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Umweltatlas Berlin

03.03 Stickoxide - Emissionen und Immissionen (Ausgabe 1994)

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Problemstellung

Wirkung von Stickoxiden

Stickoxide sind Säurebildner. Sie sind schädlich für die menschliche Gesundheit, bewirken Schäden an Pflanzen, Bauwerken und Denkmälern und sind wesentlich an der übermäßigen Bildung von Ozon und anderen gesundheitsschädlichen Oxidantien während sommerlicher Hitzeperioden beteiligt.

Bei Menschen und Tieren führen Stickoxide und insbesondere Stickstoffdioxid zu Reizungen der Schleimhäute im Atemtrakt und können das Infektionsrisiko erhöhen (vgl. Kühling 1986). Auch Zellveränderungen wurden beobachtet (vgl. BMUNR 1987). Verschiedene epidemiologische Untersuchungen haben einen Zusammenhang zwischen Verschlechterung der Lungenfunktion, Atemwegssymptomen und erhöhter Stickstoffdioxidkonzentration gezeigt (vgl. Nowak et al. 1994).

Grenzwerte

Seit Beginn der 80er Jahre hat mit der Diskussion um die schädlichen Auswirkungen des Kraftfahrzeugverkehrs auf die Umwelt auch das Thema Belastung der Luft mit Stickoxiden verstärkt Beachtung gefunden. So wurden in der Ersten Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft - TA-Luft) die zulässigen Immissionswerte für Stickstoffdioxid bei mehreren Novellierungen bis 1986 schrittweise um 20 bis 30 % gesenkt.

Überschreitungen der Immissionswerte der TA-Luft bzw. der 22. BImSchV ziehen Maßnahmen an Anlagen nach sich, die als Verursacher identifiziert werden. Wenn die Überschreitung nicht einem bestimmten Verursacher zugeordnet werden kann, müssen die zuständigen Behörden einen Luftreinhalteplan aufstellen und bei der Genehmigung neuer Anlagen verschärfte Anforderungen bezüglich der zulässigen Emission stellen.

Außerdem hat die Europäische Gemeinschaft - nach der Begrenzung der Konzentration von Schwefeldioxid, Schwebstaub und Blei in der Luft - mit ihrer Richtlinie vom 7.3.1985 über Luftqualitätsnormen auch für Stickstoffdioxid einen Grenzwert und Leitwerte festgelegt. In der 22. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes wurde dieser 98 %-Grenzwert in nationales Recht überführt.

Tabelle 1
Tab. 1: Grenz-, Richtwerte und Empfehlungen zur Immission von Stickstoffdioxid in der Luft

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Überschreitungen des Grenzwertes der EG-Richtlinie sind an den Rat der Europäischen Gemeinschaft zu melden. Die nationalen Behörden müssen Pläne vorlegen, nach denen der Wert innerhalb einer bestimmten Frist eingehalten werden soll. Auch sollen die Leitwerte der EG-Richtlinie bei der Verkehrs- und Bauplanung berücksichtigt werden. Während Grenzwerte verbindlich gelten, dienen Leit- und Richtwerte der Orientierung und haben lediglich empfehlenden Charakter.

Darüberhinaus müssen zur langfristigen Sicherung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes Immissionswerte eingehalten werden, die die Empfindlichkeit von Ökosystemen berücksichtigen. So bewirkt der Filtereffekt durch die Oberflächenstruktur von Wäldern eine hohe Schadstoffeinwirkung und -akkumulation. Mit den schädlichen Stickoxiden und ihren Folgeprodukten sind entsprechend vielfältige Wirkungen auf Waldökosysteme verbunden. Die seit Anfang der 80er Jahre auf internationaler Ebene intensiv betriebene Waldschadensforschung hat auf dem Gebiet der Immissionswirkungen neue Erkenntnisse geliefert, die zu einer sehr kritischen Grenzwertfestlegung führten. Grenzwerte, bei deren Einhaltung keine Veränderungen in Struktur und Funktion von Ökosystemen zu erwarten sind, wurden von der UN-ECE 1992 aufgestellt (critical levels, critical loads). Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den Erstunterzeichnern und Mitinitiatoren des Übereinkommens und hat die Beschlüsse über neue Strategien in der europäischen Luftreinhaltung ratifiziert.

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