Geoportal  



 

Umweltatlas Berlin

03.03 Stickoxide - Emissionen und Immissionen (Ausgabe 1994)

Kartenansicht English Text available Inhalt    zurück kein weiter

Summe der berechneten Immissionen 1989

Die Karte 03.03.7 gibt die Summe der berechneten Stickoxidimmissionen aus den drei Hauptverursachergruppen Industrie, Hausbrand und Verkehr wieder und zwar als Jahresmittelwerte des Jahres 1989.

Die Ursachen der Stickoxidbelastungen können als mit ausreichender Genauigkeit bestimmt gelten, wenn die Summe der für die Verursachergruppen berechneten Konzentrationen und der überregionalen Hintergrundbelastung mit den erzielten Meßergebnissen übereinstimmt.

Die Karte der Summe der berechneten Immissionen zeigt unter Berücksichtigung der überregionalen Hintergrundbelastung erheblich höhere Werte als an den vergleichbaren Rastermeßstellen des Luftgüte-Meßnetzes 1991 gemessen wurden (vgl. Karte 03.03.8). Wie die Karte 03.03.6 der berechneten KFZ-Immissionen zeigt, ist das vor allem auf Schwierigkeiten zurückzuführen, den Einfluß des Kraftfahrzeugverkehrs rechnerisch zu simulieren. Die Ursache liegt unter anderem in der sehr geringen Emissionshöhe der Kraftfahrzeuge, die spezielle Ausbreitungsmodelle erfordern (vgl. Datengrundlage).

Setzt man aufgrund der Ergebnisse der Ausbreitungsrechnungen für Schwefeldioxid (vgl. Karte 03.01, SenStadtUm 1994a) voraus, daß die Belastung seitens der Industrie und des Hausbrands mit dem Ausbreitungsmodell ausreichend simuliert wird, kann der Einfluß des Verkehrs aus der Differenz zwischen den Meßergebnissen und den mit Sicherheit bestimmbaren Verursachern Hausbrand und Industrie abgeschätzt werden. Tabelle 3 zeigt als Beispiel den Bereich des Maximums in Charlottenburg.

Tabelle 3
Tab. 3: Berechnung des vom Straßenverkehr verursachten Anteils an der Stickoxidkonzentration im Bereich des Maximums in Charlottenburg

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Auch für andere Bereiche der Stadt lassen sich mit dieser Berechnung hohe Anteile des Straßenverkehrs an der Stickoxidkonzentration bestimmen.

Die Karte der Summe der berechneten Immissionen zeigt als wesentliches Merkmal, daß das Maximum der Stickoxidbelastung im Vergleich mit der Schwefeldioxid- und Schwebstaubbelastung (vgl. Karte 03.01, SenStadtUm 1994a und Karte 03.04, SenStadtUm 1994b) in die südwestlichen Bereiche der Berliner Innenstadt nach Charlottenburg, Schöneberg und Tiergarten verschoben ist, also in Gebiete, durch die die Stadtautobahn führt.

Gemessene Immissionen 1991

Summe der Stickoxide - Jahresmittelwerte

Wegen des Problems der Umwandlung der Stickoxide in der Atmosphäre zu Stickstoffdioxid ist zum Vergleich mit den Ergebnissen der Ausbreitungsrechnung neben der Stickstoffdioxidkonzentration in Karte 03.03.8 das Jahresmittel der Summe der Stickoxide dargestellt. In dieser Karte treten die Konzentrationsunterschiede von straßennaher und straßenferner Messung noch deutlicher hervor als beim Stickstoffdioxid (vgl. Karte 03.03.9), weil auch das Stickstoffmonoxid berücksichtigt ist, das von den Kraftfahrzeugen primär emittiert wird. Dessen Konzentration nimmt mit der Entfernung von den Straßen durch den doppelten Effekt von Ausbreitung und Umwandlung sehr schnell ab.

Die höchsten Werte wurden allesamt an Straßenmeßstationen gemessen, so an der Stadtautobahn im Bereich der Einfahrt Spandauer Damm in Charlottenburg mit mehr als 300 µg/m³ und in der Neuköllner Karl-Marx-Straße mit mehr als 200 µg/m³.

Stickstoffdioxid - Jahresmittelwerte

Generell läßt sich feststellen, daß die Höhe der gemessenen Immissionswerte abhängig ist von der Entfernung der Meßstationen zu Hauptverkehrsstraßen. An den innerstädtischen Meßstellen, die in mehr als 20 m Entfernung von Straßen angeordnet sind, zeigt die Karte 03.03.9 Werte von 31 bis 47 µg/m³. Das sind 40 bis 60 % des Immissionswertes IW1 der TA-Luft. Die geringsten Werte wurden am nördlichen Rand des Flughafens Tempelhof (31 µg/m³) und im Bereich des Ruhlebener Industriegebietes (32 µg/m³) gemessen, jeweils im Abstand von mehr als 500 m von Hauptverkehrsstraßen. Die höchsten Werte wurden mit 44, 45 und 47 µg/m³ an Meßstellen in Wedding, Tiergarten und Kreuzberg registriert. Diese Meßstellen liegen in 50 bis 150 m Abstand und damit im weiteren Einwirkungsbereich von Hauptverkehrsstraßen.

Im Flächenmittel kann für die Innenstadt ein Jahresmittelwert von 40 µg/m³ bestimmt werden. Mit 18 bis 20 µg/m³ werden am Stadtrand nur etwa halb so hohe Werte gemessen wie in der Innenstadt. Die Waldstation Grunewald zeigt aufgrund des Einflusses der AVUS mit 23 µg/m³ einen leicht erhöhten Wert.

Erheblich höhere Werte als die Rasterstationen weisen die Straßenmeßstationen in Charlottenburg und in Neukölln mit einem Jahresmittel von jeweils 63 µg/m³ auf. Die Charlottenburger Station liegt unmittelbar an der Stadtautobahn, Ausfahrt Spandauer Damm, in offenem Gelände. Die Luftproben werden etwa 5 m über dem Niveau der nach Süden gerichteten Fahrbahn in Höhe des nächstgelegenen Bürgersteigs gezogen. Die Stadtautobahn hat im Bereich der Meßstelle ein Verkehrsaufkommen von ca. 150 000 KFZ pro Tag. Die Neuköllner Station liegt in der Karl-Marx-Straße, deren Verkehrsaufkommen ca. 30.000 KFZ am Tag beträgt. Die Luftproben werden dort 2,5 m über der Bordsteinkante an einem Ampelmast gezogen.

Beide Stationen erreichen im Jahresmittel, trotz großer Unterschiede in Verkehrsaufkommen und Stickoxidemission, mit 63 µg/m³ den gleichen Jahresmittelwert an Stickstoffdioxid. Der I2 (98 %-Wert) liegt an der Stadtautobahn mit 143 µg/m³ nur wenig höher als an der Karl-Marx-Straße, in der 134 µg/m³ gemessen wurden (vgl. Karte 03.03.10). Bei der Summe der Stickoxide (Karte 03.03.8) ist der Unterschied zwar größer, entspricht aber nicht dem unterschiedlich hohen Verkehrsaufkommen. Dies läßt sich damit erklären, daß die Station an der Stadtautobahn von der Luft frei angeströmt werden kann, während die Station in der Karl-Marx-Straße in einer Straßenschlucht liegt, in der die Windgeschwindigkeit geringer ist und damit die Schadstoffverdünnung stark vermindert wird. Beim Stickstoffdioxid macht sich zusätzlich bemerkbar, daß dieser Stoff zum größten Teil erst in der Atmosphäre gebildet wird und deshalb in Emittentennähe nur einen geringen Bezug zur Emission hat.

Auf diese Weise erklärt sich auch die verhältnismäßig geringe Stickstoffdioxidkonzentration (47 µg/m³) der Straßenmeßstation an der Kreuzung Frankfurter Allee/Warschauer Straße. Die genannten Straßen haben zwar ein Verkehrsaufkommen von 70.000 bzw. 22.000 KFZ pro Tag, die Probenahme erfolgt aber in 4 m Höhe auf einem Grünstreifen in 25 bzw. 15 m Abstand von den Straßen. Außerdem sind die angrenzenden Häuserfronten weit von den Fahrbahnen entfernt, so daß die Kreuzung immer gut durchlüftet ist. Analog zum Umweltatlas 1985 wurden auch im Jahr 1991 an den Straßenmeßstellen keine Überschreitungen des IW1 der TA-Luft festgestellt.

Der Leitwert der EG-Richtlinie von 50 µg/m³ für den 50 %-Wert der Stickstoffdioxidkonzentration wird nur an nicht unmittelbar vom Kraftfahrzeugverkehr beeinflußten Orten in Berlin eingehalten. An den Straßenmeßstellen wird er überschritten. Daraus ist zu schließen, daß an vielen Hauptverkehrsstraßen der Stadt - insbesondere in Straßenschluchten - Überschreitungen auftreten.

Gemessene Stickstoffdioxid-Immissionen - 98-Perzentil 1991

Die Karte (03.03.10) des gemessenen Immissionswertes I2 zeigt ein ähnliches Bild wie die Karte des I1-Wertes von Stickstoffdioxid (03.03.9). Es werden mit maximal 143 µg/m³ keine Überschreitungen des Immissionswertes IW2 der TA-Luft von 200 µg/m³ und des gleich hohen Grenzwertes der EG-Richtlinie für Stickstoffdioxid festgestellt. Der Leitwert der EG-Richtlinie von 135 µg/m³ wird an den ausführlich beschriebenen Straßenmeßstationen in Charlottenburg und Neukölln überschritten bzw. knapp erreicht.

Die Konzentration von Stickstoffdioxid in Stadtrandgebieten liegt mit etwa 60 % der Innenstadtwerte etwas höher als es beim Jahresmittelwert der Fall war. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die den I2-Wert bestimmenden hohen Konzentrationen überwiegend bei Wetterlagen mit tiefliegenden Inversionen auftreten, bei denen sich die Schadstoffe nicht vertikal ausbreiten können und deshalb in verhältnismäßig hoher Konzentration bis zum Stadtrand getragen werden.

Kartenansicht English Text available Inhalt    zurück kein weiter

umweltatlas_logo_klein