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Umweltatlas Berlin

02.06.1 Gewässerstrukturgüte – Gesamtbewertung (WRRL) (Ausgabe 2012)

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Methode

Zur Kartierung der Gewässerstruktur in Berlin wurden insgesamt drei verschiedene Verfahren angewandt:

  1. Übersichtsverfahren (ÜV) der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA, 2002). Dieses Verfahren zur Kartierung von Fließgewässern basiert auf der Auswertung von Luftbildern, sowie historischem und aktuellem kartographischen Material. Es wurde auf die Gewässer Dahme, Havel und Spree angewandt. Das ÜV erlaubt es, einen Überblick über die Gewässerstruktur bei vergleichsweise geringem Kartieraufwand zu gewinnen. Es ist jedoch in seiner Aussagekraft begrenzt: Insbesondere Aussagen zur Gewässersohle sind mit diesem Verfahren nicht möglich. Es wird daher heutzutage kaum noch angewandt.
  2. Vor-Ort-Verfahren (VOV) der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA, 2000). Dieses Verfahren zur Kartierung von Fließgewässern basiert auf einer Vor-Ort Begehung des zu untersuchenden Fließgewässers und erlaubt so eine genaue Ansprache von mehr als 25 ökologisch relevanten Parameter, insbesondere auch in der Gewässersohle. Es wurde mit Ausnahme von Havel, Dahme und Spree auf alle in der Karte dargestellten kleineren Fließgewässer angewandt.
  3. Seeufer-Kartierverfahren (SUK) des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG, 2004). Die Berliner Seeufer wurden nach einem Verfahren kartiert, das ursprünglich im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG M-V, Güstrow) entwickelt und in Hinblick auf die in Berlin anzutreffenden Bedingungen angepasst wurde. Dieses Verfahren basiert, ähnlich zum Übersichtsverfahren für Fließgewässer, auf der Auswertung von Luftbildern und kartographischem Material. Im Rahmen der Kartierung der Berliner Seeufer wurde zusätzlich eine seeseitige Befahrung aller Seeufer vorgenommen, um so die Bewertung von Parametern zu ermöglichen, die sich aus Luftbildern insbesondere aufgrund von ufernahem Baumbestand nicht oder nicht ausreichend genau bestimmen lassen.
Allen Kartierverfahren gemeinsam ist die Bewertung der betrachteten Abschnitte unter Verwendung einer siebenstufigen Klassifizierung (siehe Tab. 1), wobei die Bewertungen von "unverändert" (Klasse 1) bis "vollständig verändert" (Klasse 7) reichen.

Tab. 1: Bezeichnung und Beschreibung der Strukturklassen für Fließgewässer
Klasse Grad der Veränderungen Beschreibung
1 unverändert Die Gewässerstruktur entspricht dem potenziell natürlichen Zustand.
2 gering verändert Die Gewässerstruktur ist durch einzelne, kleinräumige Eingriffe nur gering beeinflusst.
3 mäßig verändert Die Gewässerstruktur ist durch mehrere kleinräumige Eingriffe nur mäßig beeinflusst.
4 deutlich verändert Die Gewässerstruktur ist durch Eingriffe z.B. in Sohle, Ufer, durch Rückstau und/oder Nutzungen in der Aue deutlich beeinflusst.
5 stark verändert Die Gewässerstruktur ist durch Kombination von Eingriffen z.B. in die Linienführung, durch Uferverbau, Querbauwerke, Anlagen zum Hochwasserschutz und/oder Nutzungen in der Aue beeinträchtigt.
6 gering verändert Die Gewässerstruktur ist durch Kombination von Eingriffen z.B. in die Linienführung, durch Uferverbau, Querbauwerke, Anlagen zum Hochwasserschutz und/oder Nutzungen in der Aue stark beeinträchtigt.
7 vollständig verändert Die Gewässerstruktur ist durch Eingriffe in die Linienführung, durch Uferverbau, Querbauwerke, Stauregulierung, Anlagen zum Hochwasserschutz und/oder Nutzungen in der Aue vollständig verändert.
Tab. 1: Bezeichnung und Beschreibung der Strukturklassen für Fließgewässer.
Quelle: Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA). Die Klassen werden identisch auch zur Bezeichnung und Bewertung der Seeufer herangezogen.

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Die Vorgehensweise ist dabei für die angewandten Verfahren (ÜV, VOV, SUK) prinzipiell vergleichbar: Über mehrere Hierarchieebenen werden die im Gelände erhobenen bzw. aus bereits vorliegenden thematischen Datengrundlagen bestimmten Ausprägungen der jeweiligen Einzelparameter zu einer Gesamtbewertung für einen Abschnitt zusammengefasst. In den meisten Fällen erfolgt dies über die Bildung des arithmetischen Mittels, zum Teil werden aber auch komplexere Verfahren verwendet. Details zur Berechnung der Gesamtbewertung können den jeweiligen Verfahrensbeschreibungen entnommen werden (LAWA, 2002; LAWA, 2000; LUNG, 2004). Das prinzipielle Vorgehen soll am Beispiel der Indexbewertung der Gewässerstruktur von Fließgewässern nach dem VOV verdeutlicht werden: Bei der Erhebung vor Ort werden die Ausprägungen für 25 Strukturelemente (=Einzelparameter) des Gewässers und seines Umfeldes als Indikatoren für die ökologische Funktionsfähigkeit in einem Erfassungsbogen aufgenommen.

Aus den abschnittsweise erhobenen Einzelparametern wird über eine arithmetische Mittelwertbildung die Bewertung der Hauptparameter vorgenommen (siehe Abb. 1). Die Zuweisung der Güteklassen von 1 ("unverändert") bis 7 ("vollständig verändert") erfolgt dabei über die in Tab. 1 dargestellte Vorschrift. Ebenfalls über Bildung des arithmetischen Mittels werden aus den Hauptparametern die Indexbewertungen für die Gewässerbereiche "Sohle", "Ufer" "Land", sowie der Gesamtindex für die Gewässerstruktur abgeleitet und anschließend wiederum die jeweiligen Güteklassen zugewiesen.

Abbildung 1
[Ca. 62 KB groß.]

Abb. 1: Hierarchische indexgestützte Zusammenfassung der Einzelparameter in die übergeordneten Ebenen "Hauptparameter", "Bereiche" und "Gesamtbewertung" nach dem VOV. Die gepunkteten Linien verdeutlichen, dass die Gesamtbewertung direkt aus den Hauptparametern ermittelt wird.
Quelle: Gewässerstrukturkartierung in der Bundesrepublik Deutschland, Anhang 2.

Methodenkritik

Die Methoden zur Bewertung der Gewässerstruktur sind relativ neu und zum Teil noch nicht endgültig festgelegt. Dies kann sich in einer den tatsächlichen Gegebenheiten nicht angemessenen negativen Bewertung der Gewässerstruktur bemerkbar machen.

So wurden z. B. bei der Bewertung der Fließgewässer nach LAWA, 2000 naturraum-spezifische Gewässer-"Leitbilder" herangezogen, die den Gegebenheiten im Norddeutschen Tiefland im Hinblick auf die Sohlstruktur nicht immer gerecht werden, was im Resultat zu einer ungerechtfertigten Abwertung der Gewässerstruktur führen kann. Basierend auf den Erfahrungen, die über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren bundesweit mit der Strukturkartierung von Fließgewässern gewonnen wurden, erschien im Jahr 2012 eine vollständig überarbeitete Anleitung zur Kartierung der Struktur von Fließgewässern (LANUV, 2012).

Auch das Verfahren zur Seeuferkartierung wird in einer 2013 bundesweit angestrebten Überarbeitung, den tatsächlichen Gegebenheiten der unterschiedlichen Gewässertypen noch gerechter werden, um im Zusammenspiel mit den Erhebungen der ufernahen biologischen Erhebung eine erfolgreiche Maßnahmenumsetzung erreichen zu können.

Trotz ihrer (erkannten) Defizite erlauben die Verfahren zur Erhebung der Gewässerstruktur jedoch bereits in den angewandten Versionen einen aussagekräftigen Vergleich zwischen einzelnen Gewässern sowie eine eindeutige Ausweisung von problematischen Gewässer- bzw. Uferabschnitten und stellen so eine äußerst wertvolle Grundlage für Gewässerentwicklungskonzepte und weitere Maßnahmenplanung dar.

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