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Umweltatlas Berlin

02.13.4 Versickerung aus Niederschlägen ohne Berücksichtigung der Versiegelung (Ausgabe 1999)

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Problemstellung

Für wasserwirtschaftliche Fragestellungen ist bei der Ermittlung der Versickerung der Einfluss der Versiegelung und der Kanalisation zu beachten, die einen entscheidenden Einfluss auf den Wasserhaushalt urbaner Gebiete haben. In diesem Zusammenhang sei auf die Karten 02.13.1-3 verwiesen.
Im Rahmen der Bewertung der Leistungsfähigkeit von Böden für den vorsorgenden Bodenschutz oder für die Eingriffsbewertung nach dem Naturschutzgesetz ist jedoch die Ermittlung der Versickerung auf unversiegelten Böden von besonderem Interesse. Aus diesem Kennwert kann einerseits die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Böden für die Versickerung abgeleitet werden. Andererseits kann im Rahmen von Planungen abgeschätzt werden, welchen Einfluss eine geplante zukünftige Versiegelung auf die Versickerungsleistung eines Plangebietes haben würde. Diese Aussagen können mit den Werten der Karte 02.13.2 nicht getroffen werden, da hier für die jeweiligen Bezugsflächen Mittelwerte aus versiegelten und unversiegelten sowie aus kanalisierten und nicht kanalisierten Flächenanteilen dargestellt sind.
Aus diesen Gründen ist zusätzlich zur Karte 02.13.2 die Ermittlung und Darstellung der Versickerung unversiegelter Flächen Karte 02.13.4 vorgenommen worden. Dargestellt wird die Versickerung von Niederschlägen auf unversiegelten Böden. Die dargestellten Werte beziehen sich nur auf den unversiegelten Teil der Blöcke bzw. Teilflächen.
Die Versickerungsleistung unversiegelter Böden ist auch Berechnungsgrundlage für die Austauschhäufigkeit des Bodenwassers.

Datengrundlage

Eine ausführliche Beschreibung der Datengrundlagen findet sich im Text zur Karte 02.13. Für die Ermittlung der Versickerung ohne Berücksichtigung der Versiegelung wurden die Eingangsdaten dahingehend verändert, daß die Versiegelung für alle Flächen auf 0 gesetzt wurde, also im Prinzip unberücksichtigt blieb. Die Flächengröße der Straßen wurde ebenfalls auf 0 gesetzt, so daß sich die Ergebniswerte nur auf die unversiegelten Böden der Blockflächen beziehen.

Methode

Zur Berechnung der Versickerung wurde - wie auch für die Karte 02.13 - das an der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Berlin entwickelte und programmierte komplexe Modell ABIMO angewendet. Das Berechnungsverfahren greift auf die Datenbestände des Informationssystems Stadt und Umwelt zu. Die Berechnung für die ca. 25 000 Einzelflächen erfolgte unter der Annahme, daß alle Flächen unversiegelt sind; Straßenflächen blieben unberücksichtigt.

Welche Anteile des Niederschlages zur Versickerung gelangen, ist vor allem abhängig von der Vegetation, dem Boden und dem Flurabstand. Eine ausführliche Beschreibung der Methode findet sich im Text zur Karte 02.13.

Kartenbeschreibung

Mit 200 - 250 mm jährlicher Versickerung erreichen die stark anthropogen veränderten Böden der Innenstadt und der Industriegebiete die höchsten Versickerungsleistungen im Stadtgebiet, gefolgt von den überwiegend sandigen Gebieten des Urstromtals und den sandigen Teilen der Hochflächen mit ca. 150 - 200 mm. Sind die sandigen Böden mit Wald bestanden, sinkt die durchschnittliche jährliche Versickerung auf 100 - 150 mm, da die Bäume auf Grund ihrer Wurzeltiefe wesentlich mehr Wasser verdunsten können. Bedingt durch die höhere Wasserspeicherfähigkeit der lehmigen Böden der Hochflächen des Teltow und des Barnim, kann hier von der Vegetation ebenfalls wesentlich mehr Wasser verdunstet werden, so daß nur noch ca. 50 - 100 mm versickern. In Bereichen mit flurnahem Grundwasser tritt durch den Kapillaraufstieg von Grundwasser in die verdunstungsbeeinflusste Bodenzone eine erhöhte Verdunstung auf, so daß im Jahresdurchschnitt nur noch weniger als 50 mm versickern. Liegt die reale Verdunstung höher als der Niederschlag, tritt Wasserzehrung auf, d.h. die berechneten Werte sind negativ.
Einzelne Flächen haben Versickerungsleistungen von mehr als 300 mm; hierbei handelt es sich um Flächen mit geringer Vegetationsbedeckung oder ohne Vegetation. Daher gelangen hier nur geringe Anteile des Niederschlags zur Verdunstung, der überwiegende Anteil versickert.

Werden die Daten für die Abschätzung der Folgen zusätzlicher Versiegelungen im Rahmen von Planverfahren verwendet, ist folgendes zu beachten :
Die in der Karte angegebenen Versickerungsleistungen werden durch Versiegelungen nur dann auf Null reduziert, wenn die geplante Versiegelung tatsächlich völlig wasserundurchlässig ist (Dachflächen, Asphalt) und das Niederschlagswasser von diesen Flächen vollständig in die Kanalisation abgeleitet wird. Sind teilweise wasserdurchlässige Versiegelungen geplant oder soll das ablaufende Niederschlagswasser nur teilweise in die Kanalisation abgeführt werden, sind hinsichtlich der Reduzierung der Versiegelungsleistung entsprechende Abschläge vorzunehmen. Für genauere Berechnungen empfiehlt sich die Anwendung des Abflussmodells ABIMO, in dem auch simulierte Daten für geplante Flächenstrukturen als Eingangsdaten eingegeben und damit Ist-Bestand und Planung miteinander verglichen werden können.

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