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Umweltatlas Berlin

01.19 Moore (Ausgabe 2015)

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Kartenbeschreibung

Karte 01.19.1 Moorgebiete und Bodentypen

Aktuell sind etwa 740 ha Moorböden in Berlin zu finden, die sich hauptsächlich in den weniger dicht besiedelten und bebauten Randbezirken befinden. Insgesamt wurden 76 Moorstandorte ausgewiesen. Ein Großteil der Standorte liegt im Urstromtal in den Niederungsbereichen, wie etwa die Moore im Bezirk Köpenick (z. B. Gosener Wiesen). Außerdem befinden sich weitere bedeutende Moorflächen im Tegeler Fließtal sowie im NSG Lietzengrabenniederung/ Bogenseekette, im Grunewald (z. B. Teufelsfenn) und in Teilen Spandaus (z.B. Großer und Kleiner Rohrpfuhl). Die Moorflächengrößen der einzelnen kartierten Standorte unterscheiden sich deutlich. Die größte zusammenhängende Moorfläche in Berlin wird von den Gosener Wiesen mit mehr als 200 ha Fläche eingenommen. Im Gegensatz dazu nehmen die Moorflächen im Gebiet "Kleines Fenn" und "Kleines Luch" in Schmöckwitz zusammen nur etwa 0,3 ha Fläche ein.

Auch in den Moormächtigkeiten existieren große Unterschiede zwischen einzelnen Moorgebieten. Die geringste maximale Mächtigkeit wurde mit 0,7 m kartiert ("Moor am Plumpengraben"). Die größte maximale Moormächtigkeit mit 12,60 m wurde im Zentrum der Kleinen Pelzlaake erbohrt.

Etwa 600 ha der kartierten Moorflächen fällt in die Bodenabteilung der "echten" Moore nach bodenkundlicher Kartieranleitung (Ad-hoc-AG Boden 2005, Tabelle 1). Der Rest wird hauptsächlich von begrabenen Moorböden eingenommen, deren ehemals oberflächlich anstehende Torfe durch anthropogene Aufträge überdeckt wurden. Dies geht häufig mit einsetzender Mineralbodenbildung (z. B. Gley über Niedermoor) einher, wie beispielsweise im randlichen Erpetal. Aufgrund gestiegener Wasserstände, teilweise auch durch Moorsackung verursacht, kam es vielfach zu erneut einsetzender Torfbildung, wie z. B. auf der Meiereiwiese/Pfaueninsel. Ein kleiner Teil der kartierten Moorflächen gehört zur Klasse der überstauten, subhydrischen Böden mit aktueller organischer Muddebildung über Torf.

Tab. 1: Übersicht über die kartierten Moorflächen in Berlin
Bodenabteilung Beispiele Fläche [ha] Anteil [%]
Moore Normniedermoor 608 82
Böden begrabener Moore Gley über Niedermoor 109 15
subhydrische Böden Sapropel (Muddeboden)
über Erdniedermoor
24 3
Tab. 1: Übersicht über die kartierten Moorflächen in Berlin

Die Hälfte der kartierten echten Moorböden besteht bodenkundlich aus sog. "Normtypen", die flurnahe Wasserstände besitzen und aktuell keiner dauerhaften Entwässerung ausgesetzt sind (Tabelle 2). Beispiele für Moorböden mit derzeit flurnahen Wasserständen findet man z. B. in weiten Teilen des Tegeler Fließ oder auf dem Schmöckwitzer Werder.

Tab. 2: Übersicht über die kartierten Moorbodentypen in Berlin
Boden(-sub)-typen Fläche [ha] Anteil [%]
Niedermoor (Normtypen) 270 * 44,5
Erd- und Mulmniedermoor 281 46
Übergangsmoor (Normtypen) 30 5
Übergangserdmoor 27 4,5
* davon 38 ha ohne reliktische Degradierung
Tab. 2: Übersicht über die kartierten Moorbodentypen in Berlin

Viele dieser Moorflächen enthalten reliktische Vererdungserscheinungen in ihren Oberbodenhorizonten, die auf deutlich niedrigere vergangene Moorwasserstände, z. B. infolge stärkerer Entwässerung, hindeuten.

Demgegenüber besteht die andere Hälfte der Berliner Moorbodenflächen aus aktuell entwässerten und degradierten Mooren, die einen erst vor kurzer Zeit entstandenen (rezenten) Vererdungshorizont an der Oberfläche von 1 dm und mehr aufweisen. Die Moore, die am stärksten degradiert und entwässert sind, liegen hauptsächlich im westlichen Grunewald. Aufgrund Ihrer Lage im Absenktrichter der Grundwasserförderung für die Trinkwassergewinnung befinden sich die lokalen Moorwasserspiegel hier vor allem in den Randbereichen oft mehr als 1 m unter der heutigen Mooroberfläche.

Über die Moorboden(-sub)-typen ist eine erste Einschätzung des ökologischen Moor- und Bodenzustandes möglich. Prinzipiell entsprechen die "Normtypen" (Tab. 1) dem Zielzustand und die entwässerten Erd- und Mulmmoore zeigen Degeneration bzw. Handlungsbedarf an. Die "Normtypen" bieten den Menschen wertvolle Ökosystemleistungen, während entwässerte Moorböden nicht nur weniger "leistungsfähig" sind, sie sind als Quellen von Treibhausgasen (Kohlendioxid) oder Nährstoffen (z. B. Nitrat; Sulfat) sogar eine Umweltbelastung und schädigen das Klima sowie Grundwasser und Gewässer.

Für eine differenzierte Beurteilung von verschiedenen Ökosystemleistungen reicht die Ebene der Boden(-sub)-typen nicht mehr aus und es müssen weitere Parameter herangezogen werden. Eine Niedermoor (Normtyp) kann z. B. durch frühere Entwässerungsphasen tiefgreifend vererdet und eutrophiert sein. Obwohl es heute flurnahe Wasserstände zeigt, hat es an ökologischem Wert verloren, da seltene eutrophierungsempfindliche Pflanzenarten irreversibel verdrängt wurden.

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