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Umweltatlas Berlin

01.12 Bodenfunktionen (Ausgabe 2002)

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01.12.1 Lebensraumfunktion für die natürliche Vegetation

Beschreibung

Der Lebensraum für die natürliche Vegetation wird von den Standortbedingungen der Böden geprägt. Die Veränderungen des Bodens durch Abgrabungen, Aufschüttungen und Umlagerungen sowie durch Grundwasserabsenkung und Nährstoffeintrag haben eine weitgehende Nivellierung der Standorteigenschaften zur Folge, sodass besonders spezialisierten Pflanzenarten der Lebensraum entzogen wird. Daher ist ein möglichst geringer Einfluss bzw. eine geringe Störung durch den Menschen, d.h. eine große Naturnähe und eine hohe Seltenheit von Bedeutung für die Lebensraumfunktion für die natürliche Vegetation.
In der hier durchgeführten Bewertung der Lebensraumfunktion, die sich an dem von Lahmeyer 2000 entwickelten Konzept orientiert, werden vor allem Bodengesellschaften mit extremen Bedingungen des Wasserhaushalts als wertvoll bewertet. Seltene und nasse Standorte werden zusammen mit nährstoffreichen Waldstandorten, die für den Berliner Raum die Ausnahme sind und in Form von Laubwäldern auf Geschiebemergelhochflächen vorkommen, als sogenannte Sonderstandorte ausgewiesen. So können ökologisch besonders wertvolle Standorte und Entwicklungspotenziale von Auengesellschaften, Feuchtwiesen, Moorflächen und nährstoffreichen Wäldern hervorgehoben werden. Böden, die nicht die Kriterien für Sonderstandorte aufweisen, aber dennoch wegen ihrer besonderen Standorteigenschaften einen hohen Wert als Lebensraum für die natürliche Vegetation besitzen, sind zum Beispiel extrem trockene und nährstoffarme Dünen als potentielle Standorte wertvoller Trockenrasen. Diesen Flächen als besonderer Naturraum wird in diesem Verfahren nur durch ihre Seltenheit und Naturnähe Rechnung getragen. Sie erhalten daher in diesem Verfahren nur eine mittlere Bewertung.

Methode

Der Lebensraum für die natürliche Vegetation wird aus den ermittelten Kriterien Naturnähe (vgl. 01.11.3), regionale Seltenheit der Bodengesellschaft (vgl. 01.11.1), Standortfeuchte und Nährstoffversorgung (für Waldstandorte) abgeleitet. Hauptkriterium ist die Naturnähe. Anhand der anderen Kriterien werden sogenannte "Sonderstandorte" ermittelt.

Sonderstandorte sind:

  • Flächen, auf denen die Standortfeuchte mit "nass" angegeben wurde
  • Flächen, auf denen die Regionale Seltenheit der Bodengesellschaft mit sehr selten - selten bewertet wurde
  • Flächen unter Waldnutzung, die eine gute Nährstoffversorgung im Oberboden aufweisen

Differenziert nach Sonderstandorten und übrigen Standorten wird die Bewertung des Lebensraums für die natürliche Vegetation nach Tabelle 1 in drei Klassen (gering, mittel, hoch) unter Berücksichtigung der Naturnähe vorgenommen. Dabei erhalten die Sonderstandorte mit ihren extremen Standortbedingungen - mit Ausnahme extrem trockener Standorte - eine deutlich höhere Bewertung als die anderen Standorte. Dort wird ausschließlich ein mittleres Entwicklungspotential für die natürliche Vegetation bei sehr hoher Naturnähe bzw. regionaler Seltenheit erreicht.

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Abbildung 1: Schema zur Bewertung der Lebensraumfunktion für die natürliche Vegetation

Tabelle 1: Bewertung der Bodenfunktion Lebensraum für die natürliche Vegetation aus der Bewertung der Naturnähe differenziert nach Sonderstandorten und übrigen Standorten
Sonderstandort Bewertung
Naturnähe
Lebensraumfunktion
Bewertung Bezeichnung
Ja hoch 3 hoch
mittel 2 mittel
gering 1 gering
sehr gering 1 gering
Nein hoch 2 mittel
mittel 1 gering
gering 1 gering
sehr gering 1 gering
Tabelle 1: Bewertung der Bodenfunktion Lebensraum für die natürliche Vegetation aus der Bewertung der Naturnähe differenziert nach Sonderstandorten und übrigen Standorten (Lahmeyer 2000)

Kartenbeschreibung

Flächen mit hoher Bedeutung als Lebensraum für die natürliche Vegetation sind ausschließlich auf naturnahe Böden in den Außenbereichen von Berlin beschränkt. In diese Kategorie fallen nur wenige kleine Flächen. Sie beinhalten Böden, die durch hohen Grundwasserstand gekennzeichnet sind, wie Niedermoor- und Gleygesellschaften in Schmelzwasserrinnen, Flussniederungen und Talsandflächen. Hervorzuheben ist auch das Kalkmuddengebiet in Teerofen und Fahlerden mit Sandkeilrostbraunerden auf der Geschiebemergelhochfläche in Frohnau unter Laubwald.
Eine mittlere Bewertung erhalten ebenfalls nur naturnahe Böden. Darunter fallen Niedermoor- und Gleybodengesellschaften von Talsandflächen, Rostbraunerden von End- und Stauchmoränen sowie Schmelzwasserrinnen. Eine besondere Bedeutung für die natürliche Vegetation haben auch die Flächen von Podsolgesellschaften aus Dünensanden und Talsandflächen; auf den lehmigen Hochflächen sind Parabraunerden mit Sandkeilrostbraunerden und bei ehemaliger Rieselfeldnutzung in Gatow Gleyparabraunerden mit Gleysandkeilrostbraunerden in dieser Bewertungsklasse zu nennen.
Der überwiegende Teil der Flächen besitzt nur eine geringe Bedeutung für die Entwicklung der natürlichen Vegetation. Dies sind vor allem innerstädtische Flächen mit anthropogenen Aufschüttungen wie zum Beispiel Bauschutt.

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