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Umweltatlas Berlin

01.11 Kriterien zur Bewertung der Bodenfunktionen (Ausgabe 2002)

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01.11.3 Naturnähe

Beschreibung

Im Berliner Stadtgebiet sind Böden in großem Ausmaß durch menschliche Eingriffe stark verändert. Mit dem Kriterium Naturnähe wird das Ausmaß der Veränderungen gegenüber dem natürlichen Ausgangszustand beschrieben. Als Veränderungen werden in diesem Zusammenhang insbesondere Vermischungen der natürlichen Horizontierung der Böden, der Abtrag von Bodenmaterial oder die Überlagerung mit Fremdmaterialien verstanden. Stoffeinträge und Grundwasserabsenkungen bleiben hier unberücksichtigt. Mit Hilfe der Bodengesellschaftskarte und Angaben über die Flächennutzung kann eine Übersicht über das Ausmaß der anthropogenen Veränderungen und damit der Naturnähe von Böden und Bodengesellschaften in Berlin gegeben werden.
Diesem Kriterium kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, als davon auszugehen ist, dass sich natürliche Bodencharakteristika und die Vielfalt von Bodeneigenschaften vor allem an wenig veränderten Standorten erhalten haben, während der Einfluss des Menschen zu einer Homogenisierung von Bodentypen und deren Eigenschaften geführt hat. Bereits bei der Bildung der Legendeneinheiten der Bodengesellschaftskarte wird daher grob zwischen naturnahen und anthropogen geprägten Bodengesellschaften unterschieden.

Methode

Zur Ermittlung der Naturnähe wurden von Blume, Sukopp (1976) Hemerobiestufen für Böden in Anlehnung an den Hemerobiebegriff aus der Vegetatationskunde eingeführt. Danach wurden verschiedene Landnutzungsformen nach dem Grad des Kultureinflusses auf Ökosysteme in sogenannte Hemerobiestufen eingegliedert. Diese System nutzte Grenzius 1987 zur Beschreibung des anthropogenen Einflusses auf Böden und Bodengesellschaften in der Karte der Bodengesellschaften von Berlin (West) 1985.
Grenzius untergliederte die Hemerobiestufen in Abhängigkeit von Flächennutzungen weiter (vgl. Tab.1). Ausgangspunkt war, dass insbesondere die spezifischen Nutzungen der Flächen durch den Menschen Art und Umfang der Veränderung und Zerstörung des natürlichen Bodens verursachen.
In der Tabelle 1 ist die Einstufung der Flächen in Abhängigkeit von ihrer Nutzung durch die verschiedenen Autoren dargestellt.

Tabelle 1: Bewertung der Hemerobie und Naturnähe sowie Bewertung für die Berliner Böden
nach Blume 1) nach Grenzius 2) Wertigkeits-
stufe 3)
Nach Stasch et al
Naturnähe der Berliner Böden 4)
1 ahemerob           1 nicht verändert in Berlin nicht vorkommend
2 oligohemerob           2 sehr wenig verändert in Berlin nicht vorkommend
3 meso-
hemerob
1 a meso-
hemerob
1 sehr hoch 3 wenig verändert Forst, Moor, Moorwiese
2 b meso-
euhemerob
Straßenrandbereich im Forst, Landschaftspark
4 euhemerob 3 c euhemerob 2 hoch 4 mäßig verändert Acker, Pfuhl, Aue, Wiese, Weide
4 d euhemerob Park, z.T. Wiese und Weide
5 e euhemerob 3 mäßig Kolonie (Kleingarten), Friedhof, Park, gering besiedelte Flächen; Flughafen, Aue, Badestelle, Wechsel von Aufschüttung und natürlichem Boden
6 f euhemerob 4 gering 5 stark verändert Kolonie, mit Rieselwassereinfluss, Rieselfeld
5 polyhemerob 7 g polyhemerob 6 sehr stark verändert Kolonie (Aufschüttung, Abgrabung); Park, vorwiegend auf Aufschüttung, Freifläche der Innenstadt, Trümmerberg, Gleisanlage, Truppenübungsplatz, Aufschüttung in Toteissenke, Kiesgrube, Versiegelung 0 - 15 %
8 h polyhemerob 5 sehr gering 7 extrem stark verändert Siedlung, Innenstadt, Industriefläche, Versiegelung 10 - 50 %
9 i polyhemerob Siedlung, Innenstadt, Industriefläche, Versiegelung 45 - 90 %
6 metahemerob 10 k polymeta-
hemerob
Siedlung, Innenstadt, Industriefläche, Versiegelung 85 - 100 %
1) Blume 1990: Handbuch des Bodenschutzes (nach Blume, Sukopp 1976)
2) Grenzius 1987: Die Böden Berlins (West)
3) Stasch, Stahr, Sydow 1991: Welche Böden müssen für den Naturschutz erhalten werden?
4) Bewertung der Naturnähe der Böden unter Bezugnahme auf die o.g. Quellen

Tabelle 1: Bewertung der Hemerobie und Naturnähe durch Blume und Sukopp (1976) bzw. Blume (1990); Grenzius (1987); Stasch, Stahr, Sydow (1991) sowie Bewertung für die Berliner Böden

Da in Berlin völlig unveränderte Böden nicht mehr existieren, blieben die Kategorien der unveränderten oder sehr wenig veränderten Böden unberücksichtigt. Entsprechend wurden für die Bewertung der Berliner Böden die Kategorien unter Berücksichtigung der Einstufungskriterien von Blume, Grenzius und Stasch, Stahr, Sydow neu festgelegt.

Für die Bestimmung der Naturnähe der Böden wurden Daten zu Bodengesellschaften, Nutzung, Nutzungstyp und zum Versiegelungsgrad verwendet. Aus diesen Werten wurden in einem ersten Aggregationsschritt eine automatisierte Einstufung vorgenommen, indem bestimmten Kombinationen aus Bodengesellschaften, Nutzungen und Versiegelungsgraden ggf. unter Verwendung des Nutzungstyps die entsprechenden Bewertungen hinsichtlich der Naturnähe (Stufen 1 - 10 nach Grenzius entsprechend Tab. 1) zugeordnet wurde.

Für ausgewählte Flächennutzungen wie z.B. Grün- und Parkanlagen, Brachflächen usw. war eine individuelle Bewertung der Naturnähe erforderlich. Böden von Park- und Grünanlagen und von Brachflächen können in sehr unterschiedlichem Umfang verändert worden sein. Während Böden in der Innenstadt in der Regel stark verändert bzw. auf anthropogen geschüttetem Material völlig neu entstanden sind, finden sich im Außenbereich bei gleicher Nutzung vielfach naturnahe Böden mit z.T. sehr geringen Veränderungen. Die Naturnähe dieser Flächen wurde daher individuell unter Zuhilfenahme topographischer Karten, Schutzgebietskarten und Gutachten ermittelt.

Für die Darstellung in der vorliegenden Karte erfolgte eine Bewertung und Zusammenfassung in vier Stufen nach von sehr gering bis hoch (vgl. Tab. 2 nach Lahmeyer 2000).

Tabelle 2: Bewertung der Naturnähe aus ihren Stufen
Stufe nach Tab. 1 Naturnähe der Böden
Bewertung Bezeichnung
1 4 hoch
2 - 5 3 mittel
6 - 7 2 gering
8 - 10 1 sehr gering
Tabelle 2: Bewertung der Naturnähe aus ihren Stufen (Lahmeyer 2000)

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