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Umweltatlas Berlin

02.01 Gewässergüte (Ausgabe 1993)

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Kartenbeschreibung

Schwermetalle im Sediment

Die Sedimente der gesamten Fließstrecke der Unterhavel, des Wannsees und der Kleinen Wannseekette sind überwiegend als mit Schwermetallen stark belastet anzusehen.

Nahezu alle Berlin durchfließenden Gewässer münden in die Havel. Insbesondere die äußerst geringe Fließgeschwindigkeit der seenartig erweiterten Havel begünstigt die Sedimentation der mitgeführten Schweb- und Sinkstoffe. Vor allem die Schwermetalle Cadmium, Zink, Blei und Kupfer weisen in den Unterhavelsedimenten hohe Belastungswerte auf (Güteklasse 3 - 4 und 4). Für Chrom wurden relativ geringe Konzentrationen nachgewiesen (Güteklasse 2 und 2 - 3); die Nickelgehalte der Unterhavelsedimente sind unbedeutend und liegen im Bereich der Güteklasse 1 - 2.

In der Kleinen Wannseekette läßt sich der Einfluß des seit 1905 über den Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal zufließenden Teltowkanalwassers deutlich erkennen. Ab diesem Zeitpunkt lassen sich hier insbesondere zunehmende Zinkkonzentrationen nachweisen.

Im Oberlauf der Havel ist gegenüber der Unterhavel insgesamt eine geringere Schwermetallbelastung der Sedimente festzustellen. Die hier auftretenden Belastungen sind auf Einträge aus den nördlich von Berlin liegenden Industriezentren Oranienburg und Henningsdorf zurückzuführen.

Die äußerst unterschiedliche Belastung der Streckenabschnitte des Teltowkanals vom Abzweig Dahme bis einschließlich des im Westteil der Stadt befindlichen Abschnittes in Rudow ist begründet durch aufgeschüttete Barrieren im ehemaligen Grenzbereich. Eine Sedimentation der Schweb- und Sinkstoffe fand in diesem Bereich vornehmlich im östlichen Streckenabschnitt statt. Die hier allgemein hohen Schwermetall-, vor allem aber Cadmiumgehalte in den Sedimenten sind durch Einleitungen und Abtrag vom Betriebsgelände der Berlin Chemie verursacht.

Die Meßergebnisse von Sedimenten der Spree im Ostteil von Berlin weisen einen deutlich geringeren Schwermetalleintrag auf (Güteklasse 1 bis 2 - 3). Insbesondere die Lage vor dem stark besiedelten Bereich Berlins sowie die geringere Sedimentationsrate erklären den Qualitätsunterschied gegenüber den Sedimenten der Unterhavel.

In Tabelle 3 sind die Höchst-, Mittel- und Niedrigstwerte der Schwermetallgehalte in den mittels Gefrierkernbohrer entnommenen Sedimentproben im Bereich der Havelgewässer und des Teltowkanals gegenübergestellt. An einigen Bohrpunkten wurden extrem hohe Schwermetallbelastungen ermittelt, die die Schlammgrenzwerte der Klärschlammverordnung (AbfKlärV vom 15. 4. 1992) um ein vielfaches überschreiten.

Tabelle 3 - Dummy
[Ca. 36 KB groß.]

Tab. 3: Maxima, Minima und Durchschnittswerte von Mittelwerten der Schwermetallgehalte der Anreicherungszonen im Bereich der Havelgewässer und des Teltowkanals

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Pestizide und PCB im Sediment

Die PCB-Zusammensetzung erlaubt in gewissen Grenzen Rückschlüsse auf das Alter des Eintrages. So kann bei gehäuftem Auftreten gering chlorierter und damit leichter abbaubarer PCB auf Frischverschmutzung geschlossen werden. PCB-Altlasten (PCB 138, 153, 180) wurden in nahezu allen untersuchten Gewässerabschnitten nachgewiesen. Auf wesentliche PCB-Frischverschmutzungen (PCB 28, 52) deuten die Untersuchungsergebnisse der Stadtspree-Sedimente hin. Alle größeren Regenwassereinläufe weisen zum Teil hohe PCB-Frischverschmutzungen und die Zuführung von PCB aus Altlastenquellen auf. Entsprechend dem oben beschriebenen Sedimentationsverhalten der in den Gewässern mitgeführten Schweb- und Sinkstoffe weist die Unterhavel teilweise hochkonzentrierte PCB-Ablagerungen auf, z. B. im Bereich des Großen Wannsees.

Die Sedimente der Oberhavel, der Dahme und der Spree am Anfang der Berliner Fließstrecke weisen hingegen nur eine geringe bis mäßige PCB-Konzentration (Güteklasse 2) auf.

Im Bereich des Teltowkanals ist die Sedimentbelastung mit PCB sehr unterschiedlich (Güteklasse 1 - 2 bis hin zu Güteklasse 4). Auffällig sind hier die hohen PCB-Werte im Bereich der Häfen Tempelhof und Mariendorf, unterhalb des Auslasses des Lichterfelder-Lankwitzer-Regenwassersammelkanals und unterhalb der Klärwerksabläufe (Waßmannsdorf, Mariendorf, Ruhleben).

Die Sedimentbelastung mit DDT ist im Vergleich zu den PCB insgesamt erheblich geringer. Belastungsschwerpunkte sind hier der Teltowkanal sowie einige Abschnitte der Unterhavel. Die hohe Belastung im Oberlauf des Teltowkanals und des Neuköllner-Schiffahrtskanals ist auf den Einfluß des Abtrags und der Abwassereinleitungen vom Gelände der Berlin Chemie zurückzuführen.

Lindan weist in den Berliner Gewässersedimenten nur geringe Konzentrationen auf. Nahezu bei allen Meßabschnitten führten die Meßergebnisse zur Beurteilung mit der Güteklasse 1 - 2.

Die PCB-, DDT- und Lindan-Meßergebnisse basieren auf Untersuchungen der oberen Sedimentschicht. Weitergehende Untersuchungen über die vertikale Ausdehnung von CKW belegen einerseits das Vorhandensein älterer Einträge in tieferen Sedimentschichten. Darüberhinaus weisen insbesondere PCB-Meßwerte darauf hin, daß eine Migration (Verfrachtung im Bodenkörper) gegeben ist. Die bisherigen Erkenntnisse über das Migrationsverhalten ergeben Anzeichen dafür, daß längerfristig eine potentielle Grundwasserbeeinträchtigung bzw. Kontaminationsgefahr des aus Uferfiltrat gewonnenen Trinkwassers nicht auszuschließen ist.

Pestizide und PCB im Aal

Die Höhe der PCB-Kontamination der Fische hängt vorwiegend von der Belastung der einzelnen Gewässer sowie der artspezifischen Neigung zur Fettdepotbildung ab. Die Fettfischart Aal ist in den Berliner Gewässern besonders betroffen. Knapp ein Viertel der vom Fischereiamt Berlin in den Jahren 1989-90 beprobten Aale wiesen aus lebensmittelrechtlicher Sicht Höchstmengen-Überschreitungen auf.

Der Zusammenhang von PCB-belasteten Gewässersedimenten und hohen PCB-Gehalten im Aal zeigt sich deutlich im Unterhavel-Gebiet und dem Unterlauf des Teltowkanals. Analog zu erhöhten PCB-Werten im Sediment weisen die Aale ebenfalls hohe PCB-Gehalte auf.

Im Grunewald- und Hundekehlesee dagegen sind die Aale trotz geringer PCB-Gehalte in den Sedimenten hoch mit PCB belastet. Da hier vor kurzem entschlammt wurde, ist anzunehmen, daß die beprobten Aale älter sind und ihre Kontamination noch auf dem belasteten Sediment vor der Entschlammung beruht.

Von der DDT-Kontamination der Gewässersedimente ist ebenfalls der Fettfisch Aal am stärksten betroffen. Auswirkungen der mit DDT belasteten Sedimente spiegeln sich in erhöhten Gehalten im Aal wider.

Die erhöhten DDT-Gehalte im Aal aus der Großen Grunewaldseenkette deuten auf die immer noch nachwirkende DDT-Einbringung vor ca. 40 Jahren hin. Zur Minderung des Mückenaufkommens wurden diese Gewässer damals mit DDT behandelt.

Der für die in Berliner Gewässern vorkommenden Fischarten insgesamt festgestellte Rückgang der Belastung mit PCB und DDT führte 1992 zur Aufhebung des Vermarktungsverbotes. Die Reduzierung der Schadstoffe in Fischen wurde durch die gezielte Verjüngung des Fischbestandes erreicht. Mittel- und langfristig ist jedoch nur sehr langsam eine Abnahme der Belastung der benthisch lebenden Fischarten, insbesondere mit PCB, zu erwarten, da mit der durchgeführten Maßnahme nicht die Ursachen der Fischbelastung beseitigt wurden. Die Abnahme kann nur in dem Maße erfolgen, in dem durch geringere Einträge eine Sedimentabdeckung mit frischen, geringer belasteten Sedimenten erfolgt.

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