Geoportal  



 

Umweltatlas Berlin

03.06 Bodennahes Ozon (Ausgabe 1993)

Kartenansicht English Text available Inhalt    zurück weiter

Karte 03.06.2: Mittlerer Tagesgang an Sommertagen 1992

Die Karte zeigt den mittleren Tagesgang der Ozonkonzentration an mehreren Stationen des Berliner Luftgüte-Meßnetzes.

Die Form der Tagesgangkurven an den drei Bodenstationen Heiligensee, Mitte und Autobahn sind in erster Näherung aus der Überlagerung des Ganges der Stickoxidemissionen durch den Kfz-Verkehr und der Austauschbedingungen der Atmosphäre zu erklären. Das Minimum des Ozons tritt zwischen 5.00 und 7.00 Uhr in den Morgenstunden ein. Zu dieser Zeit ist der Kfz-Verkehr schon recht stark, die nächtliche Bodeninversion aber immer noch gut ausgeprägt und daher kaum ein Abtransport der ozonzerstörenden Stickoxide nach oben bzw. die Zufuhr ozonreicher Luft von oben möglich. Der Ozonabbau ist auch am Stadtrand wirksam, weil einerseits die Schadstoffe aus der Stadt auch dorthin - z. B. an die meist in Lee gelegene Meßstation Heiligensee - transportiert werden. Zum anderen findet in der nächtlichen Kaltluftschicht auch eine Reaktion des Ozons mit den Materialien am Boden statt.

Völlig anders sind die Verhältnisse in 324 m Höhe, die durch das Meßgerät am Funkturm in Frohnau dokumentiert werden. Dort verbleibt das Ozonniveau an Sommertagen im Mittel über dem MIK-Wert von 120 µg/m³ (vgl. VDI-Richtlinie 2310), weil diese Luftschicht nachts von ozonabbauenden Prozessen am Boden isoliert ist. Dies ändert sich am Vormittag, wenn die Sonne die Sperrschicht am Boden soweit erwärmt hat, daß der vertikale Luftaustausch in Gang kommt. Dann wird die Turmmeßstelle vorübergehend von der vom Boden aufsteigenden schadstoffbelasteten Luft tangiert, in der geringere Ozonkonzentrationen vorhanden sind. Das Minimum am Turm tritt meist zwischen 9.00 und 10.00 Uhr vormittags auf.

Zu dieser Zeit ist die Ozonkonzentration an den anderen Stationen bereits deutlich angestiegen, weil Ozon aus der darüberliegenden Speicherschicht zum Boden transportiert wird. Die Station Heiligensee und die Turmmeßstelle zeigen danach einen annähernd parallelen Verlauf. Die weitere Verdünnung der ozonzerstörenden Schadstoffe und die photochemischen Prozesse, angetrieben durch die intensive Sonneneinstrahlung, haben die Ozonkonzentration in der gesamten unteren Atmosphäre weiter ansteigen lassen.

In der Nähe von Stickoxidquellen, also insbesondere an der Stadtautobahn und etwas schwächer an der Station Mitte, bleibt die ozonzerstörende Wirkung der frisch emittierten Schadstoffe auch am Nachmittag deutlich spürbar. Allerdings wirkt sich die Zunahme des Verkehrs zur Zeit der Rush-Hour am späten Nachmittag zunächst kaum aus. Der horizontale und vertikale Luftaustausch sorgen für eine relativ schnelle Verdünnung der ozonabbauenden Schadstoffe. Erst am Abend, wenn der Wind und auch der vertikale Transport schwächer werden, geht die Ozonkonzentration stark zurück, beschleunigt durch die Stickoxidemission des anhaltenden Kfz-Verkehrs am Abend. Daß dieser in der zweiten Nachthälfte weitgehend zur Ruhe kommt, läßt sich an der leichten Zunahme des Ozons an der Stadtautobahn erkennen. Davon unberührt ist die Ozonkonzentration oberhalb der bodennahen Kaltluftschicht. Es bildet mit dem nur geringfügig abnehmenden Ozonniveau ein Reservoir für einen weiteren Anstieg am nächsten Tag.

In diesem Zusammenhang soll kurz auf den langzeitlichen Trend der Ozonkonzentration eingegangen werden. Aus Abbildung 8 ist ersichtlich, daß bei dem relativ kurzen Meßzeitraum in Berlin der mittlere Höchstwert an Sommertagen keinen signifikanten Trend anzeigt.

Abbildung 8
Abb. 8: Mittelwert der täglichen Ozonmaxima an Sommertagen

Excel
[Die Datengrundlage der Abbildung liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Allerdings ist an anderen Stationen, insbesondere fernab von Ballungsgebieten, z.B. auf der Zugspitze, von einer 1- bis 2 %-igen Zunahme der Ozonkonzentration pro Jahr seit Mitte der 70er Jahre auszugehen (vgl. Deutscher Bundestag 1990). Diese Zunahme der großräumigen Hintergrundkonzentration ist wahrscheinlich auf den Anstieg insbesondere der Verkehrsemissionen in den 70er und 80er Jahren zurückzuführen. Ob beispielsweise der Rückgang des Kohlenwasserstoffausstoßes durch die Ausmusterung von 2-Takt-Fahrzeugen in den neuen Bundesländern eine Verbesserung der Ozonbelastung in Berlin mit sich bringt, kann erst in einigen Jahren beantwortet werden.

Kartenansicht English Text available Inhalt    zurück weiter

umweltatlas_logo_klein