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Umweltatlas Berlin

01.10 Rieselfelder

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Kartenbeschreibung

Rieselfeldnutzung seit 1874

Als erstes Rieselgut erwarb die Stadt Berlin im Jahre 1874 das Rittergut Osdorf. Nach Fertigstellung der Druckleitung und Einrichtung des Rieselfeldes Osdorf wurde hier im Jahre 1876 mit der Verrieselung Berliner Abwässer begonnen. In den darauffolgenden Jahren wurden 20 Rieselfeldbezirke in Betrieb genommen (vgl. Tab. 1). Etwa um 1928 wurde mit etwa 10 000 ha aptierter Fläche die maximale Ausdehnung erreicht.

Seit den 20er Jahren kam es zu immer schwerwiegenderen Problemen auf den Rieselböden. Die anfänglich hohen landwirtschaftlichen Erträge gingen seit dieser Zeit erheblich zurück. Bei zu schneller Aufeinanderfolge der Berieselungen wurde die Oberfläche des Bodens durch sedimentierte Abwasserbestandteile verschlämmt, wodurch der Lufthaushalt des Standorts beeinträchtigt wurde. Zusätzlich führten Ungleichgewichte im Nährstoffhaushalt sowie die zunehmende Schadstoffbelastung der Böden zu Ertragsminderungen bei den angebauten Kulturen. Dieser sogenannten "Rieselmüdigkeit" versuchte man durch Belüftung im Rahmen einer regelmäßigen Bodenbearbeitung sowie durch gefügeverbessernde Maßnahmen, wie z.B. Kalkung und die Aufbringung von Stallmist, entgegenzuwirken. Dabei zeigte sich jedoch, daß die Ertragsfähigkeit des Bodens nur durch eine Herabsetzung der verrieselten Abwassermenge erhalten werden konnte.

In den Nachkriegsjahren wurden im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft immer mehr Flächen für den Anbau von Hackfrüchten und Getreide in Anspruch genommen. Aufgrund der veränderten Produktionszyklen verringerte sich für diese Standorte der für die Verrieselung nutzbare Zeitraum, so daß insgesamt weniger Abwasser aufgebracht werden konnte. Diese Kapazitätseinbußen versuchte man durch die intensivere Beaufschlagung auf den verbliebenen Grünlandstandorten auszugleichen.

Nach dem Mauerbau wurde die Mehrzahl der Rieselfelder von der Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Ost-Berlin weiterbetrieben. Ein Teilbereich des Rieselfelds Karolinenhöhe ist von den Berliner Wasser-Betrieben weitergeführt worden. Ein Großteil der südlichen Rieselfelder wurde seit den 60er Jahren durch die WAB Potsdam betrieben. Trotz der getrennten Verwaltung wurden Abwässer aus West-Berlin auch weiterhin auf Rieselfeldern in Ost-Berlin bzw. im Umland entsorgt (vgl. Tab. 1). Der Ausbau des Klärwerks Nord in Schönerlinde wurde zur Verbesserung der Wasserqualität in Panke, Tegeler Fließ und Nordgraben vom Land Berlin finanziell unterstützt.

Tabelle 1 - Dummy
[Ca. 19 KB groß.]

Tab. 1: Rieselfeldbezirke nach Betriebszeitraum, Menge und Herkunft des aufgebrachten Abwassers, Fläche und Flächennutzung

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Bis in die 60er Jahre blieb der Rieselfeldbestand weitgehend erhalten. Stillegungen von Rieselland erfolgten nur kleinflächig, etwa für den Straßenausbau oder im Bereich des ehemaligen Grenzgebietes. Großflächige Stillegungen erfolgten erst mit dem Ausbau der Berliner Klärwerke. So wurden im Bereich des Rieselfelds Karolinenhöhe für die Verrieselung genutzte Flächen nach Erstellung des Klärwerks Ruhleben 1963 erheblich verkleinert. Mit der Inbetriebnahme des Klärwerks Falkenberg (1969) erfolgten die großflächigen Stillegungen der Rieselfelder Falkenberg, Malchow und Hellersdorf. Ein Großteil der Flächen wurde für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung zur Verfügung gestellt. Nach Inbetriebnahme des Klärwerks Marienfelde (1974) erfolgte 1976 die Stillegung des Rieselfeldgebietes Osdorf. Die Rieselfelder Münchehofe und Tasdorf wurden ab 1976 mit der Inbetriebnahme des Klärwerks Münchehofe aufgegeben.

Ab Mitte der 70er Jahre wurden die in Ost-Berlin und im Umland verbliebenen Rieselfelder im Hinblick auf die notwendige Entsorgung der steigenden Abwassermengen mit besonders hohen Abwassermengen beschickt. Hierzu wurden insbesondere in den nördlichen Rieselfeldgebieten Hobrechtsfelde, Mühlenbeck, Schönerlinde und Buch sowie in den südlichen Gebieten Waßmannsdorf, Boddinsfelde und Deutsch-Wusterhausen Intensivfilterflächen angelegt.

Ende der 70er Jahre wurde dann die endgültige Aufgabe der Rieselfelder beschlossen. Die Voraussetzungen hierfür wurden mit der Inbetriebnahme des Klärwerks-Nord in Schönerlinde (1986) sowie der Erweiterung des bereits seit 1931 bestehenden Klärwerks Stahnsdorf geschaffen. Mit dem Ausbau des Klärwerks Waßmannsdorf konnten Ende der 80er Jahre weitere Rieselfeldflächen aus der Nutzung genommen werden.

Die genannten Klärwerke wurden häufig auf ehemaligem Rieselland errichtet. Im engeren Umfeld der verschiedenen Klärwerke werden Teilbereiche der stillgelegten Rieselfelder weiterhin im Rahmen der Abwasserbehandlung, insbesondere für die Lagerung und Kompostierung von Schlämmen genutzt.

Anfang der 80er Jahre wurden Untersuchungen zur Schadstoffbelastung und Nährstoffsituation der Rieselfeldböden begonnen (BBA 1982, Metz/Herold 1991, Salt 1987). Dabei zeigten sich in Böden und angebauten Nahrungspflanzen erhebliche Belastungen mit Schwermetallen. Ausgehend von diesen Ergebnissen wurde z.B. der Gemüseanbau im Bereich des Rieselfeldes Karolinenhöhe 1985 untersagt. Zu ähnlichen Konsequenzen führten Untersuchungen im Bereich der südlichen und nordöstlichen Rieselfelder. Auch hier wurde der Anbau von Nahrungspflanzen zugunsten von Futtermitteln eingeschränkt bzw. auf Kulturen umgestellt, die Schadstoffe in geringerem Maße anreichern.

Rieselfeldnutzung Anfang der 90er Jahre

1992 wurden noch etwa 1250 ha zur Abwasserverrieselung genutzt. Dabei handelte es sich um Teilflächen der Rieselfeldbezirke Karolinenhöhe, Sputendorf, Großbeeren, Deutsch-Wusterhausen und Wansdorf (Einstellung der Verrieselung 1998). Allerdings wurden insbesondere aufgrund von Teilflächenstillegungen deutlich geringere Abwassermengen aufgebracht als noch in den 70er Jahren. So verminderte sich die Beaufschlagungsmenge im Bereich Sputendorf seit 1971 von 21 auf derzeit 7,6 Mio. m³/Jahr. Gleiches gilt für das Rieselfeld Großbeeren. Dort sank die verbrachte Abwassermenge von 25,0 auf 3,2 Mio. m³/Jahr. Nach der Vereinigung ging die Betriebshoheit über die verbliebenen Rieselfelder mit Ausnahme von Wansdorf, Deutsch-Wusterhausen und dem in Brandenburg gelegenen Teil des Rieselfelds Karolinenhöhe wieder auf die Berliner Wasser-Betriebe über.

In Teilbereichen des Rieselfelds Sputendorf wird täglich bis zu 30 000 m³ mechanisch-biologisch gereinigtes Klarwasser aus dem Klärwerk Stahnsdorf versickert. Im Fall einer Überlastung des Klärwerks ist die Aufbringung von mechanisch gereinigtem Abwasser vorgesehen. Auf der als Schlammlagerplatz ausgewiesenen Teilfläche des Rieselfelds Sputendorf wird zur Zeit eine Schlammdekantierungsanlage errichtet. Hier sollen Klärschlämme des Klärwerks Stahnsdorf durch Zentrifugen entwässert werden. Das dabei anfallende Abwasser wird zur Kläranlage zurückgeführt.

Auf dem Berliner Teil des Rieselfelds Karolinenhöhe wurden 1990 etwa 0,9 Mio. m³ mechanischbiologisch gereinigtes Abwasser aus dem Klärwerk Ruhleben sowie weitere 1,7 Mio. m³ vor Ort mechanisch gereinigtes Abwasser versickert. Vorrangiges Ziel der Beschickung ist die andauernde Immobilisierung der im Boden angereicherten Nähr- und Schadstoffe sowie die Grundwasseranreicherung. Nach der Fertigstellung der technischen Voraussetzungen wird nur noch im Klärwerk Ruhleben mechanisch-biologisch gereinigtes Abwasser aufgebracht werden. Angestrebt wird eine Kapazität von 11,0 Mio. m³/Jahr. Gleichzeitig werden die Flächen als Havarieflächen für einen eventuellen Klärwerksausfall freigehalten. Insgesamt soll der Bereich als Erholungsraum entwickelt werden. Hierzu zählt auch die Umwandlung geeigneter Rieselfeldflächen in Feuchtbiotope.

Die Abwassermengen für das Rieselfeld Großbeeren werden über die dortigen Absetzbecken mechanisch gereinigt, das auf das Rieselfeld Deutsch-Wusterhausen geleitete Abwasser in der Kläranlage Königs-Wusterhausen.

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