tage mit Überschreitung von Schwellenwerten an den einzelnen Stationen des Berliner Luftgütemeßnetzes. Die Wahl der Schwellenwerte fiel auf den "Maximalen Immissionskonzentrationswert" (MIK) nach VDI 2310 mit 120 µg/m³ im Halbstundenmittel und den Schwellenwert der EG-Richtlinie zur Information der Bevölkerung mit 180 µg/m³ im Stundenmittel (vgl. Tab. 1).

Um die Abhängigkeit der Ozonbelastung von der Stickoxidemission vor Ort deutlich zu machen, wurde die Überschreitungshäufigkeit mit der Verteilung der Stickoxidemission aus dem Verkehr hinterlegt. Beim Vergleich der beiden Angaben wird deutlich, daß hohe Stickoxidemissionen in der Umgebung einer Meßstelle zu deutlich weniger Überschreitungen der Ozonschwellenwerte führen. So wird an der Stadtautobahn der MIK-Wert viermal seltener überschritten als an den Stationen am Stadtrand, wo im Sommer der Wert von 120 µg/m³ an über 100 Tagen überschritten wurde. Die Werte an den übrigen, nicht unmittelbar an Hauptverkehrsstraßen liegenden Meßstellen in der Innenstadt liegen mit 70 bis 80 Überschreitungen dazwischen. Die Station Mitte liegt mit 57 Tagen deutlich darunter, weil wegen der westlich vorbeiführenden verkehrsreichen Straßen und aufgrund der zentralen Lage ein Teil des Ozons mit den Stickoxiden reagiert hat. Die photochemischen Bildungsmechanismen können diesen Abbau meist nicht kompensieren, weil die ozonbildenden Prozesse, wie oben beschrieben, komplexer sind und einige Zeit in Anspruch nehmen, in der sich die Luft meist schon aus der Stadt in die Außenbereiche und das Umland hinausbewegt hat. In diesen Gebieten und damit im Einwirkungsbereich liegen aber in der Regel die Berliner Wälder. Daher wurden an der Waldmeßstelle Grunewald für das Jahr 1992 mehrere der in Tabelle 1 aufgeführten Richt- und Leitwerte zum Schutz der Vegetation überschritten. Beispielsweise wurden der Tagesmittelwert der EG-Richtlinie von 65 µg/m³ an 141 Tagen und der WHO-Wert von 60 µg/m³ für die gesamte Vegetationszeit mit tatsächlich gemessenen 81 µg/m³ deutlich überschritten.

Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Überschreitung des EG-Schwellenwertes, bei der von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz Verhaltensempfehlungen für empfindliche Personen herausgegeben werden. Am Stadtrand kam dies 1992 an 19 bis 23 Tagen vor, in den innerstädtischen Wohngebieten an 11 bis 17 Tagen, in Mitte nur sechs mal und an der Stadtautobahn überhaupt nicht. Die jeweiligen Überschreitungszahlen an den Meßstellen sind in erster Näherung auf andere Stadtgebiete mit vergleichbareren Stickoxidemissionen übertragbar.

Sehr viel höher sind die Überschreitungshäufigkeiten an der Turmmeßstelle in Frohnau. Schon aus Karte 03.06.2 ging hervor, daß dort ozonabbauende Effekte kaum eine Rolle spielen und deshalb häufiger hohe Konzentrationen gemessen werden. Auch an der Meßstelle Grunewald sind die Überschreitungshäufigkeiten des MIK-Wertes an der Probenahme in 10 m Höhe über den Bäumen etwas höher als in 4 m Höhe im Wald, wo Ozon sich an den Pflanzenteilen abbauen kann. Damit ist aber zugleich eine pflanzenschädigende Wirkung verbunden, die zudem einen wesentlichen Bestandteil für die Beeinträchtigung des gesamten Waldökosystems darstellt (siehe Ergebnisse des Monitoringprogramms Naturhaushalte/Ökologische Dauerbeobachtung Waldökosysteme, vgl. SenStadtUm 1993).

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